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UNIFEM-Exekutivdirektorin Noeleen Heyzer: Gleichstellung ist entscheidend für die Millenniumsziele

UNIC/461

Erklärung zum Internationalen Tag der Frau unterstreicht Solidarität mit den afghanischen Frauen

NEW YORK, 8. März 2002 (UNIFEM) - Anlässlich des Internationalen Tags der Frau am 8. März hat die Exekutivdirektorin des UNO-Entwicklungsfonds für Frauen (UNIFEM), Noeleen Heyzer, folgende Erklärung veröffentlicht:

Mehr als ein Jahr ist seit dem historischen Millenniumsgipfel im September 2000 vergangen, auf dem rund 150 Staats- und Regierungschefs eine Reihe konkreter Entwicklungszielen festgelegt haben. Sie einigten sich darauf, die extreme Armut zu halbieren, die Müttersterblichkeitsrate um zwei Drittel zu senken und gleichen Zugang der Mädchen zu allen Formen von Bildung zu schaffen. Sie verpflichteten die Weltgemeinschaft, der Verbreitung von HIV/Aids Einhalt zu gebieten und diesen Trend umzukehren. Alle diese Ziele sollen bis zum Jahr 2015 erreicht werden.

Die Gleichstellung von Mann und Frau ist für die Erreichung der Millenniumsziele von ausschlaggebender Bedeutung. Wenn extreme Armut halbiert und Müttersterblichkeit verringert werden sollen, müssen wir zunächst vor allem gegen Armut bei Frauen vorgehen. Finanzmittel müssen bereit gestellt werden, um ihr Überleben, neue Optionen und neue Chancen zu gewährleisten. Um gleiche Einschulungsraten von Mädchen und Jungen zu erzielen, müssen wir verhindern, dass Mädchen aus der Schule genommen werden, um Familienmitglieder zu pflegen, die an HIV/Aids erkranken und sterben. Um zu verhindern, dass Gewalt eine tägliche Lebenswirklichkeit der Frauen weltweit bleibt, müssen wir für gleiche Machtverhältnisse zwischen Frauen und Männern arbeiten. Um HIV-Infektionen einzuschränken, müssen wir etwas dagegen unternehmen, dass Frauen biologisch, wirtschaftlich und kulturell für eine Infektion mit dem Virus an-fälliger sind. Wir müssen uns dafür einsetzen, den Frauen das Recht und die Macht zu geben, nicht gewollten und ungeschützten Sex zu verweigern, und dafür sorgen, dass diese Haltung respektiert wird.

Zwei globale Tagungen werden in diesem Jahr entscheidend für die Förderung der Entwicklungsziele der Millenniumserklärung und für die Anerkennung der Gleichstellung der Geschlechter als Vorraussetzung für nachhaltige Entwicklung und Armutsminderung sein. Die 46. Tagung der UNO-Kommission für die Stellung der Frauen (CSW) wird in diesem Monat in New York abgehalten. Der Schwerpunkt der Debatte wird in diesem Jahr auf der Beseitigung der Armut und der Unterstützung von Frauen in ihren unterschiedlichen Lebensphasen liegen.

Die zweite wichtige Veranstaltung ist die Internationale Konferenz über Entwicklungs-finanzierung (FfD), die im März in Monterrey, Mexiko stattfindet. Sie ist eine einmalige Gelegenheit unter Beweis zu stellen, dass Worten auch Mittel folgen. Zum ersten Mal in der Geschichte werden die Vereinten Nationen gemeinsam mit der Weltbank, dem Internationalen Währungsfonds (IMF) und der Welthandelsorganisation (WTO) nach neuen Wegen des Einsatzes von Finanzmitteln zur Deckung der Grundbedürfnisse der Menschen wie Gesundheit, Bildung und soziale Dienste suchen.

