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Welt-Drogenbericht: Medikamentenmissbrauch steigt weltweit.

UNRIC-Pressemitteilung Nr. 348                              

Welt-Drogenbericht: Drogenmarkt ist stabil, Verbrauch an synthetischen Drogen und Medikamentenmissbrauch steigt weltweit

BONN, 23. Juni 2011 (UNO-Informationszentrum) – Während die globalen Märkte für Kokain, Heroin und Cannabis entweder geschrumpft oder stabil geblieben sind, ist die Produktion und der Missbrauch von Medikamenten und synthetischen Drogen angestiegen, so der Welt-Drogenbericht 2011 (www.unodc.org/wdr). Der illegale Anbau von Opium- und Coca-Pflanzen beschränkte sich auf einige wenige Länder. Obwohl die Produktion von Opium stark zurück ging und der Anbau von Coca leicht reduziert wurde, war die Produktion von Heroin und Kokain insgesamt signifikant.

Der Bericht wurde heute am Hauptsitz der Vereinten Nationen von Generalsekretär Ban Ki-moon; Yury Fedotov, Exekutivdirektor des UNO-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC); Joseph Deiss, Präsident der Generalversammlung; Gil Kerlikowske, Direktor der Drogenkontrollbehörde des Weißen Hauses; und Viktor Ivanov, Direktor der russischen Drogenkontrollbehörde vorgestellt.

Weltweit haben rund 210 Millionen Menschen, oder 4,8 Prozent der Bevölkerung im Alter von 15-64 Jahren, mindestens einmal illegale Substanzen im letzten Jahr konsumiert. Der allgemeine Drogenkonsum, inklusive des problematischen Teils, (0,6 Prozent der Bevölkerung von 15 bis 64 Jahren) ist stabil geblieben. Die Nachfrage nach Substanzen, die nicht international kontrolliert werden, ist dagegen enorm gestiegen. Die Wirkung von Cannabis wird zudem durch synthetische Cannabinoide nachgeahmt, bekannt auch unter dem Namen „Spice“.

Weniger Opium in Afghanistan, leichter Anstieg in Myanmar

Der weltweite Schlafmohn-Anbau hat 2010 195.700 Hektar erreicht, eine leichte Steigerung im Vergleich zu 2009. Die Opium-Produktion sank dagegen um 38 Prozent auf 4.860 Tonnen, da Schädlinge einen großen Teil der Ernte zerstört hatten. Trotzdem hat Afghanistan den größten Anteil an der Opium-Produktion weltweit (3.600 Tonnen oder 74 Prozent). Während der Anbau in Afghanistan stabil blieb, wurde der globale Trend von Steigerungen in Myanmar bestimmt, wo der Anbau im Vergleich zu 2009 um 20 Prozent gestiegen ist. Als Resultat ist auch die Opium-Produktion in Myanmar von 5 Prozent der weltweiten Produktion im Jahr 2007 auf 12 Prozent im Jahr 2010 angestiegen. Die weltweite Opium-Produktion sank zwischen 2007 und 2010 um 45 Prozent, vor allem infolge der schlechten Erträge 2010, doch dieser Trend wird sich vermutlich nicht fortsetzen. „Obwohl die Anbaufläche in Afghanistan zurück gegangen ist vermuten wir, dass die Opium-Produktion in Afghanistan 2011 wieder auf normalem Niveau sein wird“, warnte Yury Fedotov.

Weltweit weniger Kokain produziert aufgrund von Rückgängen in Kolumbien; Kokain-Markt in den USA schrumpft

Die weltweite Anbaufläche für Coca sank 2010 auf 149.100 Hektar, ein Rückgang von 18 Prozent seit 2007. In dieser Zeit ist die potentielle Kokain-Produktion um ein Sechstel gesunken, eine Folge des signifikanten Rückgangs des Coca-Anbaus in Kolumbien. Dieser Rückgang wurde durch die leichten Anstiege in Peru und Bolivien nicht aufgewogen.

Der US-Kokain-Markt ist den letzten Jahren massiv eingebrochen. Trotzdem ist er noch immer der größte weltweit mit einem Verbrauch von 157 Tonnen im Jahr 2009, was 36 Prozent des Gesamtverbrauchs entspricht. Der zweitgrößte Kokain-Markt ist Europa, speziell West- und Mitteleuropa, wo der Verbrauch auf 123 Tonnen geschätzt wird.

In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Kokainverbrauch in Europa verdoppelt (obwohl er in den letzten Jahren relativ stabil geblieben ist). Geschätzte 21 Tonnen Kokain sind 2009 über Westafrika nach Europa gekommen. Ein Rückgang im Vergleich zu zwei Jahren zuvor, als es etwa 47 Tonnen gewesen sein könnten.

Die Preise auf den Kokain-Märkten sind seit Mitte der 90er Jahre gesunken. Vor zehn Jahren war der nordamerikanische Markt viermal größer als der europäische. Heute ist der Wert des europäischen Marktes mit 36 Milliarden US-Dollar annähernd so hoch wie der des amerikanischen (37 Milliarden US-Dollar).

