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Unsere Pflicht zum Handeln / Ein Gastbeitrag von Ban Ki Moon / Sueddeutsche.de

Unsere Pflicht zum Handeln

2008 war für alle ein schweres Jahr. Ich habe es das "Jahr der vielen Krisen" genannt. Es sieht aus, als würde 2009 noch schwerer. Nur außerordentliche Führungsstärke verspricht Erfolg.

Ein Gastbeitrag von Ban Ki Moon

sueddeutsche.de, 06.01.2009

2008 war für uns alle ein schweres Jahr. Ich habe es das "Jahr der vielen Krisen" genannt. Es sieht so aus, als würde das kommende Jahr noch schwerer.

Das Ende der Gewalt in Gaza und in Südisrael ist uns ein dringendes Gebot. Die Eskalation und das Leid der Zivilbevölkerung sind zutiefst erschreckend. Es gilt, unverzüglich eine Waffenruhe zu erreichen.

Die regionalen und internationalen Partner müssen ihren Einfluss geltend machen, um einen Dialog und die Verhandlungen wieder aufzunehmen, bei denen es bescheidene, jedoch ermutigende Anzeichen für Fortschritte gegeben hatte. Israelis und Palästinenser müssen den Weg des Friedens dringend weiter beschreiten.

Für 2009 stellen sich uns Herausforderungen, die vom Klimawandel bis zum Wirtschaftskollaps reichen. Sie werden unser Engagement und unseren guten Willen härter auf die Probe stellen als je zuvor.

Auf dem Gebiet der Menschenrechte sprechen wir von der Schutzverantwortung. Auf dem umfassenderen Gebiet dessen, was wir auf internationaler Ebene gemeinsam erreichen wollen, sollten wir von einer Verantwortung zu Handeln sprechen. Im Rückblick auf 2008 würde ich uns, offen gesagt, ein gemischtes Zeugnis ausstellen.

So freue ich mich zum Beispiel darüber, wie die Welt durch die Rezession näher zusammengerückt ist. Allerdings fürchte ich, dass dies nur der Anfang ist. Durch diese Krise wird die internationale Solidarität auf die Probe gestellt werden. Sie bildet den Schlüssel zu jeder Lösung.

Unsere Reaktion auf die Naturkatastrophen von Myanmar bis Haiti hat mich zufrieden gestellt. Doch bin ich enttäuscht darüber, dass die Regierung Myanmars entgegen ihrer Versprechen nicht dazu bereit war, einen demokratischen Dialog zu führen und politische Gefangene freizulassen.

In der Demokratischen Republik Kongo haben die Einsatzkräfte der UN unter schwierigen Umständen mutig die Stellung gehalten. Sie waren jedoch nicht imstande, unschuldige Menschen vor Gewalt zu schützen. Unsere Menschenrechtsbilanz steht vielerorts und in vielerlei Hinsicht auf dem Prüfstand. Trotzdem müssen wir weiter entschlossen für die Grundsätze der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte eintreten.

Auf eines der schwerwiegendsten Probleme des Jahres haben wir gut reagiert. Die Nahrungsmittelkrise beherrscht zwar nicht mehr die Schlagzeilen, doch ist sie längst nicht vorüber.

Die Vereinten Nationen sind dabei, dieses komplexe Problem anzugehen. Aufgaben in den Bereichen Ernährung, Agrarproduktion, Handel und sozialer Schutz werden aktiv angegangen. Die Änderung Jahrzehnte alter Methoden auf dem Gebiet der Landwirtschaft und des öffentlichen Gesundheitswesens sind bereits zu großen Stücken gelungen und tragen maßgeblich dazu bei, die Millenniums-Entwicklungsziele zu fördern und die am stärksten durch Klimawandel, Armut und Wirtschaftskrisen gefährdeten Menschen zu schützen.

Von allen vor uns liegenden Herausforderungen ist der Klimawandel die wichtigste. Vor wenigen Wochen nahm ich in Posen am Weltklimagipfel teil. Die meisten der Politiker waren sich bewusst, dass dringend ein - wie ich ihn nenne - grüner "New Deal" geschlossen werden muss. Investitionen in umweltfreundliche Technologien sollten Teil eines jeden globalen wirtschaftlichen Anreizpakets sein.

Alle waren sich einig, dass es keine Zeit mehr zu verlieren gilt. Bis Kopenhagen bleiben uns nur mehr zwölf kurze Monate. Wir müssen uns vor Ende 2009 auf ein ausgewogenes, umfassendes und für alle Nationen annehmbares globales Maßnahmenpaket zur Bekämpfung des Klimawandels einigen.

Nur durch außerordentliche Führungsstärke ist Erfolg möglich. Ich selbst werde weiter auf größere Eile dringen und ein Motor des politischen Willens sein. Zu Beginn der 64. Generalversammlung plane ich, ein Gipfeltreffen über den Klimawandel einzuberufen.

Allerdings gehe ich davon aus, dass sich die Staats- und Regierungschefs schon vorher treffen müssen, damit es 2009 zu einem Ergebnis kommen kann. Gemeinsam können wir der Verantwortung gerecht werden, die wir für die Erde und für alle Menschen tragen - unserer Pflicht zu Handeln.


Der Südkoreaner Ban Ki Moon ist seit dem 1. Januar 2007 Generalsekretär der Vereinten Nationen. Der 64-Jährige war zuvor von 2004 bis 2006 Außenminister seines Landes.

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