UNIFEM hat eng mit Frauengruppen zusammengearbeitet, damit deren Stimmen bei diesem wichtigen internationalen Forum gehört werden. Die FfD-Konferenz muss - wenn wir die Entwicklungsziele der Millenniumserklärung ernst meinen - die Frage der Verarmung von Frauen ansprechen und die gleichberechtigte, wirksame und angemessene Verteilung von Finanzmitteln zur Verbesserung des Lebens der Frauen fördern.

Das Engagement für Gleichberechtigung kann am besten durch die Verfolgung der Geldflüsse gemessen werden. UNIFEM hat mit seinen Partnern Budgetanalysen über die Gleich-stellung erstellt. Diese helfen den Regierungen bei der Entscheidung, wo Ressourcen aufgebracht werden müssen, um menschliche Entwicklung und Gleichberechtigung zu erzielen. Solche Budgetanalysen können auch bei der Verteilung öffentlicher Entwicklungshilfe zugrunde gelegt werden, und wir sollten damit beim Wiederaufbau Afghanistans beginnen.

In den letzten Monaten haben wir den internationalen Aufschrei über das Leid und die Ausgrenzung afghanischer Frauen miterlebt. Jetzt ist es an der Zeit dafür zu sorgen, dass internationale Hilfe für die Wiedergewinnung der Rechte afghanischer Frauen eingesetzt wird. Der Wiederaufbau des Landes wird ein schwieriger und langer Prozess werden. Die Mehrheit der afghanischen Frauen haben keinen Zugang zu Trinkwasser, Energie oder sanitären Einrichtungen. Nur drei Prozent der Frauen können lesen und schreiben und 1.600 von 100.000 Frauen sterben bei der Geburt von Kindern.

Frauen in Afghanistan sind zentrale Akteure beim Wiederaufbau ihrer Gemeinschaften und ihres Landes. Aber ihr Beitrag muss auch anerkannt, geschätzt und unterstützt werden. Nach umfangreichen Konsultationen mit afghanischen Frauen, die im oder außerhalb des Landes leben, haben wir vier Schlüsselbereiche definiert, die sofortiges Handeln erfordern.

Der erste ist die Sicherheit der Frauen. Frauen fühlen sich nicht sicher und häusliche Gewalt gegen Frauen stößt auf eine Mauer des Schweigens. Die zweite Priorität ist die Förderung von Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern. In der Praxis bedeutet das, dass Verstöße gegen die Rechte der Frauen erfasst, berichtet und behoben werden. Regierungsführung ist die dritte Priorität. Ein starkes Frauenministerium ist wichtig, um für die Einlösung der Verpflichtungen gegenüber Frauen zu sorgen. Aber auch in anderen Ministerien und außerhalb der Regierung müssen die Perspektive und Führungsstärke der Frauen Platz finden. Die vierte Priorität ist die wirtschaftliche Sicherheit der Frauen. Frauen müssen Arbeitsplätze finden und anständig entlohnt werden.

An diesem Internationalen Tag der Frau möchten wir unsere Solidarität mit den Frauen in Afghanistan bekunden und die Notwendigkeit erneut bekräftigen, Frauen in den Mittelpunkt aller Ebenen des Wiederaufbauprozesses zu stellen. Wir möchten zu verstärktem Engagement und mehr Finanzmitteln für die Umsetzung der Entwicklungsziele der Millenniumserklärung und für mehr öffentliche Entwicklungshilfe für die Deckung der Bedürfnisse von Frauen aufrufen, insbesondere derjenigen, die besonders gefährdet sind und zu gesellschaftlichen Randgruppen gehören. Diese Herausforderungen liegen nicht im Verantwortungsbereich einer einzelnen Institution oder Regierung. Es sind Aufgaben, welche die Bündelung aller Kräfte und Kreativität der Menschen erfordern. Diese Verantwortung müssen Männer und Frauen gleichermaßen tragen.

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Der Entwicklungsfonds der Vereinten Nationen für Frauen (UNIFEM) arbeitet weltweit für die Förderung der Rechte und Ermächtigung von Frauen sowie für die Gleichstellung der Geschlechter. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.unifem.undp.org 

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