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UN-Generalsekretär Ban Ki-moon: Erklärung zum Internationalen Frauentag, 8. März 2016

BONN, 8. März (UNRIC) – Aufgewachsen als Junge im Nachkriegs-Korea erinnere ich mich an die Frage über eine Tradition: Frauen in den Wehen ließen ihre Schuhe an der Türschwelle stehen und blickten ängstlich zurück. „Sie fragen sich, ob sie diese Schuhe jemals wieder anziehen werden“, erklärte meine Mutter.

Mehr als ein halbes Jahrzehnt später verfolgt mich diese Erinnerung noch immer. In armen Teilen der heutigen Welt riskieren Frauen immer noch ihr Leben bei der Geburt. Müttersterblichkeit ist eine der vielen vermeidbaren Gefahren. Allzuoft erleiden weibliche Babies eine Genitalverstümmelung. Mädchen werden auf ihrem Weg zur Schule angegriffen. Frauenkörper werden in Kriegen zu Schlachtfeldern. Witwen werden gemieden und verarmen.

Wir können diese Probleme nur dann angehen, wenn wir die Frauen zu Triebkräften für Veränderungen ermächtigen.

Seit mehr als neun Jahren habe ich bei den Vereinten Nationen diese Philosophie in die Praxis umgesetzt. Wir haben so viele gläserne Decken durchbrochen und einen Scherbenteppich hinterlassen. Jetzt kehren wir die Anmaßungen und Voreingenommenheiten der Vergangenheit weg, damit die Frauen über neue Grenzen hinweg vordringen können.

Ich ernannte die allererste weibliche Befehlshaberin für die UNO-Truppen und schob den Frauenanteil in den höheren Rängen der Organisation in historische Höhen. Frauen sind jetzt Führungskräfte im Zentrum von Frieden und Sicherheit – ein Bereich, der früher exklusiv Männern vorbehalten war. Als ich bei den Vereinten Nationen ankam, gab es keine Frauen unter den Führungskräften unserer Friedensmissionen im Feld. Jetzt werden beinahe ein Viertel aller UNO-Missionen von Frauen geleitet – bei weitem nicht genug aber dennoch eine enorme Verbesserung.

Ich habe fast 150 Ernennungsschreiben für Frauen in Positionen wie Beigeordnete Generalsekretäre oder Untergeneralsekretäre unterzeichnet. Manche kamen von hohen Regierungsstellen mit internationalem Ansehen, andere stiegen in ihren eigenen Ländern in Führungspositionen auf. Alle halfen mir zu beweisen, wie oft eine Frau die am besten geeignete Person für einen Job ist.

Um sicherzustellen, dass dieser wirkliche Fortschritt andauert, haben wir neue Rahmenbedingungen geschaffen, die das ganze UNO-System verantwortlich machen. Wo Geschlechtergleichstellung einst als lobenswerte Idee gesehen wurde, ist sie nun ein solider Grundsatz. Davor war Geschlechterbewusstseinstraining freiwillig; jetzt ist es für eine immer größer werdende Zahl von UNO-Mitarbeitern verpflichtend. In der Vergangenheit haben nur eine Handvoll UNO-Budgets Ressourcen für Geschlechtergleichstellung und die Ermächtigung von Frauen festgelegt; heute ist das für fast eines von dreien Standard, und es rechnet sich.

Konfuzius lehrte, dass wir in unseren eigenen Kreisen beginnen müssen, wenn wir die Welt in Ordnung bringen wollen. Ausgestattet mit dem Beweis über den Wert von weiblichen Führungskräften bei den Vereinten Nationen habe ich mich überall zur Ermächtigung der Frauen geäußert. In meinen Reden im Parlament, in Universitäten und bei Kundgebungen, in Privatgesprächen mit den Führenden der Welt, in Tagungen mit Zentralvorständen und bei zähen Gesprächen mit mächtigen Männern, die patriarchalische Gesellschaften rigid beherrschen, habe ich auf die Gleichheit der Frauen gepocht und Maßnahmen urgiert, um dies zu erreichen.

Als ich mein Amt antrat, gab es weltweit neun Parlamente ohne Frauen. Wir haben geholfen, diese Zahl auf vier zu reduzieren. Ich startete 2008 die „UniTE to End Violence against Women“-Kampagne (Vereint, um die Gewalt gegen Frauen zu beenden); heute haben Führende und Minister, Hunderte Parlamentarier und Millionen Menschen den Aufruf mit ihrem Namen unterstützt.

Ich war der erste Mann, der die HeForShe-Kampagne unterzeichnet hat und mehr als eine Million Anderer haben dies seither getan. Ich stand mit Aktivisten, die zur Unterlassung der weiblichen Genitalverstümmelung aufriefen, und feierte, als die Generalversammlung die allererste Resolution zur Unterstützung dieses Zieles annahm. Ich wiederhole die Rufe vieler, die wissen, dass Frauen den Erfolg bei der Erreichung der mutigen 2030 Agenda für eine nachhaltige Entwicklung und den Fortschritt des Pariser Abkommens zum Klimawandel vorantreiben können.

An diesem Internationalen Frauentag bin ich noch immer empört über die Verweigerung der Rechte von Frauen und Mädchen – aber die Menschen überall, die darauf einwirken, dass die Ermächtigung von Frauen zu einem Fortschritt in der Gesellschaft führt, ermutigen mich. Wir wollen uns einer soliden Finanzierung, einer mutigen Fürsprache und einem unbeugsamen politischen Willen verschreiben, um auf der ganzen Welt Geschlechtergleichheit zu erzielen. Es gibt keine größere Investition in unsere gemeinsame Zukunft.

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