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Generalsekretär Kofi A. Annan: Vereinte Nationen unterstützen Afghanistan mit aller Kraft, um neuen Anfang zu finden

UNIC/434

Rede des Generalsekretärs bei der Entgegennahme des Fulbright-Preises 2001

WASHINGTON, D.C., 3. Dezember 2001 - UNO-Generalsekretär Kofi Annan hat bei der Entgegennahme des William J. Fulbright Preises 2001 für Internationale Verständigung folgende Rede gehalten:

Ich fühle mich tief geehrt durch die Verleihung des Fulbright-Preises 2001 für Internationale Verständigung. Ich freue mich besonders darüber, dass dieser Preis den Namen von William Fulbright trägt, eines Staatsmanns mit großem Weitblick und einer der Gründungsväter der Vereinten Nationen, und wir freuen uns alle, dass Frau Fulbright heute unter uns ist. Sein Glaube an die Werte der Charta der Vereinten Nationen und sein Engagement für die Sicherung des Friedens durch Zusammenarbeit inspirieren uns auch heute noch. Das Fulbright-Austauschprogramm ist ein leuchtendes Beispiel für die Art des Dialoges zwischen den Kulturen, den die Vereinten Nationen in aller Welt fördern.

Internationale Verständigung ist heute für den Weltfrieden vielleicht mehr denn je erforderlich - Verständigung zwischen den Religionsgemeinschaften, zwischen Nationen und Kulturen. Wir wissen heute, dass keine Nation vor Konflikten oder Leid gefeit ist, ebenso wie sich kein Land allein dagegen verteidigen kann. Wir brauchen einander - als Freunde, als Verbündete, als Partner - in unserem Kampf um die Bewahrung gemeinsamer Werte und die Erfüllung unserer gemeinsamen Bedürfnisse.

Die Vereinten Nationen - und das wäre ihre beste Rolle - können die wahre Plattform für den Dialog zwischen den Kulturen bilden, das Forum, in dem dieser Dialog gedeihen und echte Verständigung fördern kann. Ohne diesen jeden Tag zwischen allen Nationen- sowohl innerhalb als auch zwischen den Kulturen und Gruppen - stattfindenden Dialog werden wir die Wunden des 11. September nicht heilen können.

Diese Lehre ziehen wir in allen Teilen der Welt, nirgendwo aber so deutlich wie heute in Afghanistan, einem Land, das von jahrzehntelangem Krieg, Dürre und politischer Unterdrückung aufgrund ethnischer und anderer Meinungsverschiedenheiten heimgesucht wurde.

Wir mussten aus schmerzlicher Erfahrung lernen, dass autoritäre, sehr stark auf Personen zugeschnittene Regierungsformen, ethnische Diskriminierung und Menschenrechtsverletzungen oft die eigentlichen Ursachen der Konflikte in diesem Land waren. Umgekehrt haben wir auch erfahren, dass nur demokratisches Regieren, der Schutz von Minderheiten, die Förderung des politischen Pluralismus und die Aufrechterhaltung der Rechtsstaatlichkeit interne Meinungsver-schiedenheiten friedlich beilegen und damit jene Art von Bürgerkrieg abwehren können, die unter der Bevölkerung Afghanistans im letzten Vierteljahrhundert so schreckliche Verluste gefordert hat.

Die abscheulichen Terroranschläge vom 11. September gegen dieses Land haben die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf die Tatsache gelenkt, dass ein zusammengebrochener und hilfloser Staat, wie Afghanistan, einen fruchtbaren Boden für bewaffnete Gruppen bildet, um von dort aus unaussprechliche Terrorakte in dem Land selbst wie im Ausland zu planen und vorzubereiten. Auch eine andere Tatsache wurde deutlich: nämlich dass die Antwort auf solche Gewalttaten und auf die Ursachen der Klagen, die als Entschuldigung für solche Anschläge herhalten sollen, nur mehr und nicht weniger Demokratie, mehr und nicht weniger Freiheit, mehr und nicht weniger Entwicklungshilfe, mehr und nicht weniger Solidarität mit den Armen und Besitzlosen unserer Welt sein kann.

Die Vereinten Nationen unterstützen Afghanistan mit aller Kraft, um einen neuen Anfang zu finden. Zu aller erst müssen wir alles tun, um die humanitären Bedürfnisse des afghanischen Volkes zu decken. Der Winter ist bereits angebrochen und wir müssen so viel wie möglich der bis zu 7,5 Millionen notleidende Afghanen mit Nahrung und Unterkünften versorgen.

Neben dieser vordringlichsten Aufgabe führt, wie Sie wissen, mein Sonderbeauftragter Lahkdar Brahimi Gespräche in Bonn, um ein grundlegendes Einvernehmen über die Bildung einer Interimsverwaltung zu erzielen, die von allen Afghanen akzeptiert wird und die allen Afghanen rechenschaftspflichtig ist. Wenn alle afghanischen Parteien, sowie deren Nachbarn und die internationale Staatengemeinschaft insgesamt ihre volle Unterstützung geben, dann besteht jetzt eine reale Chance, eine auf breiter Basis gegründete, voll repräsentative Regierung zu bilden, zu deren Schaffung die Vereinten Nationen dem afghanischen Volk schon so lange helfen wollten. Ein stabiles Afghanistan, das in Frieden leben, die Rechte seiner Bevölkerung schützen, seinen internationalen Verpflichtungen nachkommen, den Terroristen sicheren Unterschlupf verwehren kann, keine Bedrohung für seine Nachbarn darstellt und deren Achtung und Unterstützung genießt: das muss unser gemeinsames Ziel sein.

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen alle Vorkehrungen dem Willen, den Bedürfnisse und den Interessen des afghanischen Volkes entsprechen und von diesem voll unterstützt werden.

Afghanistan ist nur eine von vielen Konfliktzonen in unserer Welt, die unsere Aufmerksamkeit und Sorge, unseren leidenschaftlichen Einsatz und unsere Solidarität verdienen. Wir müssen auch daran denken, dass die wichtigsten Herausforderungen, denen sich die internationale Gemeinschaft am 10. September dieses Jahres gegenübersah, nach wie vor bestehen - ob es sich dabei um die verheerenden Auswirkungen von Aids handelt, oder um die anhaltende Armut, die Milliarden unserer Mitmenschen, Männern, Frauen und Kinder, heimsucht, oder um die Verschlechterung unserer Umwelt, die alle Völker und alle Staaten bedroht.

Entscheidend für eine wirklich wirksame und dauerhafte Bewältigung all dieser Probleme ist, dass wir die Bande besser verstehen, die die gesamte Menschheit über alle Grenzen hinweg umschließen. Die Fulbright-Gesellschaft hat einen unerhört wichtigen Beitrag für das zur Erhaltung und Vertiefung dieser Solidarität erforderliche Wissen und deren Würdigung geleistet. Ich danke Ihnen für diesen Beitrag und wünsche Ihnen für die Zukunft allen nur denkbaren Erfolg.

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