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Gemeinsam können wir Malaria unter Kontrolle bringen / von Ban Ki-moon --- Gastbeitrag in der Frankfurter Rundschau vom 25. April 2008

Meine Sicherheitsbeamten sind im Normalfall kaum zu erschüttern. Weder in drängelnden Menschenmengen noch in brenzligen Krisengebieten lassen sie sich leicht aus der Ruhe bringen. Als ich jedoch voriges Jahr bei einer Reise nach Ostafrika in einen Mückenschwarm geriet, konnte ich an ihrem Gesichtsausdruck ablesen, dass mein Personenschutz dieser unbewaffneten, punktgroßen Gefahr nicht viel entgegenzusetzen hatte.

Malaria tötet unerbittlich. In der Zeit, die Sie zur Lektüre dieses Artikels brauchen, werden weitere sechs Kinder an der Krankheit sterben. Jahr für Jahr infizieren sich bis zu 500 Millionen Menschen mit Malaria. Mehr als eine Million sterben.

Malaria verlangsamt nach Ansicht von Experten das Wirtschaftswachstum in Afrika um 1,3 Prozent jährlich, verzögert die Entwicklung und verursacht Produktivitätsverluste im Wert von zweistelligen Milliardenbeträgen. In den von der Krankheit besonders akut betroffenen Ländern kann die Malaria ohne Weiteres bis zu 40 Prozent der staatlichen Gesundheitsbudgets verschlingen. Die Auswirkungen auf die Gesundheit, das Wohlergehen und die Entwicklung der Gesellschaft sind niederschmetternd.

Das ist inakzeptabel - umso mehr, als Malaria verhütbar ist und behandelt werden kann. Die internationale Gemeinschaft hat bereits andere tödliche Pandemien erfolgreich bekämpft. Die Pocken sind besiegt. In der Geschichte der Ausrottung der Kinderlähmung schreiben wir gerade das letzte Kapitel. Auch wenn es uns nicht sofort gelingen mag, die Malaria völlig aus der Welt zu schaffen, können wir sie doch unter Kontrolle bringen und die Zahl der Opfer drastisch senken, wenn wir gemeinsam handeln.

Ziel ist die volle Kontrolle

Am 25. April begeht die internationale Gemeinschaft den ersten Weltmalariatag. An diesem Tag beginnt für uns, die Familie der Vereinten Nationen und ihre Partner, eine groß angelegte internationale Initiative zur verstärkten Bekämpfung der Malaria.

Zum ersten Mal versucht die internationale Gemeinschaft damit, die Krankheit voll unter Kontrolle zu bringen. Wir haben in der Vergangenheit schon einige Erfolge erzielt, doch reichten die Mittel nie für eine flächendeckende Malariabekämpfung aus. So waren wir gezwungen, uns vorwiegend auf kleine Kinder und schwangere Mütter zu konzentrieren - die beiden Gruppen, die der Malaria am ehesten zum Opfer fallen.

Wir retteten Leben, aber vielen Menschen konnten wir keinen Schutz vor der Krankheit bieten, die demzufolge am Leben blieb und sich in der Bevölkerung weiter ausbreitete. In Afrika südlich der Sahara, in Asien, Lateinamerika und der Karibik ist die Malaria nach wie vor endemisch.

Für einen erfolgreichen Kampf gegen die Malaria brauchen wir nicht mehr als eine flächendeckende Verteilung von Moskitonetzen und Medikamenten sowie eine Besprühung von Innenräumen mit langzeitwirksamen Insektiziden. Der Kauf und die Verteilung insektizidbehandelter Moskitonetze mit einer Haltbarkeit von bis zu fünf Jahren kosten weniger als zehn Dollar. Mit diesem geringen Aufwand können Regierungen einen Fünfjahresschutz gewährleisten. Die Empfänger können zur Schule gehen, arbeiten und produktiv zur Gesellschaft beitragen.

Besser könnten zehn Dollar kaum angelegt werden. Das zeigt sich am Beispiel Äthiopiens, wo in den letzten drei Jahren um die Hälfte weniger Kinder an Malaria starben als zuvor. In Ruanda sank die Zahl der Todesfälle bei Kindern um zwei Drittel. In beiden Ländern wurden Millionen von haltbaren, insektizidbehandelten Moskitonetzen verteilt und bei Bedarf Malariamedikamente an Betroffene ausgegeben.

Jetzt müssen wir in allen betroffenen Ländern energischer handeln. Zusammen mit der Initiative zur Zurückdrängung der Malaria und mit meinem neuen Sondergesandten für Malaria, Ray Chambers, stelle ich daher eine kühne, aber erreichbare Vision vor. Bis Ende 2010 wollen wir den Malariaschutz auf alle Menschen in Afrika ausdehnen, damit niemand mehr an dieser Krankheit stirbt.

Das beinhaltet die Versorgung der gesamten Risikobevölkerung in Afrika mit Moskitonetzen und die Desinfizierung gefährdeter Haushalte mit langzeitwirksamen Insektiziden. Außerdem müssen alle öffentlichen Gesundheitseinrichtungen die Möglichkeit haben, Malaria wirksam zu behandeln und zu diagnostizieren. In Regionen mit hoher Malariahäufigkeit muss es besondere Behandlungsmöglichkeiten für Schwangere geben.

Die Vorsorgewege sind zu stärken und zu erweitern, wobei den im Gesundheitswesen auf Gemeindeebene tätigen Personen besondere Bedeutung zukommt. Und weil noch immer so viele Menschen an Malaria sterben, ist auch eine erfolgreiche Forschungs- und Entwicklungstätigkeit im Hinblick auf längerfristige Maßnahmen zur Kontrolle, Bekämpfung und Ausrottung der Krankheit unerlässlich.

Afrika ist die Region mit den meisten malariabedingten Todesfällen, aber Afrika darf nicht alleiniges Ziel unserer Anstrengungen bleiben. Wie andere Probleme in unserer globalisierten Welt machen auch Malaria-Mücken vor Landesgrenzen nicht Halt. Ein stetiger Ressourcenzufluss muss gewährleistet sein, damit die einzelnen Länder die Malariabekämpfung nicht nur planen, sondern auch über Jahre hinweg fortsetzen können.

Traditionelle Partner wie die Weltbank, der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria sowie die Geberländer müssen mit Unterstützung des Privatsektors Gelder aufbringen. In den kommenden Monaten müssen die Länder, in denen die Malaria endemisch ist, Pläne zum Schutz ihrer gesamten Bevölkerung aufstellen, und die Geber müssen darauf mit einer zeitnahen und berechenbaren Finanzierung reagieren.

Weniger als 1000 Tage

Ein Ende der tödlichen Bedrohung durch Malaria bedeutet neues Leben für die übergeordnete Kampagne zur endgültigen Beseitigung der Armut. Die Armutsbeseitigung ist eines der zentralen Millenniums-Entwicklungsziele - der Vision zum Aufbau einer besseren Welt im einundzwanzigsten Jahrhundert, die sich alle Regierungen der Welt zu eigen gemacht haben.

Wir besitzen die Mittel und das Know-how. Aber bis Ende 2010 bleiben uns weniger als 1000 Tage. Machen wir uns an die Arbeit!

Ban Ki-moon ist Generalsekretär der Vereinten Nationen.


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