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"Haiti soll nicht abhängig bleiben" -- Gastbeitrag von UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon in sueddeutsche.de, 20. Januar 2010

Die Katastrophe in Haiti zeigt, dass es inmitten der schlimmsten Zerstörung Hoffnung gibt. Ich habe das selbst in Port-au-Prince gesehen. Unser Hauptquartier bestand nur noch aus zerbröckeltem Beton und verbogenem Stahl. "Wie hätte dies jemand überleben können?" dachte ich. Nur kurze Zeit, nachdem ich wieder auf der Rückreise war, fanden Retter einen Überlebenden - fünf Tage lang war er verschüttet, hatte kein Wasser und keine Nahrung, aber er blieb am Leben. Ich glaube, dass dies ein kleines Wunder ist.

Katastrophen wie die in Haiti erinnern uns an die Zerbrechlichkeit des Lebens. Aber sie zeigen auch, wie stark wir sind. Ich habe bemerkenswerte Zeichen des Muts gesehen und Menschen, die unsäglich leiden müssen und doch besondere Widerstandskraft zeigten:

Eine Gruppe junger Männer erzählte mir in der Nähe der Ruinen des Präsidentenpalasts, dass sie helfen wollten, Haiti wieder aufzubauen. Nach Ende der unmittelbaren Krise hoffen sie auf einen Arbeitsplatz und eine Zukunft in Würde.

Auf der anderen Straßenseite traf ich eine junge Mutter, die mit ihren Kindern in einem Zelt in einem Park lebte und nur wenig zu essen hatte. Es gibt Tausende wie sie, die geduldig ausharren und sich gegenseitig so gut es geht helfen. Sie vertraut auf rasche Hilfe, genauso wie die anderen. "Ich bin gekommen, um Hoffnung zu verbreiten und nicht Verzweiflung", sagte ich ihr.

Die Hilfe kommt - trotz aller logistischen Schwierigkeiten in einer Stadt, in der jegliche Versorgung zusammengebrochen ist. Seit Montagmorgen sind mehr als 40 internationale Rettungsmannschaften mit mehr als 1700 Mitarbeitern im Einsatz. Die Wasserversorgung wird besser, eine große Anzahl von Zelten und Notunterkünften wird ins Land gebracht. In einigen schwer zerstörten Krankenhäusern kann mit der Unterstützung ausländischer Mediziner wieder Hilfe geleistet werden. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) verteilt zusammen mit der US-Armee Nahrung an fast 200.000 Menschen. WFP will in den kommenden Wochen bis zu einer Million Menschen versorgen können, später bis zu zwei Millionen. Jeder Staat, jede internationale Hilfsorganisation der Welt leistet einen Beitrag für Haiti. Unsere Aufgabe ist es, diese Hilfe zu kanalisieren. Wir haben keine Zeit zu verlieren und dürfen kein Geld verschwenden. Das erfordert starke und effektive Koordination. Die Vereinten Nationen müssen dabei die Führung übernehmen.

Die Bemühungen der verschiedenen Organisationen sollen sich ergänzen und nicht doppeln. Der Gesundheitsbereich wird beispielsweise von der
Weltgesundheitsorganisation geleitet, die die medizinische Hilfe von 21 Organisationen organisiert.

Die Dringlichkeit des Augenblicks wird natürlich unsere Planungen dominieren. Jedoch ist es nicht zu früh über morgen nachzudenken - ein Punkt, den Staatspräsident René Préval unterstrich, als wir zusammentrafen. Obwohl Haiti sehr arm ist, hatte das Land Fortschritte erzielt. Es erfreute sich einer neuen Stabilität. Investoren waren zurückgekehrt.

Es wird nicht ausreichen, das Land wiederaufzubauen, wie es war, noch geht es um rein kosmetische Verbesserungen. Wir müssen Haiti bei einem besseren Wiederaufbau helfen, indem wir mit der Regierung arbeiten, sodass Geld und Hilfe einen lang anhaltenden Nutzen zeigen,
Arbeitsplätze geschaffen werden und das Land nicht von der Großzügigkeit der Welt abhängig bleibt.

Haitis Notlage ist eine Mahnung an unsere weitergehende Verantwortung. Vor einem Jahrzehnt einigte sich die internationale Gemeinschaft zu
handeln, um extreme Armut bis 2015 zu beseitigen. Doch wir sind weit davon entfernt, unsere Versprechen einzulösen.

Während wir Haiti zu Hilfe eilen, lassen Sie uns auf ein größeres Bild blicken. Das war die Botschaft, die ich erhalten habe von den Menschen auf den Straßen von Port-au-Prince. Sie fragten nach Arbeit, Würde und eine bessere Zukunft. Das ist die Hoffnung aller Armen der Welt. Das Richtige für Haiti zu tun, wird eine starke Botschaft der Hoffnung für alle sein.

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