Montag, 20 November 2017
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UNO-Generalsekretär Kofi A. Annan: Globale Ziele zur Minderung der Armut und neuer Afrika-Entwicklungsplan bilden eine Symbiose

UNIC/527

Generalversammlung beginnt Sondertagung über die Entwicklung Afrikas

NEW YORK, 16. September 2002 - Zum Auftakt einer über die kommenden vier Wochen verteilten Sondertagung der UNO-Generalversammlung über das neue Entwicklungsprogramm für Afrika hat Generalsekretär Kofi Annan folgende Erklärung abgegeben:

Ich freue mich, heute mit Ihnen an dieser wichtigen Sitzung teilzunehmen. Wir wollen Wege erforschen, wie die internationale Gemeinschaft die Neue Partnerschaft für die Entwicklung Afrikas (NEPAD) am besten unterstützen kann, um den Menschen dieses Kontinents größtmöglichen Nutzen zu bringen.

Diese Partnerschaft ist in erster Linie vor allem eine Partnerschaft der politischen Führer Afrikas mit ihren Völkern, sowie eine Partnerschaft zwischen den afrikanischen Staaten. Außerdem strebt NEPAD eine neue Partnerschaft Afrikas mit der internationalen Gemeinschaft - und hier vor allem mit den hochindustrialisierten Ländern - an. Diese Partnerschaft soll auf gegenseitiger Achtung und Interdependenz, auf Transparenz und Rechenschaftspflicht beruhen und sie sieht die Überprüfung und Überwachung der erzielten Fortschritte sowohl in den afrikanischen Ländern als auch bei ihren internationalen Partnern vor.

NEPAD hat die Millenniums-Entwicklungsziele als Kernstück der Entwicklungsagenda für Afrika übernommen. Ich begrüße diesen Beschluss außerordentlich, weil ich hier eine Symbiose zwischen der Neuen Partnerschaft für die Entwicklung Afrikas und den vom Millenniumsgipfel verabschiedeten Entwicklungszielen sehe. NEPAD kann nicht erfolgreich sein, wenn Afrika diese Ziele nicht erreicht. Und die Welt als Ganzes wird diese Ziele nicht erreichen können, wenn sie nicht auch in Afrika verwirklicht werden.

Zwei gesonderte, aber mit einander in Zusammenhang stehende Prioritäten, nämlich die Bekämpfung von HIV/Aids und die Förderung der Schulbildung von Mädchen, spielen für die Erreichung der Millenniums-Entwicklungsziele und die Verwirklichung der Ziele der Neuen Partnerschaft für ganz Afrika eine zentrale Rolle.

Die HIV/Aids-Epidemie ist heute zur größten Gefahr für die Entwicklung Afrikas geworden. Sie ist nicht nur eine Gefahr für die Gesundheit der Menschen sondern in vielen afrikanischen Ländern auch eine ernste Bedrohung für ihre nationale Sicherheit, ja für ihr Überleben. HIV/Aids hat die in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten erzielten großen Fortschritte bei der Senkung der Kindersterblichkeit und der Stärkung der sozio-ökonomischen Entwicklung praktisch wieder zunichte gemacht. Die Epidemie hat die Probleme der Armut, der Diskriminierung, der Unterernährung und der sexuellen Ausbeutung von Mädchen und Frauen weiter verschärft. Sie bewirkt verheerende Einbrüche im Bildungssystem, weil Lehrer rascher an dieser Krankheit sterben als sie ersetzt werden können.

Umgekehrt bringt die Bildung von Mädchen soziale Vorteile, wie ein höheres Familieneinkommen, spätere Heirat, geringere Kinderzahl, niedrigere Säuglings- und Müttersterblichkeit, besser ernährte und gesündere Kinder, größere Lebens- und Berufschancen für Frauen, sowie eine höhere Beteiligung von Frauen an den politischen, sozialen und wirtschaftlichen Entscheidungsfindungen.

Die Bildung von Mädchen zu fördern und HIV/Aids einzudämmen sind nicht nur selbst wichtige Millenniums-Entwicklungsziele, sie sind auch die stärksten Katalysatoren für das Erreichen aller anderen Millenniums-Entwicklungsziele in Afrika.

Durch die Gruppierung ihrer eigenen Ziele um den Kern der Millenniums-Entwicklungsziele stellt NEPAD die Entwicklungspartner Afrikas aber auch vor neue Herausforderungen, um ihr Engagement für die globale Armutsminderung zu verstärken. Das erklärte Ziel der Neuen Partnerschaft ist es, ein jährliches Wachstum von sieben Prozent in Afrika zu erreichen. Nur so kann das Millenniums-Entwicklungsziel, die Zahl der in Armut lebenden Menschen bis zum Jahr 2015 zu halbieren, erreicht werden. Dazu müssten die derzeitigen Wachstumsraten in Afrika mehr als verdoppelt werden.

