Dienstag, 21 November 2017
UNRIC logo - Deutsch
                

Vereint gegen den Terrorismus / von Kofi A. Annan --- Gastkommentar in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 22./23. September 2001

Die Terroristen, die den Anschlag auf die Vereinigten Staaten am 11. September verübt haben, haben ihren Angriff auf ein Land gerichtet aber die ganze Welt getroffen. Selten, falls überhaupt jemals zuvor, war die Welt so vereint wie an diesem schrecklichen Tag. Diese Einigkeit entstand aus Entsetzen, aus Angst, aus Empörung und aus tiefstem Mitgefühl mit dem amerikanischen Volk. Sie entstand nicht zuletzt auch aus der Tatsache, dass im World Trade Center Frauen und Männer jeder Glaubensrichtung aus mehr als 60 Ländern arbeiteten. Das war tatsächlich ein Anschlag auf die gesamte Menschheit, und es ist daher ein Anliegen der gesamten Menschheit, die hinter diesem Anschlag stehenden Kräfte zu schlagen.

Während die Vereinigten Staaten jetzt darüber entscheiden, welche Maßnahmen sie zur Verteidigung ihrer Bürger ergreifen sollen und während sich die Welt über die globalen Auswirkungen dieser Schreckenstat im klaren wird, wird die Einigkeit des 11. September beschworen und auf den Prüfstand gestellt. Ich habe Präsident Bush und Bürgermeister Giuliani - und den New Yorkern in verschiedenen Gottesdiensten in Kirchen, Synagogen und Moscheen - in dieser Stunde der Trauer die uneingeschränkte Solidarität der Vereinten Nationen mit den Vereinigten Staaten und ihrem Volk ausgesprochen. Innerhalb weniger als 48 Stunden haben sich der Sicherheitsrat und die Generalversammlung meiner Verurteilung der Anschläge angeschlossen und sich für die Unterstützung von Maßnahmen gegen die Verantwortlichen sowie gegen jene Staaten ausgesprochen, die den Tätern Hilfe, Unterstützung oder Unterschlupf gewährt haben. Niemand möge an dieser Solidarität Zweifel hegen!

Keiner sollte auch die weltweite Entschlossenheit in Frage stellen, diese Geißel zu bekämpfen, solange es nötig ist. Die Zusage vieler Staaten aller Glaubensrichtungen und aller Regionen, entschieden gegen den Terrorismus vorgehen zu wollen, verdeutlicht am besten die globale Antwort auf die Anschläge der vergangenen Woche.

In einer Zeit wie dieser wird die Welt nicht nur durch das definiert, wofür sie eintritt, sondern auch gegen wen und was sie ist. Die Vereinten Nationen - und die internationale Gemeinschaft - müssen den Mut haben zu erkennen, dass es nicht nur gemeinsame Ziele sondern auch gemeinsame Feinde gibt. Um diese Feinde zu besiegen, müssen alle Nationen guten Willens ihre Kräfte in einer gemeinsamen Anstrengung vereinen, die alle Bereiche des offenen und freien globalen Systems umfasst, dass von den Tätern der Gräueltaten in der Vorwoche so schamlos ausgenutzt wurde.

Die Vereinten Nationen sind in einzigartiger Weise dazu befähigt, diese Bemühungen voranzubringen. Sie bieten das für den Aufbau einer universellen Koalition erforderliche Forum und können der langfristigen Reaktion auf den Terrorismus globale Legitimität verleihen. Konventionen der Vereinten Nationen haben bereits einen rechtlichen Rahmen für viele der Schritte geschaffen, die zur Ausrottung des Terrorismus unternommen werden müssen, wie etwa zur Auslieferung und Strafverfolgung der Täter oder zur Bekämpfung der Geldwäsche. Diese Konventionen müssen uneingeschränkt verwirklicht werden.
Für die Reaktion ist jedoch entscheidend, dass sie die globale Einigkeit des 11. September vertieft und nicht spaltet. Die Welt muss erkennen, dass es für alle Gesellschaften gemeinsame Feinde gibt, aber sie muss gleichermaßen auch verstehen, dass diese Feinde nicht und niemals durch Zugehörigkeit zu einer Religion oder nationale Herkunft definiert werden können. Kein Volk, keine Region und keine Religion darf aufgrund der unaussprechbaren Gewaltakte einzelner verurteilt, angegriffen oder zum Ziel von Gegenschlägen gemacht werden. Bürgermeister Giuliani hat das mit den Worten ausgedrückt: „Das ist genau das, was wir hier bekämpfen“. Er und Präsident Bush haben bewundernswerte Führungsstärke mit ihrer Verurteilung von Angriffen auf Muslime in den Vereinigten Staaten gezeigt und in aller Welt haben andere Staats- und Regierungschefs das gleiche getan. Anders vorzugehen, zuzulassen, dass das Trennende innerhalb und zwischen den Gesellschaften durch solche Taten noch verschärft werden, hieße, das Werk der Terroristen zu vollenden. Das kann sich wohl niemand wünschen.

Der Terrorismus gefährdet heute jede Gesellschaft, jedes Volk. Und während die Welt Maßnahmen gegen die Täter ergreift, werden wir alle daran erinnert, wie notwendig es ist, die volle Bandbreite der Voraussetzungen im Auge zu haben, die solchen Hass und solche Verdorbenheit entstehen lassen. Wir müssen noch entschlossener gegen Gewalt, Fanatismus und Hass vorgehen. Die Arbeit der Vereinten Nationen muss weitergehen, um die Übel unserer Zeit zu bekämpfen: Konflikte, Unwissenheit, Armut und Krankheiten. Damit werden wir nicht jede Ursache von Hass und nicht jeden Akt der Gewalt beenden können. Es wird immer Menschen geben, die hassen und töten, selbst wenn alle Ungerechtigkeiten beseitigt sind. Aber wenn die Welt beweisen kann, dass sie weiter machen kann, dass sie beharrlich an der Schaffung einer stärkeren, gerechteren, gütigeren und noch internationaleren Gemeinschaft über alle Grenzen von Religion und Rasse hinweg arbeitet, dann wird der Terrorismus sein Ziel verfehlen.

Praktikant/-in für Bonner UNRIC-Büro gesucht

UNRIC bietet im Bonner Büro ein 8- bis 12-wöchiges Praktikum ab März 2018 an.
Bewerber/-innen sollten sich noch im Studium befinden, oder vor kurzem ihr Studium beendet haben und erste Erfahrungen in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit oder im Journalismus besitzen.
Sehr gute Englisch- und Deutschkenntnisse sind Voraussetzung. Das Praktikum ist unbezahlt.
Bitte senden Sie Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen an:
[email protected]

UNRIC Verbindungsbüro in Deutschland, Bonn
Tel.: +49 (0)228 / 815-2773 / 2774
Fax: +49 (0)228 / 815-2777

UN Card 2016 DE 250px front