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Generalsekretär Kofi A. Annan: Medien im Krieg: Minenfelder von Themen

UNIC/581

Erklärung zum Internationalen Tag der Pressefreiheit - 3. Mai 2003

NEW YORK, 3. Mai - Am Welttag der Pressefreiheit möchten wir das Recht der Presse bestätigen, ihre Arbeit zu verrichten. Wenn Ideen und Informationen nicht frei fließen können, sowohl innerhalb nationaler Grenzen als auch über sie hinweg, wird Frieden umso schwerer fassbar sein. Wo zensiert wird, werden beide, Demokratie und Entwicklung, die Verlierer sein. Eine freie und unabhängige Presse ist der Lebensnerv starker, funktionierender Gesellschaften und die Lebensader des Fortschrittes an sich.

Der Welttag der Pressefreiheit ist auch ein Anlass, an die vielen Journalisten zu erinnern, die ihr Leben bei der Ausübung ihres Berufes ließen. Am ehesten in Erinnerung sind uns wohl die 14 getöteten und die zwei noch immer vermissten Journalisten aus dem Irakkrieg. Wir wissen bisher noch nicht - möglicherweise werden wir es auch nie genau wissen -, unter welchen genauen Umständen sie getötet wurden. Was wir wissen, dank des Komitees zum Schutz der Journalisten, ist folgendes: Wie gefährlich Krieg auch immer für diejenigen sein mag, die über ihn berichten, die meisten Journalisten, die weltweit in Erfüllung ihrer Pflicht sterben, werden ermordet. - Ganz bewusst werden sie als Individuen ins Visier genommen, weil sie Korruption oder Machtmissbrauch aufdecken, weil sie zu fest verwurzelten Interessen Position beziehen, legal oder illegal, um es kurz zu sagen, weil sie ihre Arbeit machen. Sie werden auch aus denselben Gründen gefangengenommen - Ende 2002 waren es nach Aussagen des Komitees 136 Journalisten.

Mehrere hundert werden konfrontiert mit Bedrohung, Einschüchterung und Körperverletzung. Abgesehen von den damit verknüpften individuellen Tragödien können solche Taten eine abschreckende Wirkung auf die gesamte Gesellschaft haben, weil sie Widerspruch und Debatten im Keim ersticken. Solche Attacken dürfen nicht toleriert werden. Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden.

Dieses Jahr findet der Welttag der Pressefreiheit zu einer Zeit statt, in der die Presse versucht, ihren Standort zu bestimmen angesichts der Komplexität ihrer Rolle in bewaffneten Konflikten. Die Themen sind professionelles Vorgehen und auch ethische Normen, die Anwendung finden sollten bei der Kriegsberichterstattung und der sich daraus ergebenden Verantwortung während der Folgen des Konfliktes.

Journalismus beinhaltet immer schwierige Entscheidungen, aber Kriegszeiten erhöhen sie noch, da sie in ihrer Intensität in ein wahres Minenfeld von Themenkomplexen führen: Objektivität versus Propaganda, Skepsis versus Chauvinismus, großangelegter Zusammenhang von starken Bildern versus dramatischer Einzelaufnahmen. Der Kampf von Reportern, das richtige Maß zu finden zwischen nötiger Objektivität und dem Vorteil der Einbettung bei den Truppen. Die Notwendigkeit, die Tragweite des Konfliktes, insbesondere für Zivilisten zu vermitteln, ohne jedoch menschenverachtende Bilder von Tod und Elend zu zeigen. Und übersteigt die Sättigung durch allzu aktuelle Berichterstattung nicht letztendlich unsere Fähigkeit zu fühlen, sich zu sorgen und zu handeln?

Ein Aspekt, der uns insbesondere hier bei den Vereinten Nationen sorgt, ist die Selektivität: Warum, fragen wir, sind bei der Berichterstattung einige Themen und Situationen attraktiv, während andere von scheinbar gleicher Wichtigkeit es nicht schaffen, die kritischen Massen zu erreichen?

Zu solch einer Frage gibt es keine einfache Antwort. Da wir uns aber weiterhin damit auseinandersetzen, möchte ich auch den Welttag der Pressefreiheit dazu nutzen, zum Handeln im Zusammenhang mit einem wichtigen Thema aufzurufen, bei dem wir wohl alle übereinstimmen: Durch Medien verbreiteter Hass. In Ruanda und in Bosnien und Herzegowina hat die Welt Völkermord und Verbrechen gegenüber der Menschlichkeit gesehen, teilweise ausgelöst durch nationalistische und ethnische Hasskampagnen, propagiert durch die Massenmedien. Vor kurzem in Côte d'Ivoire haben viele Medien Nachrichten verbreitet, die man weitestgehend als fremdenfeindlich oder politische Manipulation bezeichnen würde.

Sie haben unhaltbare Ansprüche gestellt und zur Gewalt gegenüber Individuen und Gruppen, insbesondere gegen Ausländer aufgerufen. Die Situation hat sich inzwischen wieder etwas beruhigt. Aber die Welt hat erneut gesehen, dass der Missbrauch von Information tödliche Konsequenzen haben kann.
Dass die Auftraggeber, die involviert waren bei der Förderung des Völkermordes durch Radio-Televison Mille Collines, durch das Internationale Tribunal für Ruanda verfolgt werden, ist ein bedeutender Schritt.

Aber wirklich wichtig ist es, in Zukunft solche Vorfälle erfolgreich zu verhindern. Die beste Methode dafür ist die Entwicklung einer freien und unabhängigen Presse, die den Bedürfnissen aller Teile der Gesellschaft dient. Die Vereinten Nationen unterstützen in enger Zusammenarbeit mit den Medien und nichtstaatlichen Organisationen in vielen Ländern objektive Berichterstattung und Initiativen, die auf professionelle Standards und den freien Austausch von Information abzielen. Wir brauchen solche Partnerschaften, und wir müssen sie über einen langen Zeitraum hinweg unterstützen.

Die Weltkonferenz zur Informationsgesellschaft, deren erster Teil im Dezember in Genf stattfinden wird, kann einen wichtigen Beitrag zur Pressefreiheit leisten. Der Ausdruck Informationsgesellschaft ist ein Versuch die Konturen unserer Zeit zu umrahmen. Andere haben sie die digitale Ära oder das Informationszeitalter genannt. Welchen Ausdruck wir auch immer benutzen, die Gesellschaft, die wir erschaffen, muss offen und pluralistisch sein - eine Gesellschaft, in der alle Menschen in allen Ländern Zugang zu Information und Wissen erhalten. Die Medien können mehr als alles andere dabei helfen, dieses Ziel zu erreichen und den digitalen Graben zu überwinden. Und die Presse kann außerdem von diesem Kongress profitieren, wenn sie es schafft, den Führern dieser Welt ein starkes Engagement zur Verteidigung der Medienfreiheit zu entlocken. Ich hoffe, die Presse wird von dieser Veranstaltung mit aller Hingabe und Energie ihres Berufes berichten.

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