Samstag, 25 November 2017
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“Arbeiten Sie enger mit uns zusammen!“ Der Generalsekretär der Vereinten Nationen appelliert an die deutsche Wirtschaft, eine Allianz der Starken zugunsten der Schwachen zu bilden --- Gastkommentar im Handelsblatt vom 31. Dezember 1999

Das Verhältnis zwischen den Vereinten Nationen und dem privaten Sektor hat sich grundlegend geändert. Wo früher Konfrontation herrschte, steht heute die Zusammenarbeit im Vordergrund. Und wo die Beziehung früher von Misstrauen geprägt war, verstehen wir heute, dass unsere jeweiligen Ziele sich wirksam ergänzen können.

Die Vereinten Nationen erkennen die bedeutende Rolle der Wirtschaft offen an: ihre technologischen Fähigkeiten, ihren Innovationsgeist, ihr einzigartiges Potenzial, Arbeitsplätze und Wohlstand zu schaffen. Auf der anderen Seite wird auch der Internationalen Business Community immer stärker bewusst, in welchem Maße die Arbeit der UN zur politischen und gesellschaftlichen Stabilität beiträgt und welche Vorteile ihre technischen Dienste in Bereichen wie der Schifffahrt, Luftfahrt, Telekommunikation und dem geistigen Eigentum bieten.

Diese gegenseitige Anerkennung kann das Fundament für den Aufbau einer wirkungsmächtigen Allianz für das neue Jahrtausend bilden. Die weltweiten Bedingungen bieten heute noch nie da gewesene Perspektiven für Frieden und Wohlstand. Die Großmächte leben in Frieden miteinander. Marktorientierte Ansätze und die Grundprinzipien einer demokratischen Regierungsgewalt werden gemeinhin anerkannt. Technologische Fortschritte ermöglichen einen freien, ungehinderten Austausch von Informationen und Ideen. Die Vereinten Nationen und die Privatwirtschaft müssen gemeinsam und als Partner das Beste aus diesen sich bietenden Gelegenheiten machen.

Ebenso wichtig ist es, auf die vielen Risiken, Gefahren und Nachteile des neuen Zeitalters einzugehen, in dem wir leben. Hunderte von Millionen von Menschen leiden noch immer unter der alten Geißel der Armut. Millionen von Menschen betrachten die neuen Globalisierungstendenzen als destruktive Kräfte, die ihre Familien, Arbeitsplätze und den gemeinschaftlichen Zusammenhalt bedrohen. Ein globaler Markt, der den geistigen Eigentumsrechten mehr Aufmerksamkeit schenkt als den grundlegenden Menschenrechten, ist sicherlich kein Markt mit einer menschlichen Dimension. Und die durch Umweltbelastungen verursachten Kosten schlagen sich in Unternehmensbilanzen offenkundig nur unzureichend nieder.

In dem Maße, wie die Macht und die Grenzen von Märkten deutlicher sichtbar werden, nimmt die Notwendigkeit zu, auf diese und andere Probleme einzugehen, die Früchte der Globalisierung gerechter zu verteilen und der Weltwirtschaft ein menschlicheres Gesicht zu verleihen. Dies nicht zu tun, würde bedeuten, das nicht Hinnehmbare hinzunehmen und das Risiko einzugehen, den freien Handel und die freie Weltwirtschaft zu gefährden.

Die Wirtschaft kann hier viel tun, sowohl in Eigeninitiative als auch über die Vereinten Nationen. Aus diesem Grunde würde ich es sehr begrüßen, wenn die weltweite Business Community und die Vereinten Nationen in einer globalen Übereinkunft (“Global Compact“) zusammenkämen, um in den Bereichen Menschenrechte, Arbeitsnormen und Umweltschutz allgemeine Grundsätze einzuführen, durchzusetzen und zu fördern.

Um welche Grundsätze handelt es sich dabei? Im Hinblick auf die Menschenrechte geht es mir zum Beispiel darum, dass Unternehmen, ihre Tochterunternehmen und Joint Ventures sich weltweit für die Durchsetzung der in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte niedergelegten Rechte engagieren, dass sie sicherstellen, dass sie die Menschenrechte wahren und respektieren, und dass sie nicht selbst gegen die Menschenrechte verstoßen.

