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Der globale Geist der Forschung: Der wissenschaftliche Austausch zwischen reichen und armen Nationen muss gestärkt werden / von UN-Generalsekretär Kofi Annan --- Gastkommentar in der Süddeutschen Zeitung vom 13. Februar 2004

In der Welt des 21. Jahrhunderts ist jede Nation mit schwierigen Fragen bezüglich Wissenschaft und Technologie konfrontiert. Wie können wir Wachstum in einer Informationsgesellschaft fördern? Wie können wir Schäden der globalen und regionalen Umwelt verhindern? Was ist der beste Weg, um neue und nützliche Technologien einzuführen, um Terrorakte zu verhindern, oder schnell auf die rasche Ausbreitung neuer Krankheiten zu reagieren?

Heute kann es sich keine Nation leisten, wenn sie eine sachkundige Politik gestalten und bei diesen Themen effektiv handeln will, auf eine eigene und unabhängige Leistung im Bereich von Wissenschaft und Technologie zu verzichten.

Beim Millenniumsgipfel im September 2001 haben die Staats- und Regierungschefs die Millenniumserklärung verabschiedet, eine Reihe gemeinsamer Ziele, die sich auf die zentralen Herausforderungen unserer Zeit konzentriert. Im Mittelpunkt stehen die acht Millenniums-Entwicklungsziele  sein.

Sie reichen von der Aufgabe, extreme Armut zu halbieren, bis zum Versprechen, die Ausbreitung von HIV/Aids zu stoppen und eine universelle Grundschulbildung zu ermöglichen. Alle Ziele sollen bis zum Jahr 2015 erreicht werden. Sie bilden eine Reihe einfacher, aber starker Vorgaben, die jeder Mann und jede Frau, von New York über Nairobi bis Neu Delhi unterstützen und verstehen kann.

Um diese Ziele zu erreichen hat man bisher bestenfalls gemischte Fortschritte gemacht. Dafür gibt es viele Gründe: Die Weltwirtschaft wächst nur schwach, bei den Reformen in Entwicklungsländern gibt es nur kleine Fortschritte; zudem unterstützen die Industrieländer die Entwicklungsziele nur unzureichend.

Wir benötigen eine echte Partnerschaft zwischen Entwicklungs- und Industrieländern – eine Partnerschaft, die Wissenschaft und Technologie einschließt. Zusammenarbeit zwischen Gruppen des Wissenschafts- und Technologiebereichs aus verschiedenen Ländern und Regionen bringt ein großes gemeinsames Reservoir von Wissen und fachlicher Kompetenz hervor.

Wenn jede Nation Zugang zu dieser breiteren Wissensgemeinschaft erhält und die Gelegenheit hat, ein unabhängiges Wissenschaftspotenzial aufzubauen, dann kann die Öffentlichkeit einen offenen Dialog über Nutzen und Risiken neuer Technologien führen. Dabei geht es zum Beispiel um genetisch veränderte Organismen oder die Nanotechnologie. So können sachkundige Entscheidungen über ihre Einführung in unser Leben getroffen werden.

Wir leben zum Glück in einem Zeitalter, das neue Möglichkeiten bietet, alle Nationen an diesem spannenden Unternehmen der Wissenschaft und Technologie teilhaben zu lassen. Überall werden neue wissenschaftliche Lehrprogramme entwickelt, wie das so genannte Programa Amigos de la Ciencia of Chile, das Kindern aus armen Familien die Wissenschaft näher bringt und sie ermutigt, nach der Grundschule dieses Gebiet weiter zu verfolgen.

Es gibt auch das so genannte Reformmodell zur Wissenschaftserziehung des amerikanischen National Science Resources Center, das Schülern praktische Verbindungen zwischen ihren neu erworbenen Fähigkeiten und ihrem alltäglichen Leben aufzeigt.

Neue Kommunikationsformen erlauben es jetzt sogar Wissenschaftlern in den am wenigsten entwickelten Ländern gemeinsam mit Kollegen aus Nachbarländern oder von der anderen Seite der Welt zu forschen. Zum Beispiel bietet das in London angesiedelte Science and Development Network Entwicklungsländern aktuelle Informationen zu Wissenschaftsthemen und baut regionale Netzwerke auf.

Diese Anstrengungen sind ermutigend, aber sie reichen nicht aus. Um unsere Ziele zu erreichen, müssen wir im größten Maß menschliche Kreativität, Einfallsreichtum und Innovationskraft nutzen. In einem neuen Bericht mit dem Titel „Eine bessere Zukunft schaffen: Eine Strategie, um weltweite Kapazitäten in Wissenschaft und Technologie zu schaffen“ wird vorgeschlagen: Neue Initiativen sollen nationales wissenschaftliches Potenzial stärken und die globale Zusammenarbeit fördern (www.inter-academycouncil.net/streport).

Dies ist ein Ergebnis eines internationalen Gremiums bekannter Wissenschaftler, der vom Interakademischen Rat (IAC) initiiert wurde. Es ist ein Gremium, das teilweise auf meine eigene Bitte hin ins Leben gerufen wurde, damit die nationalen Wissenschaftsakademien ihre besten Wissenschaftler mobilisieren und den Vereinten Nationen und anderen internationalen Organisationen Expertenwissen zur Verfügung stellen können.

Der Bericht empfiehlt, dass jede Nation eine Strategie zu Wissenschaft und Technologie entwickeln soll, die die jeweiligen Prioritäten berücksichtigt. Dazu gehört die Unterstützung für grundlegende Forschung, Lehre und praktische Ausbildung, damit lokale Kompetenz in ausgewählten Bereichen innerhalb der nationalen Priorität entstehen kann.

In dem Bericht wird vorgeschlagen, dass Entwicklungsländer ein Minimum von 1 bis 1,5 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts dafür zur Verfügung stellen.

Ein zweiter IAC-Bericht, der im Sommer erscheint, wird spezifische Empfehlungen enthalten, wie Wissenschaft und Technologie die landwirtschaftliche Produktivität in Afrika verbessern können.

Er wird von einer Expertengruppe aus Afrika und aus anderen Regionen erstellt. Sie arbeiten zusammen, um ein Thema zu behandeln, das für Millionen Afrikaner von größter Bedeutung ist.

Diese Anstrengungen des IAC zeigen, dass der Geist globaler Partnerschaft lebendig und fest innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft der Welt verankert ist. Ich hoffe, dass wir auf diesem Impuls aufbauen können und er auch auf andere Bereiche des menschlichen Strebens übergreift.

Der Autor ist Generalsekretär der Vereinten Nationen. Dieser Text erscheint heute zeitgleich im internationalen Wissenschaftsmagazin Science.

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