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Klimawandel trifft viele Entwicklungsstaaten schwer / von Achim Steiner und Yvo de Boer --- Gastbeitrag in der Frankfurter Rundschau vom 18. Oktober 2006

Anfang November kommen Experten in der kenianischen Hauptstadt Nairobi zusammen. Auf der Agenda des zwölften Klimagipfels stehen der Anstieg der weltweiten Temperaturen und dessen Folgen.

Kinder am Limpopo, einem der mächtigsten Ströme im südlichen Afrika, spielen bei einem Brettspiel im wörtlichen Sinne um ihr Leben. Wenn ein Spielstein auf einem Feld landet, das als überflutungssicheres Dorf ausgewiesen ist, darf er mehrere Felder vorrücken. Wenn der Stein aber auf ein Feld kommt, das einen gelichteten Wald oder Bodenzerstörung zeigt, muss er sechs Felder zurückspringen.

Das Spiel unterstreicht in einfacher Weise die Probleme, denen Entwicklungsstaaten gegenüberstehen, wenn sie sich an extreme Wetterereignisse im Zusammenhang mit dem Klimawandel anpassen müssen.

Das Kyoto-Protokoll von 1997 schreibt die Ziele zur Verminderung der Treibhausgas-Emissionen in Industriestaaten für die Zeit von 2008 bis 2012 um fünf Prozent unterhalb des Niveaus von 1990 fest. Es hat Anreize zum Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft geschaffen, die Investitionsentscheidungen von Industrien in Richtung klimafreundlicher Optionen lenkt.

Das Protokoll bindet die Entwicklungsstaaten über den Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung (CDM) mit ein. Der erlaubt den Industriestaaten in Entwicklungsstaaten zu investieren - etwa in die Aufforstung von Wäldern und in Erneuerbare Energien - , um im Gegenzug Emissionsrechte zu erwerben.Es wird erwartet, dass bis 2012 die Reduktion zertifizierter Emissionen durch den CDM mindestens 1,2 Milliarden Tonnen ausmacht, was den Emissionen Großbritanniens und Spaniens entspricht.
Emissionskürzungen sind notwendig

Die Industriestaaten sind noch immer auf dem Weg, ihre Kyoto-Verpflichtungen voll zu erfüllen. Es ist jedoch klar, dass auf lange Sicht einschneidende Emissionskürzungen notwendig werden. Allerdings haben uns frühere Umweltverschmutzungen der Industriestaaten bereits einen Klimawandel in gewissem Ausmaß garantiert. Kohlendioxid kann in der Atmosphäre immerhin bis zu 200 Jahre überdauern. Deshalb muss die internationale Gemeinschaft den Entwicklungsstaaten helfen, sich anzupassen.

Die am wenigsten entwickelten Staaten haben bereits Nationale Aktionsprogramme zur Anpassung aufgestellt oder sind dabei. Etwa in Malawi, wo fast jeder Aspekt des Lebens Maßnahmen zur "Klimasicherheit" erfordert, haben in den vergangenen Jahrzehnten Dürren und Überschwemmungen an Intensität, Häufigkeit und Umfang zugenommen. Vor sechs Jahren haben Überschwemmungen Fischteiche zerstört, während eine Dürre Mitte der 90er Jahre einen Totalverlust der Fischbestände im Chilwa-See verursachten. Malawis Aktionsprogramm fordert eine Wiederaufstockung der Fischbestände, Hilfe bei der Fischzucht und ein besseres Verständnis dafür, wie Temperaturen die Reproduktion von wichtigen Tierarten unterbrechen. Es fordert auch die Wiederaufforstung des Einzugsgebietes des Shire-Flusses, der den Hauptteil der Stromversorgung des Landes produziert. Kahlschlag und nicht-nachhaltige landwirtschaftliche Methoden haben zur Verlandung der Staudämme geführt.

Samoas Aktionsplan fordert eine Unterstützung bei der Verlagerung der Infrastruktur und der Gemeinden auf höher gelegene Gebiete, Maßnahmen zur Sicherung von Gebäuden gegen die vermehrten Zyklone und Wiederherstellung der Gemeindebrunnen.
Anpassungsdruck wächst

Die Finanzierung von Anpassungsschritten wird durch den CDM und freiwillige Finanzzusagen für einen Sonderfonds erleichtert, der für die Aktionsprogramme eingerichtet wurde. Allerdings müssen die Summen erhöht werden, wenn die Investitionen messbare Resultate erzielen sollen.

Es muss klar werden, dass alle Investitionen in Entwicklungsstaaten - öffentliche wie private - den Klimawandel berücksichtigen müssen. Wissenschaftler schätzen, dass eine Reduktion der Treibhausgase in Höhe von 60 bis 80 Prozent notwendig ist, um die Atmosphäre zu stabilisieren. Wir müssen dieses Ziel stets im Auge behalten.

Ansonsten wird jeder, ob arm oder reich, zunehmend unter Anpassungsdruck geraten und es wird immer weniger Orte auf der Welt geben, die man anpassen kann.

Man wird dann in Zukunft seine eigene Version des Limpopo-Brettspiels haben und - wie die Kinder auf den Flussbänken - um sein Leben spielen.
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Achim Steiner ist Uno-Untergeneralsekretär und Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP).
Yvo de Boer ist Exekutivsekretär des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC).

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