Was die Arbeitsnormen betrifft, so schlage ich vor, dass Unternehmen - auch hier einschließlich ihrer weltweiten Tochterunternehmen - sich für die Abschaffung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit - Sklaverei, Zwangsarbeit und Arbeit unter gesundheitsschädlichen Bedingungen - einsetzen und in ihrer Personalpolitik niemanden aufgrund seiner Rasse, seiner Religion, seines Geschlechts oder seiner Herkunft diskriminieren. Bezüglich des Umweltschutzes lege ich nahe, dass Unternehmen einen vorbeugenden Ansatz einnehmen, dass sie mehr Verantwortung für die Umwelt übernehmen und die Entwicklung und Verbreitung von umweltfreundlichen Technologien fördern. (weitere Informationen unter www.un.org/partners/business).

Warum sollten diese Grundsätze engagiert verfochten werden? Weil sie als Element der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und der Erklärung der Internationalen Arbeitsorganisation zu den fundamentalen Grundsätzen und Rechten am Arbeitsplatz und als Element der auf der UN Konferenz über Umwelt und Entwicklung von 1992 in Rio de Janeiro (“Umweltgipfel“) angenommenen Entschließung bereits weltweite Unterstützung genießen. Weil sie Werte zum Ausdruck bringen, in denen sich die Hoffnungen von Menschen auf der ganzen Welt widerspiegeln. Weil wirtschaftliche Macht und soziale Verantwortung nicht getrennt werden können. Und weil ein unternehmerisches Verhalten, das auf Verantwortung gegenüber dem Gemeinwesen beruht, nicht nur richtig und angemessen ist, sondern auch in wirtschaftlicher Hinsicht Sinn macht. Den Konsumenten liegen die Umwelt und Arbeitnehmerrechte am Herzen und sie sind dagegen, dass Unternehmen gegen Menschenrechte verstoßen. Daher wird den Unternehmen, die die beschriebenen Grundsätze einhalten, Vertauen entgegengebracht werden.
Wie können wir diese Grundsätze fördern? Unternehmen können in ihrem eigenen Einflussbereich tätig werden, indem sie die beschriebenen Prinzipien in ihre Firmengrundsätze und Grundsätze der Unternehmensführung aufnehmen. Sie können sich politisch engagieren. Und sie können für eine starke UN eintreten und sich inbesondere für die Arbeit der IAO, des UN Umweltprogramms und des Hohen Menschenrechtskommissars der UN einsetzen.

Global Compact ist kein Gesetzbuch. Diese Übereinkunft stellt vielmehr einen praktischen Schritt dar, der das Leben der Menschen auf lange Sicht eventuell nachhaltig beeinflussen kann. Gleichzeitig liefert die Übereinkunft einen Teil der sozialen Untermauerung, die globale Märkte brauchen und die von der Weltöffentlichkeit zu Recht gefordert wird. Die IAO, das UN-Umweltprogramm und der Hohe Menschenrechtskommissar der UN sind bereit, mit den Unternehmen zusammenzuarbeiten. Wir freuen uns darauf, Beispiele für ein ausgeprägtes gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein und für vorbildliche Unternehmensleistungen zu veröffentlichen. Wir sind bereit, zur Förderung der praktischen Zusammenarbeit Pilotprojekte durchzuführen und als Gesprächsforum zu agieren. Doch wir brauchen Ihre Hilfe und Ihre Mitarbeit, um Erfolge erzielen zu können.

Ich wende mich daher direkt an Sie, die führenden Persönlichkeiten der deutschen Wirtschaft und Industrie, und bitte Sie, enger mit den Vereinten Nationen zusammenzuarbeiten. Sie verfügen über ein ungeheures Reservoir an Wissen und Erfahrung. Sie verfügen über viele talentierte, fähige Mitarbeiter. Sie nehmen in Ländern rund um den Globus, die Ihre Hilfe brauchen, bereits an innovativen und nutzbringenden Projekten teil. Sie haben ohne Zweifel eine Führungsrolle inne. Wir sind auf Ihre Unterstützung angewiesen, um die Grundsätze der Übereinkunft - und damit unsere Hoffnungen auf eine bessere Welt - im neuen Jahrhundert verwirklichen zu können.

Reaktionen auf den Appell von Kofi A. Annan an die deutsche Wirtschaft veröffentlicht das Handelsblatt im Internet: www.karriere.de.

Dieser Artikel erschien in gekürzter Form auch im Tagesspiegel von 31. Dezember 1999.

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