Cannabis – die Droge Nummer 1 weltweit

Cannabis bleibt mit Abstand die Droge, die weltweit am meisten produziert und konsumiert wird, obwohl die Datenbasis eher dünn ist. 2009 haben zwischen 2,8 und 4,5 Prozent der weltweiten Bevölkerung zwischen 15 und 64 Jahren – das sind 125 bis 203 Millionen Menschen – Cannabis mindestens einmal konsumiert.

Während die Cannabis-Gras (Marihuana)-Produktion weit verbreitet ist, besonders auf dem amerikanischen Kontinent und in Afrika, wird Cannabisharz weiterhin fast ausschließlich in zwei Ländern produziert: Marokko, das Westeuropa und Nordafrika beliefert, und Afghanistan, das die Märkte in Südwestasien bedient. 2010 war Cannabis profitabler für afghanische Bauern als Opium. 2010 war in Afghanistan Cannabisharz eine weitaus profitablere Pflanze als Opium.

Synthetische Drogen – Südostasien und Afrika unter dem Radar

Sprunghaft ansteigende Produktion, Handel und Verbrauch von Amphetaminen begleitet von einer Rückkehr des Opium-Anbaus und des Heroinhandels geben in Südostasien Anlass zur Sorge. „Die Fortschritte, die wir auf den traditionellen Drogenmärkten gemacht haben werden von den in Mode gekommenen Designer-Drogen“ relativiert, sagte der Exekutivdirektor.

“Das goldene Dreieck konzentriert sich nicht mehr allein auf Opium; es ist ein Geschäft, dass sich auf die Kunden einstellt. Die internationale Gemeinschaft hat die Drogenkontrolle in Südostasien offenbar aus den Augen verloren“, sagte er. „Wir wollen auf allen Ebenen proaktiv sein, bevor die Region wieder ein großer Drogenumschlagplatz wird.“

Viele nicht regulierte Substanzen werden als „legal highs“ und Ersatz für illegale Aufputschmittel, wie etwa Kokain oder Ecstasy, vermarktet. Methaphetamin, eine im hohen Maße süchtig machende Substanz, breitet sich derzeit über Ostasien aus und  verzeichnet auch in Nordamerika seit 2009 wieder einen Anstieg, nachdem es einige Jahre rückläufig war. In der Tat war 2009 ein Rekordjahr hinsichtlich der Beschlagnahmung synthetischer Drogen, größtenteils vorangetrieben durch das Abfangen von Methaphetamin – das 2009 (15,8 Tonnen) im Vergleich zu 2008 (11,6 Tonnen) um mehr als ein Drittel anstieg – vor allem in Myanmar. Obwohl Myanmar eine der Hauptquellen für Methaphetamin-Pillen in Südostasien ist, entwickelt sich auch Afrika zu einer Quelle für Methaphetamin, das für Ostasien bestimmt ist.

Auf dem Weg zu einer stärkeren multilateralen Antwort auf illegale Drogen

Exekutivdirektor Fedotov betonte das Prinzip der „gemeinsamen Verantwortung“ und die Notwendigkeit, nationale, regionale und internationale Bemühungen in eine umfassende Strategie für Anbau, Produktion und Handel von Drogen einzubauen. UNODC hat mehrere regionale Mechanismen, darunter den Pariser Pakt, die Dreiecksinitiative und das zentralasiatische regionale Zentrum für Information und Koordination, das entwickelt wurde, um dem Problem des afghanischen Opiums entgegenzutreten. Er sagte weiter, dass diese Ansätze als Modell für andere Regionen wie etwa Südostasien oder Zentralamerika dienen könnte.

"Drogen verursachen jährlich 200.000 Tote. Da Menschen mit einem schwerwiegenden Drogenproblem den Großteil der Drogenkonsumenten ausmachen, ist die Behandlung dieses Problems einer der besten Wege, den Markt zusammenzuschrumpfen,“ sagte er.

2009 haben die Mitgliedsstaaten die Gültigkeit des internationalen Drogekontrollregimes  während des High-Level Segments der Suchtstoffkommission bestätigt. „Dieses Jahr ist der 50. Jahrestag des Grundpfeilers des internationalen Drogenkontrollsystems: des Einheits-Übereinkommens von 1961 über Suchtstoffe. Seine Vorkehrungen bleiben intakt und höchst relevant, genauso wie sein zentraler Fokus auf den Schutz der Gesundheit.“, sagte Fedotov.

Für nähere Informationen kontaktieren Sie bitte:

In Wien:

Alun Jones, Chief of Communications and Advocacy: UNODC

T: (+43-1) 26060-5726 | M: (+43-699) 1459-5726 | E: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

In New York:

Simone Monasebian, Representative and Chief of the New York Office: UNODC

T: (+1-212) 963-5631 | M: (+1-917) 294-5762 | E: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

In London:

Karen Davies, Desk Officer – UK and Ireland: UN Regional Information Centre for Western Europe

T: (+32-2) 788-8473 | M: (+32-473) 26-22-55 | E: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

 

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