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Fünf Schritte für die am wenigsten entwickelten Länder -- Hintergrund zur UNO-Konferenz für die am wenigsten entwickelten Länder in Istanbul (9. - 13. Mai 2011)

Mit dem Ziel, ihre eigene Anzahl bis 2020 zu halbieren, erwarten die 48 am wenigsten entwickelten Länder (LDCs – Least Developed Countries) einen wesentlichen Fortschritt bei den Verhandlungen während der vierten UNO-Konferenz für die am wenigsten entwickelten Länder.
 
Die weltweit anfälligsten Volkswirtschaften und andere Regierungen drängen auf Maßnahmen, durch die 24 Länder der UN-Kategorie „am wenigsten entwickelt“ entkommen sollen – eine Einstufung, die Eigenschaften, wie ein geringes Pro-Kopf-Einkommen, geringer Lebensstandard, schlechte Arbeitsbedingungen und Mangel an wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit sowie Belastbarkeit umfasst.
 
Durch Klimaveränderungen hervorgerufene Wetterschwankungen stellen für Landwirte eine extreme Bedrohung dar. Zahlreiche am wenigsten entwickelte Länder besitzen tief liegende Küstenstreifen oder sind kleine Inseln, die vor Stürmen oder vor Auswirkungen durch den Anstieg des Meeresspiegels nicht hinreichend geschützt sind. Einige andere Länder sind vom gegenteiligen Extrem betroffen, da sie sich in bergigen Gebieten befinden und vom Abschmelzen der Gletscher betroffen sind.
 
Dennoch, nur drei der insgesamt 51 vom UNO-Komitee für Entwicklungspolitik als am wenigsten entwickelt (LDC) eingestuften Länder sind jemals aufgestiegen (Botswana, 1994; Kap Verde, 2007; Malediven, 2011). So gibt es Schlüsselbereiche, auf die LDCs den Fokus ihrer Maßnahmen legen.
 
Es gibt fünf Kernbereiche, in denen Entwicklungsfortschritte unverzichtbar sind:

Stärkung der Landwirtschaft

Länder, die in Zeit und Raum so unterschiedlich sind, wie einst das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten während der Industriellen Revolution sowie gegenwärtig China, erreichten ein dynamisches Städtewachstum, das auf einem wachsenden landwirtschaftlichen Sektor aufbaute.
 
Allerdings scheint sich der Agrarsektor auf die Wirtschaft der LDCs kaum positiv auszuwirken und trägt laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) lediglich 30 Prozent zum Nationaleinkommen bei einem Beschäftigungsanteil von 70 Prozent der Bevölkerung bei.
 
Die Lebensmittelpreise steigen seit 2007 kontinuierlich an – ein Trend, der auch in Zukunft allem Anschein nach anhalten wird. Hohe Preise führen aber eher zu Hunger in den LDCs und nicht zu höheren Einkommen für die Landwirte.
 
Dennoch, wenn höhere Preise aus dem Weltmarkt auf den lokalen Markt der Landwirte übertragen werden und Infrastruktur, Betriebsaufwand und soziale Leistungen zur Verfügung stehen, können sowohl Kleinbauern als auch landwirtschaftliche Betriebe in den LDCs davon profitieren.
 
Eine im April 2011 vom Beratungsunternehmen McKinsey veröffentlichte Studie macht deutlich, dass diese Situation in Afrika, wo sich über drei Viertel der LDCs befinden, eintreffen könnte. In dem Bericht heißt es:
 
Eine lang erwartete „grüne Revolution“ scheint in greifbare Nähe zu rücken. Zahlreiche Regierungen des Kontinents folgen einem marktfreundlichen Kurs und stellen dem Sektor mehr Mittel zur Verfügung. Die traditionellen Geberländer erhöhen ihre Ausgaben im Agrarsektor, während Brasilien und China ebenfalls beginnen, ihren Beitrag dazu zu leisten. Investitionen im afrikanischen privaten Agrarsektor steigen zusehends. Hohe, schwankende Lebensmittelpreise heben die Bedeutung dieser entwicklungspolitischen Maßnahmen hervor und üben nicht nur Druck aus, sondern schaffen einen politischen Handlungsspielraum für Entscheidungsträger.

Die am wenigsten entwickelten Länder

Afrika
Angola, Benin, Burkina Faso, Burundi, Zentralafrikanische Republik, Tschad, Komoren, Demokratische Republik Kongo, Dschibuti, Äquatorialguinea, Eritrea, Äthiopien, Gambia, Guinea, Guinea-Bissau, Lesotho, Liberia, Madagaskar, Malawi, Mali, Mosambik, Niger, Ruanda, Sao Tome und Principe, Senegal, Sierra Leone, Somalia, Sudan, Togo, Uganda, Vereinigte Republik Tansania, Sambia
 
Asien
Afghanistan, Bangladesh, Bhutan, Kambodscha, Kiribati, Demokratische Volksrepublik Laos, Myanmar, Nepal, Samoa, Salomoninseln, Timor-Leste, Tuvalu, Vanuatu, Jemen
 
Lateinamerika und Karibik
Haiti
 
Laut dem McKinsey Bericht befinden sich sechs LDCs – Angola, Äthiopien, Madagaskar, Mosambik, Sudan, Tansania – unter den elf Ländern, die aller Wahrscheinlichkeit nach davon profitieren, insbesondere dann, wenn nachhaltige landwirtschaftliche Maßnahmen eingeleitet werden, die die Auswirkungen des Klimawandels abwenden.
 
