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Entwicklungsländer sind am stärksten von der weltweiten Wirtschaftsschwäche betroffen

UNIC/445

UNO prognostiziert ein weltweites Wachstum von nur 1,5 Prozent für das Jahr 2002

NEW YORK, 10. Januar - Die Erholung von der weltweiten Wirtschaftsschwäche, die früh im vergangenen Jahr begonnen hatte und durch die Anschläge vom 11. September noch verstärkt wurde, wird nur langsam vorangehen. Von den ungünstigen Auswirkungen sind einem UNO-Bericht zufolge vor allem Ostasien und Lateinamerika betroffen. Die Wirtschaftsschwäche ist weltweit spürbar. Ein Dutzend Volkswirtschaften befindet sich in der Rezession, das Wachstum von mehr als drei Vierteln aller Länder ist geringer als im Vorjahr.

Der UNO-Bericht „Lage und Perspektiven der Weltwirtschaft 2002“ prognostiziert ein weltweites Wachstum (GWP) von lediglich 1,5 Prozent im Jahr 2002 (im letzten Jahr 1,3 Prozent) und argumentiert, dass dieser geringe Zuwachs durch verschiedene wirtschaftliche Unwägbarkeiten bedingt ist. Hauptgrund ist die weltweite Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Erholung in den Vereinigten Staaten. Risiken sind vor allem die hohe Eigenkapitalquote in den USA, die geringe Sparquote, die hohe Verschuldung im privaten Sektor und die externe Verschuldung. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Japan und die ungewisse Situation in Argentinien sind zusätzliche Unwägbarkeiten.

Das weltweit geringe Wirtschaftswachstum, das hinter dem weltweiten Bevölkerungswachstum der vergangenen beiden Jahre zurückbleibt, stellt vor allem die Entwicklungsländer vor große Schwierigkeiten. Viele dieser Länder hatten letztes Jahr einen Wachstumsrückgang zu verzeichnen. Einbußen mussten West- und Ostafrika sowie Lateinamerika und der karibische Raum hinnehmen. Diese Wende ist ein großes Hindernis, die Zahl armer Menschen zu verringern.

Entwicklungsländer und Schwellenländer stehen einer schwachen weltwirtschaftlichen Situation gegenüber. Dies umfasst einen mäßigen internationalen Handel, geringe Preise für Rohstoffe und einen schwierigeren Zugang sowie höhere Kosten für externe Finanzmittel. Der wirtschaftliche Aufschwung dieser Länder ist deshalb zu einem großen Teil von der Erholung der Industrienationen abhängig.

Die Stagnation des internationalen Handels hat sich auch auf das geringere Wachstum der Entwicklungs- und Schwellenländer übertragen. „Einige Länder, besonders Argentinien und die Türkei, litten sowohl unter internen oder internationalen Finanzproblemen, oder an einer Kombination von beiden“, aber „die externen Schwierigkeiten waren 2001 geringer als während der internationalen Finanzkrise von 1997 bis 1998“, heißt es in dem Bericht. Trotzdem wird die Summe des privaten Nettokapitals, das in die Entwicklungs- und Schwellenländer fließt, auch dieses Jahr wie bereits 2001 sinken.

Die Summe ausländischer Direktinvestitionen (FDI) fließt an Entwicklungsländer, die während der Krise von 1997 bis 1998 relativ stabil geblieben sind. Sie fiel im vergangenen Jahr und wird dieses Jahr weiter fallen, trotz der Zunahme in Ländern wie China, Mexiko und Südafrika. Der Schlüssel, um die Summe ausländischer Direktinvestitionen in Entwicklungsländern wieder zu erhöhen, bleibt das Wirtschaftswachstum. „Die grundlegenden Faktoren, die diese Kapitalflüsse bestimmen, haben sich nicht verändert“, wird in dem Bericht festgestellt. Außerdem kommt der Bericht zu dem Schluss, dass „die Möglichkeiten ausländischer Direktinvestitionen in vielen Entwicklungsländern bei weitem noch nicht ausgeschöpft“ sind. Da internationale Konzerne sich neu positionieren und Entwicklungsländer ihre Handelsbestimmungen weiter liberalisieren, könnte der Anteil ausländischer Direktinvestitionen zugunsten der Entwicklungsländer zunehmen. Vor allem weil die Summe der Reinvestitionen steigt.

