Donnerstag, 23 November 2017
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Wir brauchen mehr globale Kooperation“ / von Ban Ki Moon --- Gastkommentar im Handelsblatt vom 2. Juli 2008

Die Weltwirtschaft ist nach Einschätzung von Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon derzeit so großen Belastungen ausgesetzt wie schon lange nicht mehr. In einem Gastbeitrag für das Handelsblatt fordert er daher Staaten, Finanzorganisationen und die Vereinten Nationen auf, an einem Strang zu ziehen. Mit Blick auf die Nahrungsmittelkrise fordert Ban eine "zweite grüne Revolution".

Staaten, Finanzorganisationen und die Vereinten Nationen müssen an einem Strang ziehen, um die Krisen zu bewältigen Globales Wachstum ist das Leitmotiv unserer Zeit. Das seit fünf Jahrzehnten andauernde Wachstum hat den Lebensstandard weltweit angehoben und Milliarden Menschen aus der Armut befreit. Viele Menschen fragen sich jedoch, wie lange dies noch anhalten kann.

Jeden Tag sehen wir, wie Treibstoff, Nahrungsmittel und Rohstoffe teurer werden. Die Verbraucher in den entwickelten Ländern leben in Furcht vor einer Rückkehr der Stagflation, während die Ärmsten der Armen der Welt sich nichts mehr zu essen leisten können. Gleichzeitig bedrohen Klimawandel und Umweltzerstörung die Zukunft unseres Planeten. Bevölkerungswachstum und steigender Wohlstand belasten die Ressourcen der Erde in einem nie da gewesenen Maß. Alles scheint plötzlich knapp zu sein: Energie, saubere Luft und sauberes Wasser, alles, was uns nährt und unseren Lebensstil möglich macht.

Wenn die Führer der G8 kommende Woche auf Hokkaido in Japan zusammentreffen, sind wir uns bewusst, dass diese Probleme uns alle betreffen: Nord und Süd, große und kleine Länder, Reich und Arm. Und wir wissen, dass wir neue Wege finden müssen, damit die Vorteile des weltweiten Wirtschaftsbooms auch denjenigen zugute kommen, die dabei bisher am Wegrand zurückgelassen wurden, die so genannte "unterste Milliarde". Wenn es Probleme dieser Größenordnung und Komplexität zu bewältigen gilt, kann es nur einen Weg geben, nämlich sie als das zu sehen, was sie sind - Teile eines Ganzen, die einer umfassenden Lösung zugänglich sind.

Ein großer Teil dieser Lösung sollte eine "globale, angebotsseitige Reaktion" sein, wie es einige Ökonomen bezeichnen, auf der Grundlage einer nachhaltigen Entwicklung, bei der alle - Einzelstaaten, Finanzorganisationen, die Vereinten Nationen und ihre verschiedenen Einrichtungen - an einem Strang ziehen.

Wenden wir uns zuerst der globalen Nahrungsmittelkrise zu. Sie hat viele Ursachen, darunter das Versäumnis, der landwirtschaftlichen Entwicklung den ihr gebührenden Stellenwert einzuräumen. Tatsächlich benötigen wir eine zweite "grüne Revolution" von derselben Art, wie sie einst Südostasien von Grund auf veränderte, wobei diesmal die Kleinbauern in Afrika im Mittelpunkt stehen müssen. Es gibt keinen Grund, warum die Produktivität durch die richtige Kombination von Programmen nicht innerhalb relativ kurzer Zeit verdoppelt und die weltweite Knappheit gelindert werden kann.

Ich werde die G8-Staaten auffordern, die öffentliche Entwicklungshilfe für Agrarforschung und-entwicklung im Laufe der nächsten drei bis fünf Jahre zu verdreifachen. Wir müssen sofort handeln, damit die Bauern in den gefährdeten Ländern rechtzeitig vor den kommenden Ernten Saatgut, Düngemittel und andere landwirtschaftliche Produktionsfaktoren erhalten. Darüber hinaus müssen wir die Staaten dazu bringen, dass sie die Ausfuhrbeschränkungen für Nahrungsmittel aufheben, die viele von ihnen in diesem Frühjahr verhängt haben, und die Agrarsubventionen abschaffen, die viele entwickelte Länder ihren eigenen Bauern zukommen lassen. Diese künstlichen Schranken verzerren den Handel, treiben die Preise nach oben, verschärfen die bestehende Krise und gefährden das globale Wachstum.

Wirtschaftswandel in die richtigen Bahnen lenken

Auch beim Klimawandel spielt nachhaltige Entwicklung bei der Lösung des Problems eine große Rolle. Die meisten Experten sind sich darin einig, dass billige Energie bald der Vergangenheit angehören wird. Unsere größten Hoffnungsträger für sauberere und erschwingliche Energie sind alternative Technologien. Auch hier ist eine neue "grüne Revolution" im Gange.

Unsere Aufgabe als führende Politiker ist es, dabei behilflich zu sein, diesen beginnenden Wirtschaftswandel in die richtigen Bahnen zu lenken und zu beschleunigen. Wir müssen zu einer Änderung der Verhaltensweisen und der Konsumgewohnheiten in allen entwickelten Ländern beitragen und den Entwicklungsländern helfen, zu einer "grünen" Wirtschaft überzugehen, indem wir für die möglichst weite Verbreitung klimafreundlicher Technologien sorgen.

Auf Hokkaido können wir einen großen Schritt nach vorne tun. Im Bewusstsein unserer Verantwortung gegenüber den ärmsten Ländern, die am stärksten durch den Klimawandel gefährdet sind, müssen wir den globalen Anpassungsfonds vollständig finanzieren und dafür sorgen, dass er seine Tätigkeit aufnimmt. Mit Blick auf das Gipfeltreffen über den Klimawandel im Dezember in Posen - und darüber hinaus auf Kopenhagen 2009 - müssen wir die Verhandlungen über ein umfassendes Übereinkommen zur Einschränkung der Treibhausgase vorantreiben. Vor allem jedoch müssen wir ein Bewusstsein für die Dringlichkeit dieser Unterfangen schaffen und eine echte Führungsrolle ausüben. Es ist nicht damit getan, Ziele für das Jahr 2050 zu setzen, das in ferner Zukunft liegt. Wir müssen auch mittelfristige Ziele bis zum Jahr 2020 festlegen, wenn es uns ernst damit ist, einen Wandel hier und heute zu fördern.

Schließlich wird auf Hokkaido auch unsere Entschlossenheit zur Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele auf die Probe gestellt. Die Geber haben alleine für Afrika bis 2010 einen Betrag von 62 Milliarden Dollar zugesagt. Jetzt ist die Zeit gekommen, um dieses Versprechen einzuhalten.

Die Weltwirtschaft war schon lange nicht mehr so großen Belastungen ausgesetzt. Heute mehr denn je gilt es zu beweisen, dass wir auf globaler Ebene zusammenarbeiten können, um echte Ergebnisse zu erzielen, wenn es darum geht, die Bedürfnisse der Armen und Hungernden zu befriedigen, Technologien für nachhaltige Energie für alle zu fördern, die Welt vor dem Klimawandel zu schützen und die Fortsetzung des weltweiten Wirtschaftswachstums zu sichern. Das ist es, was uns verbindet. Wir müssen handeln, weil es in unser aller aufgeklärtem Eigeninteresse liegt.

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