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Frieden in Darfur ist möglich / von Ban Ki-moon --- Gastbeitrag in der Frankfurter Rundschau vom 15. September 2007

Wir sprechen oft und entschlossen über Darfur. Pauschal gesprochen befindet sich dort eine Gesellschaft im Krieg mit sich selbst. Rebellen bekämpfen die Regierung und andersherum. Aber die Realität ist komplizierter und die Gegner sind nicht immer klar auszumachen. In letzter Zeit kämpfen Stämme gegen Stämme und Rebellenführer gegen Rebellenführer.

Die Krise beschränkt sich nicht länger auf Darfur. Sie hat Grenzen überschritten und destabilisiert eine ganze Region. Darfur ist auch eine Umweltkrise, die durch Wüstenbildung, Umweltzerstörung und einem Mangel an Ressourcen entstanden ist. Zu nennen ist hier vor allem der Wassermangel.


Ich habe eine Woche in Darfur und der Region verbracht und bin jetzt zurückgekehrt. Ich habe den Menschen zugehört, die sehr offen zu mir waren. Vertreter der sudanesischen Regierung, Menschen, die aus ihren Dörfern vertrieben worden sind, Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und die Staats- und Regierungschefs der benachbarten Länder. Ich habe daraus ein tief greifendes Verständnis gewonnen. Es gibt für diese Krise nicht eine alleinige Lösung. Darfur ist leider das beste Beispiel, wie kompliziert die Dinge sein können. Wenn es Frieden geben soll, müssen alle Faktoren berücksichtigt werden, durch die der Konflikt entstanden ist.

Alles, was ich gesehen und gehört habe, hat mich überzeugt, dass wir Frieden schaffen können. Und wir müssen es erreichen. Außerhalb von El Fasher, der größten Stadt im Norden Darfurs, habe ich das El Salam Camp besucht, in dem 45 000 Vertriebene leben. Ich spürte ihre Hoffnungslosigkeit und Frustration. Ich sah Kinder, die noch nie außerhalb dieses Camps waren. Ich wollte ihnen ein Zeichen senden und versprach ihnen, alles für den Frieden zu tun und ihnen zu helfen, in ihre Dörfer zurückkehren zu können.

Wir haben einen guten Anfang gemacht. Der UN-Sicherheitsrat hat der Stationierung von 26 000 Blauhelmsoldaten der multinationalen Friedenstruppe zugestimmt, die gemeinsam von den UN und der Afrikanischen Union geführt wird. Als ich in Darfur war, habe ich gesehen, welche Schwierigkeiten die Soldaten dort haben werden. Ich habe aber auch gesehen, dass unsere logistische Vorbereitung bereits anläuft.

Eine Friedensmission kann nur erfolgreich sein, wenn es einen Frieden zu sichern gibt. Wir müssen mit aller Entschlossenheit eine politische Lösung suchen und genau das war das oberste Ziel meiner Reise.

In Khartum hat die Regierung von Präsident Omar al-Bashir ihre uneingeschränkte Unterstützung für die Friedensmission und die Friedensgespräche bekräftigt. Wir haben vereinbart, dass die Verhandlungen am 27. Oktober in Libyen unter der gemeinsamen Führung der UN und der Afrikanischen Union beginnen sollen. Die Regierung hat auch ihr Versprechen erneuert, die Feindseligkeiten sofort einzustellen. Dieses hatten auch die Rebellengruppen im vergangenen Monat in Arusha bereits getan. Während meines Besuchs gab es aber wiederholt Berichte über Spannungen, Zusammenstöße und Bombardierungen in der Stadt Haskanita in der Provinz Darfur. Es ist wichtig, dass beide Seiten Zurückhaltung üben und günstige Bedingungen für die Gespräche schaffen.

Bei der Darfur-Krise müssen wir über den Tellerrand blicken. In Juba, der Hauptstadt des südlichen Sudans, sind die politischen Führer besorgt, dass die Darfur-Krise die Aufmerksamkeit vom Friedensabkommen ablenken könne. Es wurde vor zwei Jahren unterzeichnet und beendete einen langen Bürgerkrieg.

Wenn wir über Darfur reden, dürfen wir die instabile Situation hier nicht ignorieren, damit kein neuer Krieg ausbricht und alle Bemühungen zunichte macht.

Der Frieden in Darfur muss tiefe Wurzeln bekommen, wenn er anhaltend sein soll. In Juba und El Fasher, habe ich gemerkt, wie wichtig es ist, vielen verschiedenen Stimmen zuzuhören - Stammesführern, Vertretern der unabhängigen politischen Bewegungen, Frauen und Flüchtlingsgruppen und lokalen sowie nationalen Regierungsbeamten. Als ich den libyschen Staatschef Oberst Gaddhafi in seinem Zelt in Sirte traf, bot er an, die Friedensgespräche in seinem Land zu organisieren. Er versicherte, dass er alles dafür tun werde, damit diese erfolgreich werden. "Jetzt oder nie!", sagte er und betonte, dass diese Gespräche die endgültig letzten sein müssten.

Während meines Besuchs wurde mir Gaddhafis künstlicher Fluss gezeigt: eine hunderte von Kilometern lange Pipeline, die Millionen Liter frisches Wasser von den Gebieten südlich der Sahara transportiert. In einer Region mit extremer Wasserknappheit, war dies ein unglaublicher Anblick. Ich war am Tag zuvor über den Tschad-See geflogen - ein riesiger Binnensee, der auf ein Zehntel seiner ursprünglichen Größe geschrumpft ist. Es besteht kein Zweifel, dass die Zukunft der Region von der Wasserversorgung abhängt.

In N'Djamena, der Hauptstadt des Tschad, sagte mir Präsident Idriss Deby, dass es ohne Wasser keine wirtschaftliche Entwicklung geben könne. Ohne wirtschaftlichen Fortschritt, sagte er weiter, könnten die 250 000 Flüchtlinge aus Darfur, die im östlichen Teil seines Landes leben, nie nach Hause zurückkehren. Sicherheit und Entwicklung sind miteinander verbunden, so Deby.

All das unterstreicht die Notwendigkeit für einen umfassenden Ansatz beim Darfur-Konflikt. Lösungen dürfen nicht Stückwerk sein.

Die Krise ist aus vielen Gründen entstanden. Wir müssen mit allen fertig werden - Sicherheit, Politik, Ressourcen, Wasser und humanitäre Fragen.

Mit der Komplexität umzugehen, macht unsere Arbeit schwieriger. Aber nur dies ist der Weg zu einer dauerhaften Lösung.

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