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Ruud Lubbers, Hoher Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen: Erklärung zum Weltflüchtlingstag, 20. Juni 2004

RUNIC/13

Jeder Mensch braucht einen Ort, mit dem ihn ein Gefühl von Heimat und Zugehörigkeit verbindet. Doch für Millionen Flüchtlinge und Vertriebene auf der ganzen Welt ist die Heimat nichts als ein ferner Traum.

Auf der Suche nach Schutz vor Verfolgung und Krieg können Flüchtlinge häufig nicht mehr mit sich nehmen als ihre Kleidung. Sie verlieren alles, was ihnen vertraut ist: ihre Familie, Freunde, Arbeit, Gemeinschaft und Kultur. Wer vor einer ungewissen Zukunft in einem fremden Land steht, kann von dem Gefühl von Verlust und Fremdheit überwältigt werden. Keine Heimat zu haben, kann dem Verlust der eigenen Identität nahe kommen.

Aber trotz aller Schwierigkeiten halten Flüchtlinge fest an ihrem Traum von einer Heimat und allem, was damit zusammenhängt: Familie, Akzeptanz, Sicherheit, Zugehörigkeit und Selbstwertgefühl. Dass Flüchtlinge diese Hoffnungen entgegen allen Widrigkeiten nicht aufgeben, kann uns allen als Beispiel dienen.

Darum hat UNHCR, das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen, dem diesjährigen Weltflüchtlingstag am 20. Juni den Titel "Eine Heimat finden" gegeben.

Als Hoher Flüchtlingskommissar bin ich davon überzeugt, dass es keine wichtigere Aufgabe gibt, als Flüchtlingen und vertriebenen Menschen auf der Welt bei ihrem mühevollen Aufbau eines neuen Lebens und einer neuen Heimat zu helfen. Und ich bin stolz darauf, dass wir uns bereits seit fünf Jahrzehnten für dieses Ziel einsetzen. Für über 50 Millionen Flüchtlinge wurden bisher Lösungen für einen Neuanfang gefunden.

Ganz entgegen der vor allem in Industrieländern vorherrschenden Wahrnehmung, dass sie von Flüchtlingen "überflutet" werden, ist die große Mehrheit dieser 50 Millionen Menschen in ihre häufig zerstörte Heimat zurückgekehrt. Viele Flüchtlinge wünschen sich nichts dringlicher als heimzukehren, das ist an so unterschiedlichen Orten wie dem Kosovo, Kambodscha, Mosambik und Timor-Leste auf dramatische Weise sichtbar geworden. Zu Beginn des neuen Jahrtausends unterstützte UNHCR 1,1 Millionen Menschen dabei, sich nach der Rückkehr in die Heimat eine neue Lebensgrundlage zu schaffen. Heute leisten wir bereits Hilfe für mehr als 3,5 Millionen Personen, die in den letzten Jahren heimgekehrt sind.

Deshalb sieht UNHCR in der freiwilligen Rückkehr - dem Rückweg in das Heimatland, wenn dort die nötigen Voraussetzungen gegeben sind - die beste Lösung. Allein im vergangenen Jahr sind 1,1 Millionen Flüchtlinge heimgekehrt. Die größte Gruppe, 646.000 Menschen, kehrte nach Afghanistan zurück. Insgesamt haben seit 2002 mehr als drei Millionen afghanische Flüchtlinge und Vertriebene den Weg in ihre Heimat angetreten.. Auch nach Angola, Burundi, Irak, Sierra Leone, Ruanda, Côte d'Ivoire, Bosnien-Herzegowina, Liberia, Eritrea, Kroatien und Somalia kehren viele Flüchtlinge aus dem Exil zurück.

Und die Möglichkeit zur Rückkehr in weitere Länder zeichnet sich ab. UNHCR hat neun afrikanische Länder benannt, bei denen die Rückkehr entweder bereits angelaufen ist, kurz bevorsteht oder in naher Zukunft wahrscheinlich ist. Diese neun Staaten sind die Herkunftsländer von mindestens zwei Millionen Flüchtlingen und mehreren Millionen Binnenvertriebenen. Kürzlich kamen auf einer UNHCR-Konferenz in Genf Vertreter von afrikanischen Regierungen, Geberländern, UN-Organisationen und Nichtregierungsorganisationen zusammen, um gemeinsam sicherzustellen, dass diese neun afrikanischen Länder die notwendige Unterstützung erhalten. Damit sollen sie ihren Bürgern ermöglichen, in die Heimat zurückkehren und - ebenso wichtig - dort bleiben zu können. Dauerhafte internationale Hilfe während des gesamten Prozesses von Rückkehr, Wiedereingliederung, Rehabilitation und Wiederaufbau ist entscheidend, wenn dieser Erfolge zeitigen soll.

Aber was geschieht mit den Flüchtlingen, die niemals heimkehren können? Für sie suchen UNHCR und seine Partnerorganisationen eine von zwei Lösungen: die Integration im Erstasylland oder, falls dies nicht möglich ist, die Weiterwanderung in ein Drittland.

In beiden Fällen geht es letztlich darum, Flüchtlingen wieder eine sichere Perspektive zu geben. Dies setzt Großzügigkeit und die Bereitschaft zur Teilung der Verantwortung und Lasten voraus, sowohl vonseiten der oftmals selbst armen Asylländer als auch von den wenigen und überwiegend reichen Staaten, die bedeutende Kontingente von Flüchtlingen aus Erstasylländern aufgenommen haben. Im Jahr 2003 wurden rund 56.000 Flüchtlinge in den zehn wichtigsten Weiterwanderungsländern aufgenommen. Zehntausende von Flüchtlingen wurden in ihren Erstasylländern dauerhaft integriert.

Zusätzlich zur internationalen Unterstützung - die auch gezielte Entwicklungshilfe für die Erstasylländer umfasst - setzen solche Lösungen auch Mut und Beharrlichkeit vonseiten der Flüchtlinge voraus, die sich in ihrer neuen Heimat zurechtfinden müssen. Wir alle können ihnen dabei helfen, indem wir sie willkommen heißen und ihre Leistungen in unseren Gesellschaften anerkennen. Sie verdienen es ebenso wie wir, eine Heimat zu haben. 

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