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Darfur braucht jetzt Hilfe / von UN-Generalsekretär Kofi A. Annan --- Gastkommentar in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 16. Mai 2006

Das Abkommen vom 5. Mai zwischen der sudanesischen Regierung und der größten Rebellenbewegung in Darfur gibt der Welt eine neue Chance, um dieser unglücklichen Region den Frieden zu bringen. Aber wir müssen äußerst schnell handeln, um diese Gelegenheit nicht verstreichen zu lassen.

Die Gespräche, die zu dem Abkommen geführt haben, waren langwierig und sehr schwierig. Viele haben sich darum verdient gemacht, dass die Gespräche zumindest zu einem Teilerfolg führten.

Aber dies ist nicht der Moment, um in Danksagungen zu schwelgen oder sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Darfur ist immer noch weit vom Frieden entfernt. Erst in der letzten Woche, als der höchste humanitäre Gesandte der UN ein Flüchtlingscamp besuchte, brachen Unruhen aus und ein Dolmetscher der Mission der Afrikanischen Union wurde brutal ermordet. Es gibt sehr viel zu tun und es darf keine Zeit verloren werden.

Zunächst einmal gibt es einige Rebellenführer, die das Abkommen nicht unterschrieben haben. Wir müssen alles daran setzen, um sie davon zu überzeugen, ihrer Anhänger zuliebe den Frieden statt den Kampf zu wählen. Wenn diese Tragödie aufgrund dessen andauert, was sie getan haben oder versäumt haben zu tun, wird die Geschichte ein hartes Urteil über sie fällen.

Weiterhin müssen wir alles in unserer Macht Stehende tun, damit diejenigen, die das Abkommen unterzeichnet haben, es auch tatsächlich in die Tat umsetzen, und dass die Menschen in
Darfur die nächsten Monate überleben. Dafür benötigen sie Schutz und Versorgung, da sie sich – vertrieben von Haus und Hof– nicht selbst ernähren können. Versorgung heißt auch Schutz für diejenigen, die die Hilfsgüter liefern.

Im Augenblick gibt es nur eine einzige militärische Kraft vor Ort, die Schutz gewähren kann: die Mission der Afrikanischen Union (AMIS). Deshalb muß unsere unmittelbare Priorität sein, diese Streitkräfte so zu stärken, daß sie das Abkommen umsetzen und den Flüchtlingen wirklichen Schutz bieten können.

Aber dies kann nur eine Notlösung sein. So bald wie möglich muß AMIS in einen größeren und mobileren Einsatz der Vereinten Nationen, der besser ausgerüstet ist und ein umfangreicheres Mandat hat, umgewandelt werden.

Wir beabsichtigen, uns so schnell wie möglich mit unseren Partnern in der Afrikanischen Union darüber zu verständigen, welche zusätzlichen Ressourcen AMIS benötigt, um die wichtigsten Punkte des Abkommens von Abuja zu verwirklichen. Anschließend ist eine Geberkonferenz, möglicherweise Anfang Juni in Brüssel, geplant. Aber ich rufe die Geber auf, nicht erst auf die Konferenz zu warten. Sie müssen sehr großzügig sein und zwar sofort. Wir können es uns nicht leisten, einen einzigen Tag zu verlieren.

Ich rufe auch jeden in Darfur selbst auf, AMIS dabei zu helfen, ihre Arbeit zu tun. Angriffe wie in der vergangenen Woche dürfen von keiner Konfliktpartei ermutigt, entschuldigt oder toleriert werden.

Nicht weniger dringend ist es, Gelder für die Nothilfe zu beschaffen. Genau jetzt steht die Region vor der schlimmsten humanitären Krise der Welt. Ohne erhebliche und unmittelbare Unterstützung werden die Hilfsorganisationen nicht dazu in der Lage sein, ihre Arbeit fortzusetzen. Hunderttausende werden an Hunger, Unterernährung und Krankheit sterben.

In der Zwischenzeit müssen wir die Planungen für einen Übergang zu einem Einsatz der Vereinten Nationen fortsetzen, wie es vom Friedens- und Sicherheitsrat der Afrikanischen
Union schon am 10. März gefordert und vom Sicherheitsrat am 24. März genehmigt wurde.

Dies ist eine große Herausforderung für die Vereinten Nationen. Aber wir können uns ihr nicht verweigern und dürfen, nachdem wir zugestimmt haben, nicht zögern. Von der Arbeit her, die wir bereits geleistet haben, ist es klar, daß eine Nachfolgetruppe der Vereinten Nationen sehr viel größer als die gegenwärtige AMIS sein muss. Sie benötigt auch erhebliche logistische Unterstützung von den Ländern, die in der Lage sind, sie zu gewähren.

Der nächste Schritt ist eine technische Gutachtermission nach Darfur selbst zu senden. Währenddessen werden die Vereinten Nationen und die Afrikanische Union eine erste Einschätzung der Situation vor Ort treffen und sich mit allen Parteien beraten, um zu sehen, was nötig ist.

Kein friedenserhaltender Einsatz kann ohne die Unterstützung und die Zusammenarbeit der Konfliktparteien auf höchster Ebene erfolgreich sein. Aus diesem Grund habe ich an den sudanischen Präsident Bashir geschrieben und ihn gebeten, die Begutachtung zu unterstützen. Seine Unterstützung ist entscheidend.

In der Zwischenzeit rufe ich einmal mehr alle Konfliktparteien – und besonders die Regierung – auf, den Waffenstillstand einzuhalten und durch Taten zu beweisen, dass sie beabsichtigen, ihr Wort zu halten. Auch rufe ich die arabischen und afrikanischen Nachbarn des auf, jede ihnen mögliche Unterstützung zu leisten – finanziell, politisch oder beides.

Für unseren Teil werden wir im Sekretariat der Vereinten Nationen alles in unserer Macht Stehende tun, den Menschen in zu helfen, dieses tragische Kapitel ihrer Geschichte zu schließen. Ich zähle auf die Unterstützung aller Mitgliedsstaaten, vor allem der Mitglieder des Sicherheitsrates.

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