Der Bericht zeigt auch, dass die Summe ausländischer Direktinvestitionen, die in Entwicklungsländer fließt, dramatisch gesunken ist. Vor allem aufgrund grenzüberschreitender Fusionen und Unternehmenszukäufen. „Ausländische Direktinvestitionen werden wieder zunehmen, wenn das Vertrauen der Verbraucher wieder gewachsen ist“, heißt es in dem Bericht. Es ist aber unwahrscheinlich, dass so die Verluste wieder gutgemacht werden.

Bedingungen für Konjunkturaufschwung

Der Bericht „Lage und Perspektiven der Weltwirtschaft 2002“ stellt hoffnungsvolle Signale für die Wirtschaft fest. Ende letzten Jahres ist die Geldpolitik in vielen großen Industrieländern angepasst worden. Steuerliche Anreize begannen wirksam zu werden, die Energiepreise sind gesunken und es gab eine leichte Erholung der Aktienmärkte. Die Folgen dieser Entwicklungen werden sich nach Einschätzung des Berichts im Jahr 2002 schrittweise bemerkbar machen und zu einer Wiederherstellung des Vertrauens der Verbraucher und Märkte sowie zu einer Wiederbelebung der Aktivitäten des Privatsektors führen.

„Die aktuelle Herausforderung für politische Entscheidungsträger weltweit besteht nicht nur darin, sofortige Schritte zu unternehmen um die Weltwirtschaft vom derzeitigen Rückgang zu befreien“, wird in dem Bericht argumentiert. In den letzten Jahren hatte die Volatilität der Weltwirtschaft asymmetrische Auswirkungen. Die meisten Entwicklungsländer „tendierten beim Aufschwung zu Gewinnen, die geringer waren als die führender Industrieländer, litten aber gleichsam oder noch stärker unter den Konjunkturabschwüngen“. Es sei deshalb wichtig, „die langfristige Agenda, die sicherstellen soll, dass Entwicklungsländer effektiver an der globalisierten Weltwirtschaft teilhaben, zu erhalten.“

Der Bericht unterstreicht, dass dringende Fortschritte bei der Lösung der Schuldenprobleme der Entwicklungsländer nötig sind - durch die HIPC Initiative für arme Länder und durch bessere Vorkehrungen für die Einbeziehung des Privatsektors in Ländern mit mittleren Einnahmen. Die Studie lobt das auf der WTO-Ministerkonferenz im November 2001 in Doha erstellte Arbeitsprogramm und ruft zur Stärkung der Kapazität der Entwicklungsländer auf, an Handelsrunden teilzunehmen und deren Ergebnisse umzusetzen. Die bevorstehende Internationale Konferenz über Entwicklungsfinanzierung in Monterrey, Mexiko, im März 2002, wird als eine Gelegenheit präsentiert, Fortschritte in diesen und damit zusammenhängenden Fragen zu erzielen.

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Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte Tim Wall, Tel. 001 212 963 5851 (New York), E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. oder Nick Sander, Tel. 001 212 963 4392 (New York), E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. in der UNO-Hauptabteilung Presse und Information oder Erica Meltzer, Tel. 00 41 22 907 5365 (Genf), E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. bei der UNO-Handels- und Entwicklungskonferenz (UNCTAD) in Genf.

Der Bericht „World Economic Situation and Prospects 2002“ ist erhältlich beim UNO-Verlag in Bonn und im Palais des Nations, CH-1211 Genf 10, Schweiz, Tel. 00 41 22 917 2614, Fax 00 41 22 917 0027, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. , Internet: http://www.un.org/publications.

 

Wachstum der Weltproduktion und des Handels, 1999-2002
(jährliche prozentuale Veränderung)

1999
2000
2001 a
2002 b
Weltproduktion
2.9
4.0
1.3

davon:

       
Industrieländer
2.7
3.5
0.9
¾

davon:

       

USA

4.0
4.1
1.0

Japan

0.7
2.4
-0.7
-1¼

EU-15

2.4
3.4
1.6
Schwellenländer
3.0
6.0
4.3

davon:

       

Mittel- und Osteuropa

1.4
3.9
2.8
3

Baltische Staaten

-1.7
5.4
5.1
4

Commonwealth

4.7
7.9
5.5
Entwicklungsländer
3.5
5.8
2.3

davon:

       

Lateinamerika und die Karibik

0.4
3.9
0.5

Afrika

2.9
3.4
3.3

Westasien

0.7
6.3
0.8

Ost- und Südasien

6.3
7.2
3.5
5

davon:

       

Ostasien c

5.9
7.3
0.9

Südasien

5.9
5.7
4.6
Welthandel
5.2
11.4
0.8
3
Quelle: UN/DESA
a Teils geschätzt
b Prognosen
c Mit Ausnahme von China

 

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