Dienstag, 21 November 2017
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Studentin aus Deutschland gewinnt mit ihrem „With or Without-Projekt“ 20.000 Euro Preisgeld bei UN-Wettbewerb zur Vielfalt

Golesorkhi21Die deutsche Studentin Lara-Zuzan Golesorkhi gehört zu den zehn Gewinnern des diesjährigen Wettbewerbs zur Vielfalt. Der Wettbewerb wird gemeinsam von United Nations Academic Impact (UNAI) und der UNHATE-Stiftung ausgeschrieben.

Golesorkhis „With or Without-Projekt“ soll muslimische Frauen auf dem deutschen Arbeitsmarkt fördern. Dazu möchte sie potentielle Arbeitgeber darin bestärken, sich symbolisch zu verpflichten, diese Frauen einzustellen.

UNRIC: Was erhoffen Sie sich von diesem Projekt, und wie kann Ihnen das Preisgeld von 20.000 Euro dabei helfen, Ihre Ziele zu erreichen?

Foto: Privat

Lara-Zuzan Golesorkhi: Im Großen und Ganzen hoffe ich, mit dem Projekt eine soziale Bewegung zu mobilisieren, in der das Motto „With or Without“ („Mit oder Ohne [Kopftuch]“ ) weiter diskutiert und praktisch angegangen wird, sodass Gleichberechtigung für Frauen am Arbeitsplatz mit oder ohne Kopftuch geschaffen wird. Das Preisgeld von 20.000 Euro bietet hierfür ein grosszügiges Startkapital.

Wie sind die Reaktionen auf Ihr Projekt national, aber auch international bisher ausgefallen?

Bisher sind die Reaktionen sehr positiv. Sogar in den USA bestand grosses Interesse. Dies gibt mir Hoffnung, dass das Projekt in der Zukunft bundesweit und eventuell international weitergeführt werden kann.

Könnten Sie uns einen Einblick in die Situation von Muslimas in Deutschland geben?

Die Erfahrungen entstehen aus mehreren Elementen, wie zum Beispiel der schulischen Ausbildung, sozio-ökonomischer Stand, Sprachkenntissen, Glaubensrichtung und dem spezifischen Migrationshintergrund. Muslimische Immigranten und Muslime mit Migrationshintergrund der zweiten oder dritten Generation haben einen deutlich niedrigeren Stand an schulischer Ausbildung als Christen, Juden, oder andere.

 Insgesamt ist die Erwerbstätigenquote muslimischer Immigranten und von Muslimen mit Migrationshintergrund deutlich geringer (56%) als die der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund (68%). Auch hier kann ein Geschlechtsunterschied dargestellt werden. Außerdem ist es noch wichtig, einen kurzen Einblick in die ‘deutsche Kopftuchwelt’ zu gewähren. Nur 28% der muslimischen Immigrantinnen und Muslimas mit Migrationshintergrund tragen Kopftuch. Das heißt die deutliche Mehrheit tut es nicht.

Was hat Sie persönlich an diesem Thema besonders gereizt?

Persönlich interessiert mich das Thema hauptsächlich aufgrund meines Forschungsgebiets und meiner Dissertation. Mein Forschungsgebiet betrifft amerikanische Politik, Immigration und Muslime in den USA und Deutschland sowie die Trennung von Staat und Religion. Ich habe in diesem Rahmen bereits mehrere Artikel veröffentlicht und arbeite im Moment an meinem Dissertations-Proposal: Der Kopftuchstreit am öffentlichen Arbeitsplatz in Deutschland und den USA ist eine Fallstudie meiner Dissertation.

Im Rahmen Ihres Projektes möchten Sie potentielle Arbeitgeber darin bestärken, sich symbolisch zur Anstellung muslimischer Frauen zu verpflichten und darauf basierend eine Liste möglicher Bewerbungsstellen für Muslimas erstellen. Wie kann sichergestellt werden, dass die jeweiligen Arbeitgeber ihr Versprechen auch tatsächlich einhalten?

Da das Versprechen nur symbolisch erteilt wird, gibt es keine Garantie, dass sich die Arbeitgeber daran halten. Dennoch wird durch die Erstellung der Liste möglicher Bewerbungsstellen für Muslimas eine Datenbank für Verantwortung erstellt, zu der WoW am Ende des Jahres Bilanz zieht und im gegebenen Fall die Arbeitgeber nochmals auf ihr Versprechen anspricht – falls unsere Recherche ergibt, dass die jeweiligen Arbeitgeber keine Fortschritte gemacht haben, um mehr Muslimas einzustellen.

Wie planen Sie, eine möglichst erschöpfende Auswahl potentieller Ansprechpartner zusammenzustellen und an diese heranzutreten?

Das Programm beginnt relativ bald mit der Recherche und Identifikation von Arbeitgebern. Geplant ist, zunächst Kontakt mit Arbeitgebern zu knüpfen, die bereits im Bereich Immigration und Integration am Arbeitsplatz positiv aufgefallen sind. Dann wollen wir uns nach und nach an „harte Fälle“ machen. Generell wird WoW sich nicht auf ein bestimmtes Arbeitsgebiet beschränken, sondern eher eine erschöpfende Auswahl potentieller Arbeitgeber betrachten. Dennoch werden wir versuchen, durch Forschung und Studien, die häufigsten Arbeitsplätze von Muslimas und deren Studien- und Schulhintergründe besonders zu berücksichtigen.

Sie konzentrieren sich bei Ihrem Projekt insbesondere auf muslimische Frauen in Deutschland. Besteht die Chance, die Aktion in Zukunft auch auf internationaler Basis fortzuführen?

Das Projekt wird zunächst als Pilot-Programm in Stuttgart starten und dann hoffentlich durch weitere Förderung deutschlandweit und eventuell international fortgeführt. Der Kopftuchstreit am Arbeitsplatz ist kein deutschlandspezifisches Phänomen, sondern tritt in fast jedem Land auf, in denen Muslime eine Minderheit bilden. Persönlich wäre ich sehr daran interessiert, das Projekt auch in den USA zu starten, da es hier, ähnlich wie in Deutschland, zu immer mehr Fällen kommt, in denen das Kopftuch am Arbeitsplatz rechtlich problematisiert wird.

Vielen Dank für das Interview, Frau Golesorkhi und alles Gute für Ihr Projekt.

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