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30 Jahre UNEP: Umwelt für Entwicklung - Erde, Menschen und Wohlstand

UNIC/487

Harte Fakten und schwere Entscheidungen: UNO-Umweltprogramm veröffentlicht Umweltbericht „GEO 3“ über den Zustand der Umwelt in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

LONDON, 22. Mai 2002 (UNEP) -- Wenn in den nächsten 30 Jahren nicht dringende Maßnahmen ergriffen werden, könnten mehr als 70 Prozent der Landfläche auf der Erde durch Straßenbau, Bergbau, Siedlungen und sonstige Weiterentwicklungen der Infrastruktur beeinträchtigt werden.

Mit den stärksten Konsequenzen müssen Lateinamerika und die Karibikregion rechnen, wo mehr als 80 Prozent des Bodens betroffen sein werden; dicht gefolgt von Asien und der Pazifikregion. Hier könnten mehr als 75 Prozent der Bodenfläche auf Grund rascher und schlecht geplanter Erweiterungen der Infrastruktur durch Lärm, Störungen von Biotopen und andere Umweltschäden beeinträchtigt werden.

Gleichzeitig könnten bis 2032 mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Gegenden mit extremem Wassermangel leben, wenn weltweite Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nur von den Kräften des Marktes bestimmt werden. Das westliche Asien, zu dem auch Gebiete wie die Arabische Halbinsel gehören, dürfte zu den am stärksten betroffenen Regionen gehören: Hier werden 2032 voraussichtlich 90 Prozent der Bevölkerung in Gebieten mit extremer Wasserknappheit leben.

Gleichzeitig jedoch scheint sich bei der Anzahl der Hungernden in der Welt eine rückläufige Tendenz abzuzeichnen. Einem Zukunftsszenario zufolge wird der Anteil der Hungernden an der Weltbevölkerung bis 2032 auf bis zu 2,5 Prozent sinken - was den Zielen der Millenniumserklärung der Vereinten Nationen entspräche.

Durch konzertierte Maßnahmen unter Einbeziehung der Regierungen, der Industrie und des einzelnen Bürgers könnte sich der Ausstoß an Treibhausgasen drastisch reduzieren lassen. Bei ausreichend gutem Willen seitens der staatlichen und privaten Stellen könnte sich der Kohlendioxidanteil in der Atmosphäre bis 2032 stabilisieren.
Dies sind nur einige prägnante Ergebnisse des bahnbrechenden globalen Umweltberichts „Global Environment Outlook-3“ (GEO-3), der vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) herausgegeben wurde. In der Studie wird ein eingehender Blick auf die Politik und Umweltauswirkungen der letzten 30 Jahren geworfen; anschließend werden für die nächsten drei Jahrzehnte vier Politikansätze beschrieben und die wahrscheinlichen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt gegenübergestellt und verglichen.

Die mehr als 1.000 am Bericht beteiligten Fachleute, von denen viele in einem weltweiten Netz kooperierender Forschungszentren arbeiten, sehen den Planeten an einem Scheideweg: Welche Entscheidungen heute getroffen werden, wird sich nachhaltig auf die Wälder, Meere, Flüsse, Berge, Tierwelt und auf andere lebenserhaltende Systeme auswirken, auf die heutige und künftige Generationen angewiesen sind.

In der Schlussfolgerung von GEO-3 wird betont, dass in den 30 Jahren seit der Konferenz von Stockholm, die zur Gründung des UNO-Umweltprogramms führte, bereits zahlreiche Umweltveränderungen eingetreten sind.

In Erdteilen wie Nordamerika und Europa konnten Verbesserungen in der Qualität des Flusswasser- und der Luft erzielt werden. Ein weiterer beachtlicher Erfolg sind die internationalen Bemühungen zur Wiederherstellung der schützenden Ozonschicht in der Erdatmosphäre durch eine Senkung der Herstellung und des Verbrauchs von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW). Im allgemeinen jedoch hat die Umweltqualität kontinuierlich abgenommen, vor allem in zahlreichen Entwicklungsländern.

Durch die zunehmende Umweltbelastung der Erde werden die Menschen immer häufiger von Naturkatastrophen (vgl. Kapitel 3 im GEO-3 Bericht) wie Zyklonen, Überschwemmungen und Dürren heimgesucht, betont der Bericht. Dadurch geriet auch die Versorgung mit Lebensmitteln zunehmend in Gefahr. Besonders gefährdet sind Arme, Kranke und Benachteiligte - sowohl innerhalb der Gesellschaft als auch in verschiedenen Ländern und Regionen. Vieles weist darauf hin, dass sich die Kluft zwischen Menschen, die eine erhöhte Umweltbelastung bewältigen können, und anderen Teilen der Weltbevölkerung vertieft.

Schätzungen zufolge ist die Zahl der von Naturkatastrophen betroffenen Menschen von durchschnittlich 147 Millionen jährlich in den achtziger Jahren auf 211 Millionen jährlich in den neunziger Jahren gestiegen. Die weltweiten finanziellen Verluste durch Naturkatastrophen beliefen sich 1999 auf schätzungsweise mehr als 100 Milliarden US-Dollar.

