Montag, 20 November 2017
UNRIC logo - Deutsch
                

Willkommen Ost-Timor / von Kofi Annan --- Gastkommentar in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, 15. Mai 2002

Schlag Mitternacht, am 19. Mai 2002, wird die Welt Ost-Timor im Kreis der Völkerfamilie willkommen heißen. Es wird ein historischer Augenblick für OstTimor sein - und für die Vereinten Nationen. Ein stolzes und unbeugsames Volk wird den Traum aller Völker verwirklichen - als freie Männer und Frauen unter einer Regierung ihrer eigenen Wahl zu leben. Der Stolz der Ost-Timorer in dieser Nacht wird auch der Stolz der internationalen Gemeinschaft und der Vereinten Nationen sein.

Selten hat die Welt mit derartiger Eintracht, Entschlossenheit und Schnelligkeit zusammengefunden, um die Selbstbestimmung eines Volkes sicherzustellen.

Anerkennung für das Erreichte gebührt zuallererst den Menschen in Ost-Timor, die großen Mut und Beharrlichkeit beim Wiederaufbau ihres Landes gezeigt haben. Sie haben jede Herausforderung überstanden, mit der sie konfrontiert wurden, und haben unermüdlich ihr Bekenntnis zur Demokratie unter Beweis gestellt. Es liegen noch immer gewaltige Herausforderungen vor ihnen, doch ich glaube, sie können ihrer Zukunft zuversichtlich entgegensehen, mit einer entschlossenen und engagierten Führung und auf dem sicheren Fundament einer Verfassung.

Auch die internationale Gemeinschaft kann stolz sein auf ihren Beitrag. Nach der raschen Wiederherstellung der Ordnung in Ost-Timor durch die vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in Ost-Timor (UNTAET) mit einem ebenso einzigartigen wie ehrgeizigen Mandat eingesetzt. Die Vereinten Nationen erhielten den Auftrag, zusammen mit den Menschen in Ost-Timor ein zerstörtes Land wiederaufzubauen und es auf die Unabhängigkeit vozubereiten.

Seither wurden der Frieden gesichert und grundlegende Regierungsstrukturen und Gesetze geschaffen. So etwas wie Normalität ist wieder in das Leben eingekehrt. Die Kinder gehen zur Schule, Straßen werden gebaut, Gebäude wieder errichtet, ein Gesundheitswesen geschaffen - und jeden Tag öffnen neue Geschäfte. Die überwiegende Mehrheit der Bürger von Ost-Timor hat an den Wahlen zur verfassunggebenden Versammlung und für das Präsidentenamt teilgenommen. Besonders ermutigend ist, daß in den vergangenen Monaten immer mehr Flüchtlinge ins Land zurückgekehrt sind.
Friedenstruppen der Vereinten Nationen und eine internationale Polizei haben Gesetz und Ordnung wiederhergestellt. Die im Aufbau befindlichen nationalen Militär- und Polizeikräfte arbeiten an der Grundlage einer sicheren, rechtsstaatlichen Zukunft. Wirkliche Sicherheit in Ost-Timor kann nur gewährleistet werden, wenn es gelingt, der Forderung nach Gerechtigkeit und nach Versöhnung gleichermaßen gerecht zu werden. Die internationale Gemeinschaft muß die Bemühungen des Landes auf diesem Gebiet weiter unterstützen. Dies gilt vor allem für die Kommission für Aufnahme, Wahrheit und Versöhnung, die ihre außerordentlich wichtige Arbeit in Kürze aufnehmen wird.

Am wichtigsten aber war vielleicht die Hilfe der Vereinten Nationen bei der Schaffung der Grundlagen für eine effektive, repräsentative und rechtmäßige Regierung. Das Volk von Ost-Timor ist mit Recht stolz auf den friedlichen und rechtmäßigen Verlauf der Wahlen, wie auf den hohen Frauenanteil in den staatlichen Einrichtungen. Bereits seit vielen Monaten ist die Amtshoheit in so gut wie allen Bereichen des öffentlichen Lebens von Beamten der Vereinten Nationen auf Ost-Timorer übergegangen. Am 20. Mai, wenn Ost-Timor ein unabhängiger Staat wird, kann dieser Staat bereits auf eine erfahrene und verantwortungsvolle Exekutive und Legislative zurückgreifen.

Doch all dies ist nur ein Anfang. Die Regierung von Ost-Timor steht in den kommenden Monaten und Jahren vor enormen Aufgaben. Die Welt darf Ost-Timor in diesem kritischen Augenblick nicht allein lassen, sondern muß alles tun, um sicherzustellen, daß die ersten Jahre der Unabhängigkeit Jahre der Stabilität und des Fortschritts werden. Die Menschen in Ost-Timor haben das ganz sicher verdient.
Eine nachfolgende Friedenssicherungspräsenz der Vereinten Nationen wird in drei Bereichen, die für die Stabilität und Lebensfähigkeit des neuen Staates entscheidend sind - öffentliche Verwaltung, Recht und Ordnung sowie äußere Sicherheit - für weitere Unterstützung sorgen. In den nächsten zwei Jahren soll diese Präsenz dann schrittweise reduziert werden. Danach werden sich die Vereinten Nationen wieder mehr der traditionellen Entwicklungshilfe zuwenden.

Gute Beziehungen zu seinen unmittelbaren Nachbarn werden für die künftige Stabilität Ost-Timors unverzichtbar sein. Dazu gehört auch, eine enge Zusammenarbeit bei der Strafverfolgung von Personen zu erreichen, die 1999 begangener schwerer Verbrechen beschuldigt werden.

Als Generalsekretär bin ich stolz auf die Rolle der Vereinten Nationen in diesen Bemühungen, vor allem in der letzten Phase. Ich verspreche, daß wir hier nicht am Ende, sondern an einem neuen Anfang stehen. Die Vereinten Nationen sind bereit, ihren Teil an der Seite der unabhängigen Nation Ost-Timor dazu beizutragen.

Der Autor ist Generalsekretär der Vereinten Nationen.


Praktikant/-in für Bonner UNRIC-Büro gesucht

UNRIC bietet im Bonner Büro ein 8- bis 12-wöchiges Praktikum ab März 2018 an.
Bewerber/-innen sollten sich noch im Studium befinden, oder vor kurzem ihr Studium beendet haben und erste Erfahrungen in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit oder im Journalismus besitzen.
Sehr gute Englisch- und Deutschkenntnisse sind Voraussetzung. Das Praktikum ist unbezahlt.
Bitte senden Sie Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen an:
[email protected]

UNRIC Verbindungsbüro in Deutschland, Bonn
Tel.: +49 (0)228 / 815-2773 / 2774
Fax: +49 (0)228 / 815-2777

UN Card 2016 DE 250px front