Montag, 20 November 2017
UNRIC logo - Deutsch
                

Gastbeitrag von UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon zum Klimagipfel in Spiegel Online, 17. November 2009

"Wir dürfen diese einzigartige Chance nicht vergeuden"

In drei Wochen wird die UNO-Klimakonferenz in Kopenhagen beginnen. Sie wird ein Meilenstein der internationalen Anstrengungen sein, mehr Nachhaltigkeit auf unserem Planeten zu erreichen. Nach Ansicht der Wissenschaft steht in Kopenhagen alles auf dem Spiel. Wir dürfen diese einzigartige Gelegenheit nicht vergeuden, einen neuen Weg zu beschreiten, der zu Wohlstand aber auch zu weniger Kohlendioxidausstoß führt. Jetzt ist dieser Moment gekommen.

Der Klimawandel hat auch Folgen für alle anderen Herausforderungen, vor denen wir stehen: weltweite Armut, Gesundheitsversorgung, Wirtschaftswachstum, Nahrungssicherheit, sauberes Wasser und Energie. Deshalb ist der Klimawandel mein wichtigstes Thema seit meinem Amtsantritt geworden.

Wir haben in den vergangenen zwei Jahren bedeutende Fortschritte erzielt. Der Klimawandel ist längst kein Nischenthema mehr, sondern beherrscht die internationale Agenda. Im September hatte ich in New York einen Gipfel einberufen, an dem 101 Staats- und Regierungschefs teilgenommen haben. Es war das bisher größte Treffen der politisch Verantwortlichen zu diesem Thema. Präsidenten, Premiers und Ministerpräsidenten, die alle unterschiedlich vom Klimawandel betroffen sind, sind sich einig: Wir müssen dringend handeln, damit der vom Menschen verursachte Klimawandel nicht außer Kontrolle gerät.

"Jede Nation muss ihren Beitrag leisten"

Beim Gipfel signalisierten die Teilnehmer, dass sie in Kopenhagen ein Abkommen erreichen wollen. Sie äußerten breite Zustimmung, langfristige Ziele zu verabschieden, um den weltweiten Temperaturanstieg auf ein sicheres Maß zu begrenzen. Jetzt lautet die Aufgabe, diese Vision in politische Realität zu verwandeln. Gemeinsam müssen wir sicherstellen, dass alle Länder daran arbeiten, langfristig den weltweiten Temperaturanstieg zu begrenzen, verletzliche Bevölkerungsgruppen zu schützen und grünes Wachstum zu schaffen.

Wir können diese Ziele in Kopenhagen erreichen. Ich werde weiter darauf drängen, ein möglichst umfassendes Abkommen zu verabschieden. Eines, das den Forderungen der Wissenschaft standhält und den Weg weist für ein weltweit bindendes Abkommen, das unser Endziel sein muss. In Kopenhagen müssen nicht alle Details geklärt werden. Aber es muss dort klar entschieden werden, wie die Grundlagen eines weltweiten Klimaabkommens aussehen werden.

Im Moment ist es wichtig, dass sich die Staaten bei den Hauptfragen einigen. Jede Nation muss ihren Beitrag leisten.

  • Industrieländer müssen ehrgeizige Ziele setzen, um ihren Ausstoß von Treibhausgasen zu senken.
  • Entwicklungsländer müssen mehr tun, um die Zunahme ihrer Emissionen zu verlangsamen.
  • Wir müssen uns darauf verständigen, wie wir verletzlichen Bevölkerungsgruppen dabei helfen können, sich an den Klimawandel anzupassen.
  • Regierungen müssen sich auf umfassende Maßnahmen zur Finanzierung und technologischen Unterstützung verständigen. Nur dann können die Entwicklungsländer ihre Emissionen senken und mit den Folgen des Klimawandels fertig werden.
  • Außerdem müssen sich die Regierungen auf faire und transparente Strukturen einigen, um diese Unterstützung leisten zu können.

