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"Starke Frauen sind unsere Zukunft"/ Gastbeitrag von Navanethem Pillay in Süddeutsche Zeitung online

"Starke Frauen sind unsere Zukunft"

Gastbeitrag von UNO-Hochkommissarin Navanethem Pillay in Süddeutsche Zeitung online, 8. März 2009


Ich habe am Internationalen Tag der Frau vieles zu feiern. In meinem Leben habe ich unvorstellbare Veränderungen erlebt - in meinem eigenen Land und weltweit.

Ich habe gesehen, welche Kraft gewöhnliche Menschen haben, die gegen Ungerechtigkeit aufgestanden sind und über alle Widrigkeiten triumphiert haben. Als farbige Frau, die in Armut aufwuchs, habe ich Geschlechter-, Rassen- und Klassendiskriminierung erfahren. Heute feiere ich die Kraft der Frauen. Die Kraft, die spezielle Verletzbarkeit zu überwinden, die sich aus diesen vielfachen Formen der Diskriminierung ergibt.

Als junge Jurastudentin zur Zeit der Apartheid in Südafrika wurde ich gewarnt, dass weiße Sekretärinnen von mir keine Anweisungen entgegennehmen würden. Ich hatte Glück, dass mich nach meinem Examen ein schwarzer Anwalt einstellte. Aber als erstes zwang er mich zu versprechen, dass ich nicht schwanger werden würde.

Als Hochkommissarin für Menschenrechte ist es meine Aufgabe, die Menschenrechte zu fördern und zu schützen, einschließlich der Frauenrechte, und zwar für alle Frauen. Ich fürchte, dass die jetzige Wirtschaftskrise besonders die Frauen trifft.

Die Mehrheit der Armen und Entrechteten sind Frauen. Frauen werden um ihre wirtschaftlichen, sozialen, bürgerlichen und politischen Rechte gebracht. Wenn wir Frauen stärken wollen, dann muss anerkannt werden, dass sie all diese Rechte wirklich besitzen.

Noch immer wird Frauen nicht der gleiche Lohn für gleiche Arbeit gezahlt, und sie besitzen auch nicht den gleichen rechtlichen Schutz am Arbeitsplatz. Hausangestellte - vor allem mit Migrationshintergrund - unterliegen häufig nicht der Reichweite der Arbeitsgesetze.

In vielen Ländern hindern Gesetze Frauen daran, finanziell unabhängig zu sein. Sie werden außerdem bei der Arbeit, bei Besitz und Erbschaften diskriminiert. Zusätzlich sorgt auch die Wirtschaftspolitik für Diskriminierung. Sie vergrößert die Kluft zwischen Reichen und Armen und hindert Frauen daran, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Gewalt gegen Frauen verstärkt ihre Verletzbarkeit. Die Uno betrachtet diese Gewalt als eine "Epidemie". Während ich mich gegen häusliche Gewalt einsetzte, habe ich direkt die Folgen miterleben müssen, die diese Gewalt für Frauen, Kinder und Familien hat und wie diese Verbrechen sie zugrunde gehen lassen. Zu oft werden diese Taten verschwiegen und bleiben ungesühnt.

So wie Gewalt gegen Frauen eine Waffe der Unterdrückung zu Hause ist, so ist sie auch ein Mittel in bewaffneten Konflikten. Als Richterin am Uno-Tribunal zur Aufarbeitung des Völkermords in Ruanda habe ich Frauen vernommen, die über sexuelle Gewalttaten berichteten. Ich erlebte auch, wie Gewalt eingesetzt wurde, um ihre Familien zu zerstören.

Trotz der anhaltenden Gewalt und der Diskriminierung von Frauen begehe ich den heutigen Tag feierlich. Ich feiere die Kraft der Frauen, die ihren Mut nicht verlieren, die überleben und dann sogar noch erfolgreich sind.

Ich feiere die Idee der Gleichheit von Frauen und Männern, die im Völkerrecht festgeschrieben ist und unsere gemeinsamen Anstrengungen, diese Idee für alle Menschen wahr werden zu lassen. Ich feiere auch die wachsende Zahl von Männern, die begreifen, dass Gleichberechtigung sowohl Männern als auch Frauen zugute kommt und die daran arbeiten, Gewalt und Diskriminierung zu verhindern.

Das Motto des diesjährigen Internationalen Tags der Frau "Frauen und Männer vereint zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen und Mädchen" ist nicht nur eine Anerkennung, sondern auch ein Aufruf zum Handeln, um die globale Kampagne des Uno-Generalsekretärs zu unterstützen.

Es gibt Zeichen des Fortschritts: Frauen sitzen in den Parlamenten, sind Staatsoberhäupter, Richterinnen an den obersten Gerichtshöfen und arbeiten bei den Vereinten Nationen. Vielleicht ein Ergebnis ist, dass ich überall auf der Welt Mädchen sehe, die mit anderem Selbstbewusstsein aufwachsen als ich und die meisten meiner Generation.

Diese Mädchen und Frauen sind stark. Sie sagen Nein zu verabscheuungswürdigen Taten wie der Zwangsverheiratung von Kindern, Verstümmelung weiblicher Genitalien und sexueller Belästigung. Sie wollen in die Schule gehen und eine Ausbildung absolvieren.

Sie wollen Anwältinnen, Ärztinnen, Richterinnen und Abgeordnete werden. Sie wollen die Welt verändern, in der sie leben. Ich weiß sie werden es, und ich feiere all jene jungen Frauen am Internationalen Tag der Frau. Sie sind unsere Zukunft.

Navanethem Pillay wurde 1941 im südafrikanischen Durban geboren. Seit Juli 2008 ist die Juristin Hochkommissarin für Menschenrechte bei den Vereinten Nationen.

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