Die Förderung der landwirtschaftlichen Entwicklung und der Kleinbauern sind Bereiche, in denen auf Lebensmittel spezialisierte UNO-Programme, wie FAO, das Welternährungsprogramm und der Internationale Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung, mit zahlreichen anderen fachübergreifenden Arbeitsgruppen kooperieren, die vom Generalsekretär einberufen wurden, um der Lebensmittelkrise im Jahr 2008 entgegenzuwirken.

Leistungsförderung der Frauen

Die große Mehrheit der Landwirte in den am wenigsten entwickelten Ländern sind Frauen – die meisten von ihnen sind in der Landwirtschaft mit niedriger Produktivität tätig. Eine Umgestaltung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft und Diversifizierung sowohl der urbanen als auch ländlichen Wirtschaft würden die kreativen, ökonomischen und Führungskompetenzen der Frauen in einem größeren Umfang gewährleisten. Wichtig für die Gleichstellung der Geschlechter ist die Beseitigung struktureller Barrieren, wie diskriminierende Gesetze, Politik, Praktiken und Normen.
 
Die Dokumentation über Frauenrechte und Emanzipation in den LDCs ist zwar unregelmäßig, aber auf dem Weg der Besserung. Regierungen wie Nepal haben Maßnahmen zur Reduzierung  der Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen ergriffen. Die Alphabetisierungsrate der Frauen in den am wenigsten entwickelten Ländern ist von 44% Ende der 1990er auf über 50% in der zweiten Hälfte des Jahres 2000 gestiegen. So bieten zahlreiche LDCs eine direkte Unterstützung für Unternehmerinnen an.
 
Der Erfolg der Initiative des Generalsekretärs zugunsten der Gesundheitsvorsorge für Mütter, Säuglinge und Kinder in armen Ländern ist entscheidend für die Leistungsförderung der Frauen.

Höhere Prioritätensetzung der öffentlichen Entwicklungshilfe (ODA)

Mit niedrigen Sparquoten (durchschnittlich 10% des Bruttoinlandsproduktes) sind die am wenigsten entwickelten Länder auf externe Finanzierungsquellen, wie die öffentliche Entwicklungshilfe (Official Development Aid – ODA) angewiesen. Obwohl sich die ODA aus den traditionellen Geberländern im Ausschuss für Entwicklungshilfe der OECD seit der vorangegangenen LCD Konferenz von 14 Milliarden 2001 auf beinahe 40 Milliarden Dollar 2009 nahezu verdreifacht hat, ist sie von niedriger Priorität.
 
LDCs suchen zusätzliche Hilfe zur Anpassung an die Klimaveränderung und greifen immer mehr auf wachsende Hilfsmaßnahmen, Handelpozesse und Investitionen aufsteigender Länder im Süden zurück. Dabei hoffen sie, dass die Geberländer im Norden ihre gesetzten entwicklungspolitischen Ziele erfüllen.
 
Des weiteren versuchen sie, die Verteilung zu ändern. Der Anteil der öffentlichen Entwicklungshilfe, der der ökonomischen Infrastruktur und dem Produktionssektor zugute kommt, geht seit den 1980ern stetig zurück. Zahlreiche LDC Regierungen hoffen auf einen größeren Anteil für die wichtige Infrastruktur, wie Transport, Energie, Wasser, Informations- und Kommunikationstechnik und für die Landwirtschaft, da diese produktiven Kapazitäten die Abhängigkeit von Entwicklungshilfe reduzieren und den Auswirkungen der Finanz- und Lebensmittelkrisen entgegenwirken.

Verbesserung der Regierungsführung

Es ist bemerkenswert, dass die zwei größten aus dem LDC Status hochgestiegenen Länder (Botswana und Kap Verde) auch gleichzeitig weltweit die Spitzenplätze in der Kategorie „Regierungsführung“ im Demokratie-Ranking der Economist Intelligence Unit einnehmen.
 
LDC Regierungen sind sich immer mehr im Klaren darüber, dass rechtliche, demokratische und makroökonomische Rahmenbedingungen  wichtige Faktoren sind, die von potenziellen Investoren ausgewertet werden, bevor sie eine Entscheidung treffen. Seit der LDC Konferenz in Brüssel 2001 sind generelle Bemühungen um Verbesserungen in der Regierungsführung und sozialen Eingliederung zu erkennen. Die Anzahl ziviler Konflikte hat abgenommen. In nahezu allen 48 am wenigsten entwickelten Ländern finden Wahlen statt. Im Justizwesen und Rechtssystem sowie im Bereich der Korruption wurden Fortschritte gemacht und Mechanismen im Steuersystem wurden verbessert.

Handelsgüter müssen sich auszahlen

LDCs sind reich an „harten“ (Mineralien) und „weichen“ (Landwirtschaft) Handelsgütern, die in der Weltwirtschaft das Hauptkriterium darstellen. Der Besitz solcher Ressourcen hat den meisten LDCs jedoch nicht dazu verholfen, den Armutsfallen der Vergangenheit zu entkommen. Die Länder müssen einen Weg finden, wie sie ihre wirtschaftliche Diversifizierung in Gang setzen.
 
Erreichen die Erträge alle Bevölkerungsschichten, werden wachsende Binnenmärkte ausländische Investitionen auch im Dienstleistungs- und Informationssektor anziehen. Anzeichen dafür gibt es bereits. Der Abbau von Handelshemmnissen für den Überseemarkt wird auch Kapitalbewegungen anstoßen, die LDCs in exportorientierte Produktionsstätten verwandeln. Vom Aufschwung der Handelswaren im 21. Jahrhundert angetriebene Ausländische Direktinvestitionen (ADI) waren für LDCs die am schnellsten wachsende Finanzquelle. Bei weniger als 1% der weltweit gesamten eingehenden ADI besteht ein großes Wachstumspotenzial im kommenden Jahrzehnt.

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