Samstag, 25 November 2017
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Die Wahlen in Osttimor stehen bevor

UNIC/375

In einer Woche, am 30. August 2001, wird die Bevölkerung von Osttimor zum ersten Mal frei wählen können. Journalisten aus allen Teilen der Welt versammeln sich in der Hauptstadt Dili, um von diesem historischen Ereignis zu berichten.

Die Wahlen zur konstituierenden Versammlung werden, so Sergio Vieira de Mello, Chef der UNO-Übergangsverwaltung in Osttimor, “der Grundstein für ein unabhängiges und demokratisches Osttimor sein“. Die Versammlung wird am 15. September 2001 vereidigt werden und soll inner-halb von 90 Tagen eine Verfassung ausarbeiten und beschließen. Die Versammlung wird entscheiden, welche Form von politischem System Osttimor erhalten wird und wird sich dann in das Parlament des neusten Staates dieser Welt verwandeln.

Danach könnte zu Beginn des nächsten Jahres eine Präsidentschaftswahl folgen, für die der Führer der Unabhängigkeitsbewegung Xanana Gusmão - Osttimors Nelson Mandela - momentan der aussichtsreichste Kandidat ist.

Osttimor hat einen weiten Weg zurückgelegt seit den tragischen Ereignissen im Jahr 1999. Mit Hilfe der UNO und der internationalen Gemeinschaft gelang es, das Land langsam wieder aufzubauen.

Hintergrundinformation

Der Frieden, der derzeit in Osttimor herrscht, steht im scharfen Gegensatz zu der blutigen Geschichte des Landes im letzten Vierteljahrhundert. Osttimor, eine ehemalige portugiesische Kolonie, wurde 1975 von Indonesien annektiert. Während der folgenden Befreiungskämpfe haben in 24 Jahren mehr als 100.000 Menschen ihr Leben verloren.

Der Beginn des Endes der Leidensgeschichte Osttimors war das von der UNO unterstützte Unabhängigkeitsreferendum am 30. August 1999, in welchem sich eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung für die Unabhängigkeit Osttimors aussprach. Doch brachte das Referendum vorerst noch nicht ein Ende der Unterdrückung. Pro-indonesische Gruppierungen, unterstützt durch indonesisches Militär, starteten eine Terrorkampagne gegen die Befürworter eines unabhängigen Osttimor.

Mehr als 2.000 Timoresen wurden bei den folgenden Ausschreitungen getötet. Einen Monat nach dem Pogrom konnte die Übergangsverwaltung der Vereinten Nationen in Osttimor (UNTAET) etabliert werden. Sie hatte die Aufgabe, eine Nation aufzubauen. Eine Regierung und Institutionen bis hin zu eigenständiger Währung und Staatsflagge mussten innerhalb kürzester Zeit geschaffen werden - eine Aufgabe, wie sie die Vereinten Nationen in ihrer Geschichte noch nicht zu bewältigen hatte.

Nach zwei Jahren haben die Vereinten Nationen nun ihre Aufgabe beendet. Am 30. August 2001 wird Osttimor in den ersten demokratischen Wahlen in der Geschichte des Landes eine konstituierende Versammlung wählen. Sechzehn politische Parteien und unzählige unabhängige Kandidaten haben ein nationales Abkommen unterzeichnet, das korrektes politisches Verhalten während der Wahlen und danach festschreiben will. Der Pakt soll vor allem politische Gewalt verhindern. Für die meisten Timoresen - mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist jünger als 25 Jahre - war politische Gewalt ein beständiger Teil ihres Lebens.

Die Unterzeichnung eines Vertrages zwischen Osttimor und Australien im Juli dieses Jahres, der die Aufteilung der Einnahmen aus den Öl- und Gasvorhaben in der Timorsee regelt, zählt zu den großen Leistungen der UNO-Verwaltung. Der Vertrag sieht vor, dass Osttimor 90 Prozent der Einnahmen aus der Förderung erhält. Dieser Vertrag ersetzt ein älteres Abkommen zwischen Australien und Indonesien, welches die Einnahmen zu gleichen Teilen aufgeteilt hat. Diese “Öl- und Gas-Bonanza“, die in den nächsten zwanzig Jahren zwischen 4 und 5 Milliarden Dollar einbringen wird, kann genutzt werden, um die verarmte Region nachhaltig zu entwickeln.

Innerhalb der letzten zwanzig Monate seit Beginn der UNO-Mission in Osttimor hat sich das Land wie ein Phönix aus der Asche erhoben. Seit Oktober 1999 haben die UNO-Blauhelme erfolgreich jede militärische Bedrohung beseitigt und der Nation ein Gefühl von Sicherheit gegeben, wie sie es seit Jahrzehnten nicht gekannt hat. Nun gibt es in den meisten Teilen des Landes Fliesswasser und Elektrizität, ausgebrannte Häuser ohne Dächer sind zur Seltenheit geworden und mehr als 180.000 Osttimoresen sind aus freiwilligem Exil wieder in ihre Heimat zurückgekehrt.

In einem dreimonatigen Projekt wurde die gesamte Bevölkerung für die ersten allgemeinen Wahlen registriert. Eine 850 Mann starke Polizeitruppe wurde ausgebildet und im Land stationiert. Andere notwendige Einrichtungen für Gesundheitsversorgung, Erziehung, und Justiz wurden geschaffen.

“Selbst die schärfsten Kritiker müssen erstaunt sein, was die Vereinten Nationen geleistet haben. Aus Schutt und Asche, die UNTAET zu Beginn vorfand, hat sie gemeinsam mit der Bevölkerung einen funktionierenden Staat geschaffen“, sagt UNTAET-Chef Vieira de Mello.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Barbara Reis,
UNTAET-Pressesprecherin
Tel: +61-8-8946-3900 (DW6267)
Mobiltelefon: + 61-407-398-430
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
oder an
Captain Jeff Squire
Sprecher der UNO-Friedenstruppen
Tel.: +61-418-823 096
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Deutsche Übersetzung: Informationsdienst der Vereinten Nationen, Wien

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