Gleichzeitig ist der Anteil der vom Wetter verursachen Katastrophen gewachsen, was einige Experten auf die Klimaveränderung durch vom Menschen erzeugte Emissionen zurückführen. In den neunziger Jahren kamen von allen Opfern von Naturkatastrophen 90 Prozent bei Überschwemmungen, Stürmen und Dürren um. Generell zeichnet sich hinter praktisch allen Einschätzungen und Prognosen des Berichts das Gespenst des Treibhauseffektes ab, der in den kommenden Jahrzehnten die Wetterabläufe dauerhaft schädigen könnte.

Nach Einschätzung von GEO-3 verursachen die Umweltschäden den Ländern auch noch andere Kosten. So verliert zum Beispiel Indien jährlich 10 Milliarden US-Dollar bzw. 4,5 Prozent seines Bruttoinlandprodukts; allein die Kosten für Produktionsausfälle durch vom Menschen verursachte Bodendegradation belaufen sich auf 2,4 Milliarden Dollar.

Gleichzeitig erhöhen sich mit sinkender Umweltqualität die gesundheitlichen Risiken. So nennt der Bericht zum Beispiel die Verschmutzung der Meere als Ursache einer „beschleunigten Gesundheitskrise gewaltiger Ausmaße“. Allein durch den Verzehr verseuchter Schalentiere erkranken jährlich ca. 2,5 Millionen Menschen an infektiöser Hepatitis; von ihnen sterben 25.000, während weitere 25.000 nach Leberschäden an langfristigen Behinderungen leiden.

Als eine der wichtigsten treibenden Kräfte wird in GEO-3 die wachsende Kluft zwischen den reichen und armen Teilen der Erde bezeichnet. Zurzeit genießt ein Fünftel der Erdbevölkerung einen hohen - manche würden sagen exzessiven - Lebensstandard. Dieses Fünftel vereinigt auf sich beinahe 90 Prozent des weltweiten persönlichen Konsums. Gleichzeitig müssen etwa vier Milliarden Menschen mit weniger als 1-2 US-Dollar pro Tag auskommen.

Der Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung (WSSD)

Bei der Vorstellung des Berichts in London erklärte UNEP-Exekutivdirektor Klaus Töpfer: „Ich muss den Wissenschaftlern und Experten Tribut für diese Beurteilung zollen. Wie seine beiden Vorläufer ist auch GEO-3 eine einzigartige Gemeinschaftsleistung. Der neue Bericht gibt uns eine noch bessere Gelegenheit für eine Denkpause, denn er beschreibt vier mögliche Zukunftsszenarien für die nächsten 30 Jahre. Natürlich weiß keiner genau, was vor uns liegt - die Zukunft ist ein fremdes Land. Doch inzwischen wissen wir genug, um zu verstehen, wie unser Handeln - oder unsere Versäumnisse - die Umwelt und die Bewohner dieses einzigartigen blauen Planeten bis 2032 verändern können.“

“GEO-3 ist weder Panikmache, noch werden die aktuellen Probleme, die uns alle angehen, beschönigt.. Vielmehr ist der Bericht die bisher fundierteste Beurteilung der Frage, wo wir uns bisher befanden, wohin wir gelangt sind und in welche Richtung wir uns künftig bewegen könnten. Die Tatsachen in diesem Bericht machen offensichtlich, wie viel inzwischen über den Zustand der Erde bekannt ist. Gleichzeitig wird deutlich, wie die wechselnden Regierungen, die Industrie, die Öffentlichkeit und andere versuchen, die geschädigten und bedrohten Süßwasservorkommen, Böden, Tiere, Meere und die Atmosphäre zu sanieren und zu bewahren - vor allem in den Kontinenten und Ländern, die es sich leisten können.“

“Wir haben heute hunderte von Erklärungen, Vereinbarungen, Richtlinien und rechtsverbindlichen Verträgen zur Lösung von Umweltproblemen und zur Beseitigung der damit verbundenen Gefahren für die Gesundheit und das Wohlergehen von Mensch und Natur. Jetzt gilt es, den politischen Mut und die innovative Finanzierung zu finden, um diese Abmachungen in die Tat umzusetzen und um den Planeten Erde auf einen Kurs zu bringen, der zu mehr Gesundheit und mehr Wohlstand führt. Vor zehn Jahren trafen sich die Regierungen in Rio auf dem Erdgipfel. In nur drei Monaten findet in Südafrika der Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung (WSSD) statt. Auf diesem Gipfel geht es um nachhaltige Entwicklung, aber es geht auch um die Umwelt. Das UNEP-Motto lautet „Umwelt für Entwicklung“, denn ohne Umweltschutz wird niemals die Art von Entwicklung stattfinden, die wir benötigen, um für diese oder künftige Generationen Gerechtigkeit zu schaffen. Wir brauchen konkrete Taten, wir brauchen konkrete Zeitpläne, und wir brauchen von allen Seiten eisernen Willen. Diese Verantwortung kann nicht alleine den Politikern überlassen werden; an diesem Unternehmen sind wir alle beteiligt. Nur dann können die Versprechen von Rio Wirklichkeit werden.“

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