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Wasser ist Frieden / von Ban Ki-moon - Gastbeitrag in der Financial Times Deutschland, 20. März 2008

Wasser ist Frieden

Von Ban Ki-moon

Gastbeitrag in der Financial Times Deutschland, 20. März 2008


Wenn die Vereinten Nationen am 22. März den Weltwassertag begehen, fordern wir von den Menschen nicht, alles liegen zu lassen und eine Schweigeminute zu halten. Aber angebracht wäre es schon: Alle 20 Sekunden stirbt ein Kind an Krankheiten, die durch den Mangel an sauberem Wasser entstehen. Insgesamt kommen aus diesem Grund jedes Jahr 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche ums Leben.

Mehr als 2,5 Milliarden Menschen müssen in unerträglichen hygienischen Verhältnissen ihr Leben fristen. Ihnen zu helfen bedeutet mehr, als die Zahl der Todesopfer zu senken. Die Umwelt könnte besser geschützt, die Armut verringert und die Entwicklung gefördert werden.

Wasser ist Leben. Im Gegensatz zu Öl gibt es keinen Ersatz dafür. Jedoch sind die Süßwasserressourcen in vielen Weltregionen inzwischen knapp. Das Bevölkerungswachstum wird die Situation verschärfen, ebenso der Klimawandel. Und so wie die Weltwirtschaft wächst, so wird auch ihr Durst zunehmen.

Wie beim Öl sind die Probleme, die aufgrund knapper Ressourcen entstehen, auch beim Wasser häufig grenzüberschreitend. Die Nichtregierungsorganisation International Alert hat 46 Staaten mit insgesamt 2,7 Milliarden Einwohnern identifiziert, in denen Klimawandel und wasserbezogene Krisen zu einem hohen Risiko eines gewalttätigen Konflikts führen. In weiteren 56 Staaten mit insgesamt 1,2 Milliarden Menschen gibt es demnach instabile politische Verhältnisse. Zusammengerechnet ist das mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung.

Das Problem ist keine Frage von arm oder reich, von Nord oder Süd. China zum Beispiel leitet vor den Olympischen Spielen im Sommer zwar hunderte Millionen Kubikmeter Wasser in die dürregefährdete Region um Peking, aber es wird erwartet, dass es dort auf Jahre zu Wasserknappheit kommen wird. Und in Nordamerika mündet einer der mächtigsten Flüsse, der Colorado, nur noch selten ins Meer.

Das Wasser des Tschad-Sees in Zentralafrika versorgt etwa 30 Millionen Menschen. In den vergangenen 30 Jahren ist der See infolge von Dürre, Klimawandel, Missmanagement und zu starker Nutzung auf ein Zehntel der ursprünglichen Größe geschrumpft. Im Herbst 2007 war ich in Brasilien und wollte einen mächtigen Nebenstrom des Amazonas besichtigen. Er war ausgetrocknet.

Ich habe im vergangenen Jahr immer wieder auf die Gefahren des Klimawandels hingewiesen. Wir können die Ergebnisse unter anderem in den Beschlüssen des Weltklimagipfels von Bali sehen. Sie weisen einen Weg für Verhandlungen über einen rechtlich bindenden Vertrag, der den Ausstoß von Treibhausgasen begrenzen soll, wenn das Kioto-Protokoll 2012 ausläuft. In diesem Jahr werde ich ähnliche Anstrengungen unternehmen, um die Menschen an die Bedeutung der Millenniums-Entwicklungsziele für die Armutsbekämpfung zu erinnern.

Bis zum Jahr 2015 soll unter anderem die Zahl der Menschen halbiert werden, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Betrachtet man, an welchen Krankheiten und anderen Problemen die ärmsten Menschen leiden – Malaria und Tuberkulose, steigende Lebensmittelpreise und Umweltzerstörung – dann ist Wassermangel oft die Ursache dieser Übel.

Im September werde ich hochrangige Regierungsvertreter aus der ganzen Welt auf einem Gipfeltreffen zusammenbringen und mit ihnen beraten, wie die Entwicklungsziele der Vereinten Nationen verwirklicht werden können, vor allem in Afrika. In der Zwischenzeit müssen wir uns bessere Strategien für das Wassermanagement überlegen, um es effizient zu nutzen und gerecht zu verteilen. Das bedeutet, dass Partnerschaften zwischen Regierungen, aber auch mit der Zivilgesellschaft, Individuen und Unternehmen eingegangen werden müssen.

Wir stehen erst am Anfang dieses Aufbruchs. Aber es gibt ermutigende Zeichen, besonders aus der Privatwirtschaft. Unternehmen wurden lange als die Schuldigen gesehen. Die Schornsteine der Kraftwerke verschmutzen unsere Luft, industrielle Abwässer gelangen in unsere Flüsse. Aber dies ändert sich. Unternehmen sind heute immer häufiger Teil der Lösung statt des Problems.

Vor Kurzem trafen sich Mitglieder des UN Global Compacts (UNGC), um über das Problem des Wassermangels zu sprechen. UNGC ist die weltgrößte, freiwillige Initiative gesellschaftlichen Engagements von Unternehmen. Die Teilnehmer repräsentieren Konzerne mit einem Gesamtwert von etwa 500 Mrd. $ und haben Beschäftigte in fast 200 Staaten. Hauptthema des Treffens: Wasser soll nicht nur genutzt, sondern auch verwaltet werden. Dies bedeutet, eng mit der Uno, mit Regierungen und der Zivilgesellschaft zu kooperieren, um den zunehmend knappen Rohstoff zu schützen und dafür zu sorgen, dass lokale Gemeinschaften davon profitieren.

Eines der größten Textilunternehmen berichtete über seine Arbeit mit Verwaltungen und Landwirten vor Ort, bei der Regenwasser gesammelt und für den Anbau von Baumwolle genutzt wird. Ein Designer plant, seine Etiketten zu ändern und darauf aufzufordern, Jeans kalt zu waschen und zum Trocknen aufzuhängen, um Wasser zu sparen.
Das alles ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber ich sehe es als erste Welle in Zeiten des Wandels.

Der Autor ist Generalsekretär der Vereinten Nationen.

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