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UNO-Generalsekretär Kofi Annan: Dauerhafter Frieden in Afghanistan erfordert nachhaltiges Engagement des Sicherheitsrates

UNIC/419

NEW YORK, 13. November 2001 - UNO-Generalsekretär Kofi Annan hat zu Beginn einer offenen Sitzung des Sicherheitsrates zu Afghanistan folgende Erklärung abgegeben:

Erlauben Sie mir zunächst auf die Anwesenheit des deutschen Bundespräsidenten Johannes Rau und seiner Gattin zu verweisen. Ich messe Ihrer Teilnahme an dieser Diskussion große Bedeutung bei.

Diese offene Sitzung des Sicherheitsrates könnte zu keinem geeigneteren Zeitpunkt stattfinden - nicht nur wegen der dramatischen Ereignisse, die sich in den letzten 24 Stunden vor Ort abgespielt haben. Afghanistan ist für die Vereinten Nationen eine der größten Herausforderungen. Diese Herausforderung ist jetzt vielleicht in ihr akutestes Stadium getreten. Die internationale Gemeinschaft muss bereit sein, auf diese Herausforderung zu reagieren.

Vor allem wird das nachhaltige Engagement des Sicherheitsrates erforderlich sein, wenn wir Afghanistan auf den Weg zu einem stabilen und dauerhaften Frieden bringen und etwas gegen die große humanitäre Not des afghanischen Volkes unternehmen wollen.

Die Vereinten Nationen befassen sich seit vielen Jahren mit dem Los der afghanischen Bevölkerung. Die Terroranschläge auf die Vereinigten Staaten vom 11. September und die anschließende Militäraktion in Afghanistan haben ein neues Umfeld geschaffen, das die Vereinten Nationen vor gigantischen Herausforderungen aber auch vor neue Chancen stellt.

Zuallererst müssen wir alles in unseren Kräften Stehende tun, um den humanitären Bedürfnissen der afghanischen Bevölkerung Rechnung zu tragen, die bereits seit Jahrzehnten unter natürlichen wie von Menschen geschaffenen Katastrophen wie Konflikten, Unterdrückung, Dürre und Hungernöten leiden. Der Winter steht vor der Tür und wir müssen so vielen gefährdeten und leidenden Menschen wie möglich Nahrung und Unterkünfte verschaffen. Als nächstes müssen wir uns angesichts der raschen Entwicklung der Ereignisse vor Ort mit den Herausforderungen der Nach-Taliban-Periode befassen. Dazu besteht dringender Handlungsbedarf, um ein politisches oder Sicherheitsvakuum zu vermeiden.

Den Maßnahmen der internationalen Gemeinschaft, die zur Gewährleistung eines stabilen Klimas und damit für die Schaffung der Voraussetzungen für einen dauerhaften Frieden erforderlich sind, muss jetzt entsprechender Vorrang eingeräumt werden.

Wie dem Rat bekannt ist, ist Lakhdar Brahimi gerade aus Pakistan, Iran und Saudi-Arabien zurückgekehrt. Ich bin sicher, dass er mit Ihrer aktiven Unterstützung bei seinen intensiven Bemühungen zur Unterstützung von Übergangsvorkehrungen und damit zur Schaffung der Grundlagen für eine friedliche und stabile Zukunft Afghanistans Fortschritte erzielen wird.

Wenn sich alle afghanischen Parteien, sowie die Nachbarstaaten und die internationale Gemeinschaft, voll dafür einsetzen, dann besteht jetzt eine echte Chance eine umfassend repräsentative, auf breiter Basis gegründete Regierung zu errichten, um die sich die Vereinten Nationen schon lange bemühen und bei deren Schaffung sie dem afghanischen Volk seit vielen Jahren helfen wollen. Ein stabiles Afghanistan, das in Frieden lebt, seinen internationalen Verpflichtungen nachkommt und keine Gefahr für seine Nachbarn darstellt - das muss unser gemeinsames Ziel sein. Um dieses Ziel zu verwirklichen, müssen alle Vorkehrungen, auf die man sich jetzt einigt, dem Willen, den Bedürfnissen und den Interessen des afghanischen Volkes entsprechen und von diesem voll unterstützt werden. Dazu muss jegliche Einmischung der Nachbarstaaten in die Angelegenheiten Afghanistans aufhören. Solange dies nicht geschieht - und zwar wirklich und nicht nur rhetorisch - können wir kaum auf dauerhafte Stabilität in Afghanistan hoffen.

Zum Abschluss möchte ich die Aufmerksamkeit des Sicherheitsrates auf den unmittelbaren Hilfsbedarf von mehr als sechs Millionen Menschen innerhalb Afghanistans lenken, die sowohl von dem Konflikt als auch von der Naturkatastrophe betroffen sind.

In den letzten beiden Wochen haben Hilfswerke der Vereinten Nationen und Nichtregierungsorganisationen die Lieferung und Verteilung von Lebensmitteln und anderer humanitärer Hilfe über die Grenze hinweg wesentlich beschleunigt. Erstmals seit dem 11. September konnten wir unsere wöchentlichen Hilfslieferungsziele erreichen oder sogar übertreffen. Ich möchte unseren Kollegen vor Ort für ihre außerordentlichen Anstrengungen danken, vor allem jenen Hunderten Afghanen, die mit größtem Einsatz und unter schwierigsten Umständen innerhalb Afghanistans tätig sind.

Viele Gegenden sind aber nach wie vor unzugänglich, was die Verteilung besonders erschwert, vor allem im Norden. Diese Gebiete sind dazu noch besonders gefährdet. Wenn wir dort in den kommenden Monaten eine humanitäre Katastrophe verhindern wollen, müssen wir alle Anstrengungen unternehmen, um logistische Herausforderungen, wie etwa die Erreichung der durch Schneemassen abgeschnittenen Gebiete, zu bewältigen.

Wollen wir nicht vergessen, dass unsere Hilfsbemühungen nur nach einem einzigen Grundsatz ausgerichtet sein dürfen: jenen zu helfen, die in besonderer Not sind. Genauso gigantisch wie diese Not, sind die Hindernisse aufgrund der unsicheren Lage.
Egal wie sich die militärische oder politische Lage entwickelt, wir müssen die Zustimmung und die Zusammenarbeit aller Parteien vor Ort gewinnen, um die Menschen in Not zu erreichen. Wir müssen innovative Wege finden, um Sicherheitsmaßnahmen für eine Übergangszeit zu ergreifen, bis ein nachhaltiger politischer Prozess vor Ort Platz greift.

Die afghanische Bevölkerung erwartet von der internationalen Gemeinschaft und vom Sicherheitsrat die Schaffung von Bedingungen, unter denen sie zu guter letzt eine umfassend repräsentative Regierung erhält, die ihre Menschenrechte schützt und freundschaftliche Beziehungen zu ihren Nachbarn gewährleistet. Das sind wir dieser Bevölkerung schuldig; wir dürfen sie nicht enttäuschen.

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