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Die Lage in Darfur hat sich gebessert: Aber die Bedrohung durch Hunger, Gewalt und Vertreibung ist noch lange nicht beendet / von Kofi A. Annan und Alpha Oumar Konare --- Gastkommentar in Die Welt vom 28. Mai 2005

Obwohl niemand genau weiß, wie viele Todesopfer der Darfur-Konflikt im Westsudan gefordert hat, leiden dennoch 2,6 Millionen Menschen an dessen Folgen und benötigen dringend Hilfe.

Dörfer wurden niedergebrannt, Ernten vernichtet, Männer ermordet, Frauen vergewaltigt und Kinder entführt.

1,9 Millionen Menschen wurden aus ihren Häusern innerhalb des sudanesischen Gebietes vertrieben. Andere, die noch nicht geflohen sind, werden am lebenswichtigen Anbau von Getreide gehindert. Wenn sie nicht bald Lebensmittel bekommen, werden auch sie gezwungen sein, sich auf die Suche zu machen und die bereits überfüllten Flüchtlingslager noch weiter zu belasten.

Unsere beiden Organisationen sind zusammengekommen, um weiteres Leid zu verhindern. Die Vereinten Nationen führen die Hilfsmaßnahmen für die Opfer an, und versuchen zu verhindern, daß die Täter straffrei ausgehen, welche die verheerendsten Verbrechen begangen haben. Die Afrikanische Union ist für die Sicherheit vor Ort zuständig und fördert die Wiederaufnahme von politischen Verhandlungen - die einzige Möglichkeit für einen dauerhaften Frieden - die nun am 10. Juni in Abuja, Nigeria, beginnen sollen.

In den vergangenen Monaten hat sich die Lage stabilisiert und weniger Verbrechen größeren Ausmaßes wurden berichtet. Eine große, von der UNO geleitete humanitäre Operation, mit über 10 000 Helfern (die meisten von ihnen Sudanesen) ist in Vorbereitung, um Nahrungsmittel, Wasser, Unterkünfte und andere lebensnotwendigen Hilfen für bis zu 1,8 Millionen Menschen bereitzustellen. In den Gebieten, in denen die Truppen der Afrikanischen Union vor Ort sind, haben deren heroische Bemühungen einen wirklichen Durchbruch erzielt: Menschen sind der Gewalt weniger direkt ausgeliefert, viele sind in ihre Dörfer zurückgekehrt, und Angriffe haben abgenommen.

Die humanitäre Lage ist in manchen Gebieten zweifelsohne besser als noch vor einem Jahr, doch der Zugang bleibt beschränkt, die Belästigung von humanitären Helfern hat zugenommen, und die Unsicherheit bleibt unannehmbar hoch. Hunderttausende Kriegsgeschädigte bekommen immer noch nicht die Hilfe, die sie benötigen, und die Truppen der Afrikanischen Union sind viel zu wenige, als daß sie auf das gesamte riesige Gebiet verteilt werden könnten. Hilfspersonal wird oft von lokalen Behörden schikaniert und manchmal sogar angegriffen, entführt oder bedroht. Mitarbeiter von ausländischen Nichtregierungsorganisationen finden es immer schwieriger, Visa zu bekommen. Lastwagen, die Hilfsgüter liefern, werden überfallen, oft von Rebellen. Anfang dieses Monats wurden zwei Fahrer des UN-Welternährungsprogramms getötet. Deshalb kommt Hilfe nicht zu denen, die sie am meisten benötigen.

Weitere 350 Millionen Dollar werden dieses Jahr benötigt, um dabei zu helfen, daß mehr als drei Millionen Menschen am Leben bleiben. Dazu werden weitere Soldaten, Polizeikräfte, Flugzeuge und andere Transportmittel sowie Unterstützung bei Ausbildung und Logistik erforderlich, damit die AU die Bevölkerung in weiten Teilen Darfurs schützen kann.

Als Teil der Bemühungen, der Darfur-Krise zu begegnen, haben wir gemeinsam die Geberkonferenz in Addis Abeba einberufen. Ziel ist es, dem Rest der Welt - vor allem den reichen Ländern die Möglichkeit zu geben, jenen Afrikanern zur Seite zu stehen, die tatsächlich vor Ort aktiv sind. Diese Konferenz dient als Ergänzung zur Osloer Geberkonferenz vom vergangenen Monat, wo 4,5 Milliarden US-Dollar als Hilfe für den Sudan zugesagt worden sind - hauptsächlich, um das Friedensabkommen zu unterstützen, das nach 21 Jahren Bürgerkrieg zwischen Nord und Süd geschlossen wurde.

Darfur nutzt es, wenn im restlichen Sudan Frieden herrscht und die neue Regierung der nationalen Einheit, die im Juli ihre Arbeit aufnehmen soll, das Land stabilisiert. Deshalb wird die 10 000 Mann starke UN-Friedenstruppe im Süden dazu beitragen, daß Frieden im ganzen Land herrscht, inklusive Darfur.

Aber wir müssen schnell handeln. Die humanitären Maßnahmen müssen voll finanziert werden. Alle Beteiligten müssen den sicheren Zugang für die Mitarbeiter der Hilfsorganisationen gewährleisten. Die AU-Kräfte müssen ohne Verzug aufgestockt und logistisch und finanziell unterstützt werden, so daß sie in ganz Darfur für wirkliche Sicherheit sorgen und es den Flüchtlingen ermöglichen, in ihre Heimat zurückkehren und ihre Höfe wieder in Betrieb zu nehmen.

Afrikanische Staaten, die Truppen zugesagt haben, müssen sie jetzt wirklich auch bereitstellen. Regierung und Rebellen müssen ihre Streitkräfte und verbündete Milizen vollständig unter Kontrolle bringen und die umfassende Einhaltung des Waffenstillstands und des humanitären Völkerrechts gewährleisten.

Die Konfliktparteien müssen ein politisches Übereinkommen verhandeln, das dauerhaft den Frieden sichert. Die AU und die internationale Gemeinschaft können und müssen helfen. Letztlich wird jedoch der Frieden nur vom sudanesischen Volk selbst erreicht und eingehalten.

Die Autoren sind Generalsekretär der Vereinten Nationen beziehungsweise Kommissionspräsident der Afrikanischen Union.

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