Donnerstag, 23 November 2017
UNRIC logo - Deutsch
                

Globalisierung soll auch für die Armen ein Gewinn sein: Die Vorteile der Integration sind ungleich verteilt - deshalb müssen Nord und Süd kooperieren / von Kofi Annan --- Gastkommentar in der Financial Times Deutschland vom 13. Dezember 2000

Was ist Globalisierung? Im Wesentlichen bedeutet Globalisierung, dass Gruppen und Einzelne heute weit mehr als irgendwann in der Vergangenheit direkt, über Grenzen hinweg miteinander in Verbindung stehen, ohne dass notwendigerweise der Staat involviert ist.

Die Vorteile der Globalisierung liegen auf der Hand: schnelleres Wachstum, höherer Lebensstandard, neue Chancen. Und doch hat eine Gegenreaktion eingesetzt. Wieso? Weil diese Vorteile sehr ungleich verteilt sind; weil der globale Markt noch nicht durch ein Regelwerk gestützt wird, das auf gemeinsamen sozialen Zielen aufbaut; und weil die Ressourcen der Erde bald erschöpft sein werden, wenn alle Armen heute den gleichen Weg beschreiten, der den jetzt Reichen Wohlstand gebracht hat. Dies bedeutet, dass wir es heute vor allem mit der Herausforderung zu tun haben, die Globalisierung zu einer positiven Kraft für alle Menschen auf der Welt zu machen, die nicht Milliarden in erbärmlichen Verhältnissen zurücklässt. Die Geschichte wird diese Generation danach beurteilen, was sie getan hat, um dieses Ziel zu erreichen.
Der Erfolg der Bemühungen hängt maßgeblich von der Ausweitung des Zugangs zu den Möglichkeiten der Globalisierung ab. Länder, mit größerem Wachstum haben sich erfolgreich in die globale Wirtschaft integriert und konnten ausländische Investitionen anziehen.

Und das wiederum hängt in hohem Maße von der Qualität der Regierung eines Landes ab. Staaten können nur dann im Wettbewerb auf dem globalen Markt mithalten, wenn ihre Bevölkerung in einem Rechtsstaat lebt, mit effizienten staatlichen Institutionen, Transparenz und Rechenschaftspflicht in der öffentlichen Verwaltung, Achtung der Menschenrechte und Mitbestimmung bei den Entscheidungen, die ihr Leben betreffen.

Wenn es den Entwicklungsländern gelingt, das richtige ökonomische und soziale Umfeld zu schaffen, erhalten sie durch die neuen Technologien Zugriff auf vieles, das zuvor außerhalb ihrer Reichweite lag.
Das gilt insbesondere für die Informationstechnologie, die weder viel Hardware oder Kapital noch Energie benötigt. Was sie braucht ist Verstand - ein Rohstoff, der unter den Völkern der Welt gleichmäßig verteilt ist. Auf diese Weise können wir mittels einer relativ geringen Investition - vor allem einer Investition in die Grundbildung von Mädchen wie Jungen - armen Menschen das unterschiedlichste Wissen zugänglich machen und den armen Ländern einige lange und beschwerliche Entwicklungsphasen ersparen, die andere durchleben mußten.

Kurz gesagt, die armen Länder können viel tun, um sich selbst zu helfen. Aber den reichen Länder kommt dabei eine unverzichtbare Rolle zu. Solange sie ihre Märkte nicht für die Produkte der Entwicklungsländer öffnen und so lange sie den Weltmarkt mit subventionierten Nahrungsmittelexporten überschwemmen, gegen die die Bauern in armen Ländern unmöglich bestehen können, ist es scheinheilig, diesen Ländern die Vorteile offener Märkte zu predigen.

Sie können auch nicht erwarten, dass die Entwicklungsländer ihre Appelle zur Achtung der globalen Umwelt hören, so lange sie nicht selbst bereit sind, ihre eigenen unverantwortlichen Produktions- und Konsummuster zu ändern.

Die Entwicklungsländer müssen in die Lage versetzt werden, durch den Export ihren Weg zum Wohlstand zu finden. Aber viele der ärmsten, insbesondere in Afrika, werden dazu viel Hilfe brauchen.
Heute befürwortet jeder, die ärmsten Länder von der Schuldenlast zu befreien. Aber die reichen Länder haben noch nicht die erforderlichen Ressourcen zur Verfügung gestellt, um dieses Ziel umzusetzen.
Und viele Länder, seien sie nun verschuldet oder nicht, brauchen Hilfe, um Waren produzieren und Dienstleistungen anbieten zu können, die der Rest der Welt kaufen will. Sie brauchen Infrastruktur und technische Hilfe - nicht zuletzt, um die Ausbreitung von Aids zu stoppen. einer Krankheit, die selbst einige der stärksten Wirtschaften in Afrika lähmt.

Viele brauchen auch Hilfe bei der Lösung von Konflikten und beim Wiederaufbau einer friedlichen, produktiven Gesellschaft. Vor langer Zeit haben sich alle OECD-Länder dazu verpflichtet, 0,7 Prozent ihres Bruttosozialprodukts für Entwicklungshilfe auszugeben. Nur sehr wenige sind dieser Verpflichtung nachgekommen.

Private Unternehmen wie Regierungen müssen die Interessen der Armen berücksichtigen, wenn sie Investitionsentscheidungen treffen und die Preise für ihre Produkte festsetzen. Sie sind die größten Nutznießer der Globalisierung: Es ist in ihrem Interesse, sie nachhaltig zu gestalten, indem sie Nutzen für alle bringt.

Nur wenn die breite Bevölkerung, Männer, Frauen und Kinder in den Städten und Dörfern weltweit, besser leben können, ist sicher, dass die Globalisierung tatsächlich niemanden ausschließt und alle ihre Vorteile nutzen können.

Praktikant/-in für Bonner UNRIC-Büro gesucht

UNRIC bietet im Bonner Büro ein 8- bis 12-wöchiges Praktikum ab März 2018 an.
Bewerber/-innen sollten sich noch im Studium befinden, oder vor kurzem ihr Studium beendet haben und erste Erfahrungen in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit oder im Journalismus besitzen.
Sehr gute Englisch- und Deutschkenntnisse sind Voraussetzung. Das Praktikum ist unbezahlt.
Bitte senden Sie Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen an:
[email protected]

UNRIC Verbindungsbüro in Deutschland, Bonn
Tel.: +49 (0)228 / 815-2773 / 2774
Fax: +49 (0)228 / 815-2777

UN Card 2016 DE 250px front