Jetzt gilt es, die Grundsätze der Neuen Partnerschaft in konkrete Maßnahmen umzusetzen, damit NEPAD den einfachen Menschen in Afrika spürbare Verbesserungen bringen kann. Die Umsetzung der Neuen Partnerschaft kann dabei von zwei Erkenntnissen profitieren, die die Vereinten Nationen und andere, die in der Entwicklung Afrikas in den letzten zehn Jahren tätig waren, gewonnen haben.

Erstens: Frieden und Sicherheit sind entscheidende Voraussetzungen für die Entwicklung. Die von der Neuen Partnerschaft konzipierten wirtschaftlichen Programme und Projekte müssen Hand in Hand mit echten Fortschritten zur Beendigung von Konflikten und zur Vertiefung der Wurzeln des Friedens gehen.

Zweitens: Die Entwicklungszusammenarbeit bedarf einer neuen Orientierung. Mit der NEPAD haben die afrikanischen Führer gezeigt, dass für sie politische und wirtschaftliche Reformen entscheidend sind, um dauerhafte Entwicklung zu erzielen. Sie haben die Rolle der Menschenrechte, der Grundfreiheiten und der Demokratie betont. Sie haben die Bedeutung einer Regierung bekräftigt, die auf der Zustimmung und Autorität der Regierten beruht. Und afrikanische Spitzenpolitiker haben sich zunehmend gegen Korruption und schlechte Regierungsformen ausgesprochen. Immer mehr Nachdruck wird auch auf die Gewährleistung von Rechenschaftspflicht und Transparenz gelegt. Die internationale Gemeinschaft muss ihre Unterstützung für diese Bemühungen verstärken. Darin liegt der eigentliche Sinn dieser Neuen Partnerschaft.

Die Zukunft Afrikas wird von den Afrikanern selbst bestimmt. Um diese Zukunft aufzubauen, Konflikte zu beenden, Krankheiten zu heilen und das vielfache Leid zu lindern, das Afrika so lange in seiner Entwicklung zurückgeworfen hat, braucht dieser Kontinent alle Weisheit, politischen Willen und Kreativität, die er aufbringen kann.

Afrika braucht auch die Unterstützung der industrialisierten Welt. Diese Unterstützung muss auf einer nüchternen und realistischen Bewertung dessen beruhen, was getan werden muss. In diesem Zeitalter der Globalisierung können selbst die reichsten und mächtigsten Länder nicht an den Herausforderungen und Krisen in anderen Teilen der Welt vorbeisehen, wenn sie nicht selbst in deren Strudel hinein gezogen werden wollen. Gleichzeitig gibt es überall Chancen für Wachstum und Innovation - jeder von uns kann von den Erfolgen des anderen profitieren. Lassen Sie uns dazu beitragen, dass die Neue Partnerschaft für die Entwicklung Afrikas ein leuchtendes Beispiel für diese globale Wahrheit wird.
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Zeitplan der Sondertagung über Afrika

Am 16. September wurde die Neue Partnerschaft für die Entwicklung Afrikas (NEPAD) von vier afrikanischen Staatspräsidenten - Thabo Mbeki (Südafrika), Olusegun Obasanjo (Nigeria), Abdoulaye Wade (Senegal) und Abdelaziz Bouteflika (Algerien) - offiziell den Vereinten Nationen vorgestellt.

Vom 24. - 26. September und vom 7. - 11. Oktober werden die Delegationen der UNO-Mitgliedstaaten dann nochmals zusammentreten, um über den Bericht des Generalsekretärs zur NEPAD sowie die Ergebnisse eines unabhängigen Beirates prominenter Persönlichkeiten zu beraten, der unter dem Vorsitz des ehemaligen ghanesischen Finanzministers, Kwesi Botchwez, die gerade zu Ende gegangene Neue Agenda der Vereinten Nationen für die Entwicklung Afrikas (UN-NADAF) beurteilt hat.
Vom 23. - 27. September finden außerdem Forumdiskussionen von Nichtregierungsorganisationen zu Themen wie Konfliktvermeidung, Armutsbeseitigung, Regierungsform und die Umsetzung der NEPAD statt.

Schließlich wird die Generalversammlung am 17./18. Oktober nochmals zusammentreten, um den künftigen Aktionsrahmen der Vereinten Nationen auf diesem Gebiet zu beschließen.

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