Meiner Ansicht nach muss in Kopenhagen mindestens ein Abkommen geschlossen werden, das diese Punkte klar angeht. Nur dann können wir von einem Erfolg sprechen.

Aber Kopenhagen entscheidet nicht endgültig über Erfolg oder Misserfolg. Die Konferenz ist auch nicht der Schlusspunkt für gemeinsames weltweites Handeln. Entscheidend wird die Umsetzung sein. Letztlich wird uns die Wissenschaft sagen, ob wir erfolgreich waren oder nicht. Ich bin entschlossen, als neutraler Mittler bei den von Dänemark angeführten Vorbereitungen zu agieren. Die Vereinten Nationen werden weiter globale Beratungen abhalten und unterstützen sowie den Regierungen mit ihrer weltweiten Kompetenz zur Seite stehen, wenn sie Klimaabkommen umsetzen wollen.

Letztlich liegt es aber an den Regierungen, über Inhalt und Form eines Abkommens zu entscheiden. Die Verantwortung für das Ergebnis von Kopenhagen liegt - wie bei jedem internationalen Abkommen - auf ihren Schultern. Es ist entscheidend, dass die Staats- und Regierungschefs teilnehmen. Ich begrüße es, dass der dänische Ministerpräsident Rasmussen sie nach Kopenhagen eingeladen hat, und ich begrüße die Bereitschaft von US-Präsident Obama, eine Teilnahme zu erwägen.

"Finanzierung ist entscheidendes Element"

Ich fordere alle Staaten auf, mehr zu tun und Kopenhagen zu dem Ort zu machen, an dem die Welt ein umfassendes Abkommen beschließt, das die Grundlage für gemeinsames Handeln gegen den Klimawandel bildet. Aus diesem Grund begrüße ich auch die Anstrengungen der EU-Staaten, die führend bei den Zielen für die mittelfristige Reduzierung der Emissionen sind. Sie sind von entscheidender Bedeutung, damit andere Staaten ebenso ehrgeizig handeln. Ich fordere die Staats- und Regierungschefs der EU auf, die gleiche Führungsstärke zu zeigen, wenn es darum geht, ihren gerechten Anteil an einem internationalen Paket zur Klimafinanzierung zu leisten und eine schnelle Finanzierung zu unterstützen.

Angemessene, verlässliche und zusätzliche Finanzierung - aus öffentlichen und privaten Quellen - ist nötig, um die Entwicklungsländer zu unterstützen. Natürlich werden die Vorteile allen Ländern zugutekommen. Beim EU-Gipfel im Oktober in Brüssel wurde über die Höhe des langfristigen Finanzierungsbedarfs gesprochen. Jetzt benötigen wir mehr Klarheit, welche genauen Beträge die Industrieländer zusagen wollen. Eine klare Finanzierung ist ein entscheidendes Element eines erfolgreichen Klimaabkommens.

Wenn es eine Lektion gibt, die wir aus der Klimakrise und den anderen Krisen des vergangenen Jahres lernen können, dann diese: ob Nahrungs-, Energie-, Finanzkrise und die Grippepandemie: Wir teilen uns einen Planeten, eine Heimat. Als Menschen, als Nationen, als Art. Diese Themen gehen uns alle an. Lassen Sie uns zusammen daran arbeiten, die Möglichkeiten zu nutzen, die uns Kopenhagen bietet!

 

Praktikant/-in für Bonner UNRIC-Büro gesucht

UNRIC bietet im Bonner Büro ein 8- bis 12-wöchiges Praktikum ab März 2018 an.
Bewerber/-innen sollten sich noch im Studium befinden, oder vor kurzem ihr Studium beendet haben und erste Erfahrungen in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit oder im Journalismus besitzen.
Sehr gute Englisch- und Deutschkenntnisse sind Voraussetzung. Das Praktikum ist unbezahlt.
Bitte senden Sie Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen an:
[email protected]

UNRIC Verbindungsbüro in Deutschland, Bonn
Tel.: +49 (0)228 / 815-2773 / 2774
Fax: +49 (0)228 / 815-2777

UN Card 2016 DE 250px front