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"In einem Gebirge der Schwierigkeiten": Die Erdbebenopfer in Pakistan benötigen unsere Hilfe, soll eine zweite Todeswelle verhindert werden/ von Jan Egeland --- Gastkommentar in der Berliner Zeitung vom 3. November 2005

Fast vier Wochen, nachdem das schwere Erdbeben Südasien erschüttert hat, steigt die Zahl der Toten, Obdachlosen, Verletzten und Verzweifelten weiter. Die Situation ist dramatisch. Die aktuelle Zahl der Todesopfer von 73 000 könnte sich verdoppeln, wenn nicht sofort Hilfsgelder zur Verfügung gestellt und schnell Hilfe geleistet werden kann. Der gnadenlose Winter in der Himalaya-Region rückt rasch näher und wir befinden uns in einem Wettlauf mit der Zeit bei der Rettung von zehntausenden Menschen in Pakistan. Gemeinsam müssen wir alles tun, um diesen Wettlauf nicht zu verlieren.

Es wird zu einer Katastrophe kommen, wenn die Mittel für Nothilfe in den kommenden drei Wochen nicht massiv und schnell erhöht werden und so eine zweite Todeswelle durch Krankheiten und Unterkühlung verhindert werden kann. Nach jetzigem Wissensstand sind drei Millionen Menschen in einem rauen und hochgelegenen Gebiet obdachlos geworden. Bis zu zwei Millionen Menschen benötigen dringend Hilfe. Mehr als 79 000 sind verletzt. Die gesamte Infrastruktur ist auf einer Fläche von 28 000 Quadratkilometern zerstört worden. Wir stehen jetzt vor der schwierigen Aufgabe, auch die 30 Prozent der Opfer unterstützen zu können, die noch keinerlei Hilfe erhalten haben.

Die internationale Hilfsleistung ist durch zwei Faktoren erschwert worden: Unzureichende Mittel für Nothilfe und die immensen Schwierigkeiten, alle Überlebenden des Erdbebens erreichen zu können. Humanitäre Helfer in Pakistan sind durch einen logistischen Albtraum behindert worden, den wir noch nie zuvor erlebt haben, nicht einmal während des Tsunamis im Dezember 2004. Verschiedene Faktoren - die Höhenlage, bergiges Gelände, die fast vollständige Zerstörung der Infrastruktur, Erdrutsche, Nachbeben und ein bevorstehender harter Winter - haben diese Situation zur größten logistischen Herausforderung werden lassen. Die Größe der Aufgabe unterstreicht die Notwendigkeit guter Zusammenarbeit, um sicherzustellen, dass die knappen Ressourcen bestmöglich genutzt werden können.

Jede Verzögerung bedeutet möglicherweise den Tod für tausende Verletzte, Hungernde und Obdachlose. Besonders gefährdet sind Kinder, die sehr anfällig für Krankheiten und Unterkühlung sind. Der unmittelbare Bedarf vor Ort bleibt enorm und veranlasste die Uno, ihre Forderung für Nothilfegelder auf 550 Millionen Dollar fast zu verdoppeln. Ich fordere alle europäischen Geberländer, den Privatsektor und alle Menschen weltweit auf, ihre Herzen und Geldbörsen zu öffnen und mit der selben Großzügigkeit zu reagieren, wie wir sie nach dem Tsunami erlebt haben.

Zehn Tage nach der Flutwelle in Südostasien hatte die Uno 80 Prozent der zugesagten Gelder erhalten. In Pakistan stehen jetzt, vier Wochen nach dem Erdbeben, nur 22 Prozent der von der Uno geforderten Mittel zur Verfügung. In einer Welt, die noch nie wohlhabender war, kann es keine Entschuldigungen für Untätigkeit geben. Wir fordern alle öffentlichen und privaten Geber auf zu spenden, damit die Hilfszusagen eingehalten werden können. Gebern wird maximale Transparenz zugesichert und der Ablauf kann jederzeit auf der Internetseite der Uno nachvollzogen werden.

Es kann keine Entschuldigung für unsere gemeinsame Untätigkeit geben. Wir wissen, was passiert, wenn wir nicht sofort reagieren - tausende Menschen in Pakistan werden bald sterben und viele mehr werden leiden. Die Welt hat die Mittel und das Geld, um sie zu retten. Die Frage bleibt: Besitzen wir den Willen?

Jan Egeland ist Uno-Untergeneralsekretär für Humanitäre Angelegenheiten und Nothilfe-Koordinator.

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