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Generalsekretär Kofi A. Annan: Partnerschaft, Solidarität und Führungsstärke im Kampf gegen HIV/Aids mobilisieren

UNIC/367

Rede vor dem G-8 Gipfeltreffen in Genua, 20. Juli 2001

GENUA, 20. Juli 2001 - UNO-Generalsekretär Kofi Annan hat heute vor dem Gipfeltreffen der G-8 in Genua folgende Rede gehalten:

Ich danke Ihnen, Herr Ministerpräsident, für die außergewöhnliche Unterstützung beim weltweiten Kampf gegen Aids. Wenn wir den Kampf gegen diese Krankheit gewinnen wollen, sind Engagement und Mittel der G8-Staaten unverzichtbar. Durch Ihre kraftvolle und energische Teilnahme an diesem Kampf haben Sie den Begriffen Führungsstärke und Solidarität im 21. Jahrhundert neue Bedeutung verliehen. Dafür sage ich Ihnen meinen aufrichtigen Dank. Bei unseren Bemühungen gibt es keinen Unterschied zwischen „uns“ und „ihnen“, zwischen Entwicklungsländern und Industriestaaten, zwischen arm und reich. Es gibt nur einen gemeinsamen Feind, der keine Grenzen kennt und alle Völker bedroht.

Unser heutiges Treffen bildet den Höhepunkt einer jahrelangen Kampagne der Aufklärung, des Engagements und der Mobilisierung gegen Aids. Zum ersten Mal erleben wir eine Reaktion auf diese tödliche Krankheit, die auch der Größenordnung dieser Epidemie entspricht. Regierungen, internationale Organisationen, die Privatwirtschaft und die Zivilgesellschaft unternehmen beispiellose Anstrengungen, um eine Krankheit zu bekämpfen, mit der sich bisher annähernd 36 Millionen Menschen infiziert haben und an der schon 22 Millionen Menschen gestorben sind. Beim Gipfel in Abuja im April zeigten die Staatsoberhäupter Afrikas nochmals ihr Verantwortungsbewusstsein im Kampf gegen Aids. Auch bei der Sondertagung der Generalversammlung der Vereinten Nationen im Juni kamen Vertreter aus aller Welt zusammen, um gemeinsame Ziele für die Eindämmung von Aids zu setzen und die Folgen der Krankheit zu lindern.

Unsere Prioritäten sind klar: Erstens müssen wir sicherstellen, dass alle Menschen - besonders Jugendliche - wissen, wie sie sich gegen Aids schützen können. Zweitens müssen wir die wahrscheinlich tragischste Übertragungsmöglichkeit des HI-Virus eindämmen - die Übertragung von der Mutter auf ihr Kind. Drittens müssen wir ausreichende Behandlungsmöglichkeiten für alle Infizierten sicherstellen. Viertens müssen wir die Forschung nach einem Impfstoff und neuen Behandlungsmöglichkeiten deutlich beschleunigen. Und fünftens müssen wir für alle sorgen, deren Leben durch Aids zerstört worden ist, vor allem für die 13 Millionen Aids-Waisen, deren Zahl weiter wächst.

Der Kampf gegen Aids kann ohne die notwendigen finanziellen Mittel nicht gewonnen werden. Wir benötigen zusätzlich etwa sieben bis zehn Milliarden Dollar pro Jahr, um die Krankheit weltweit bekämpfen zu können. Ein Teil dieses Geldes wird aus erhöhten Haushaltsetats vieler Länder kommen. Auch viele afrikanische Staaten nehmen die Herausforderung ernst und wollen ihre Mittel für das Gesundheitswesen deutlich aufstocken. Das ist lobenswert, aber es ist nicht genug.

Die afrikanischen Staaten und andere Entwicklungsländer werden umfangreiche Unterstützung benötigen, um die Nöte der Bevölkerung zu lindern. Deshalb hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen die Einrichtung des globalen Aids- und Gesundheitsfonds beschlossen. Alle Beteiligten sind sich einig, dass der Fonds Ende des Jahres in Kraft treten soll. Bisher haben Regierungen, Stiftungen, Unternehmen und Bürger mehr als eine Milliarde Dollar eingezahlt. Das ist ein sehr guter Anfang, aber es bleibt noch viel zu tun. Ich rufe deshalb alle Regierungen, zivilgesellschaftliche Einrichtungen, Stiftungen und Bürger auf, das ihnen Mögliche im Kampf gegen Aids zu unternehmen.

Ich sehe die Beiträge, die ihre Regierungen geleistet haben, als ein Zeichen ihrer Entschlossenheit, die Millenniumserklärung umzusetzen, die bei den Vereinten Nationen im letzten Jahr verabschiedet wurde. Lassen Sie mich die drei wichtigsten Verpflichtungen, die in der Erklärung enthalten sind, noch einmal in Erinnerung rufen: Sie haben versprochen, bis zum Jahr 2015 die weitere Verbreitung von HIV/Aids einzudämmen und eine Umkehr zu erreichen, bis zum selben Zeitpunkt die Zahl der Menschen, die in extremer Armut leben, zu halbieren und keine Anstrengungen zu scheuen, um die Menschheit „von der Gefahr zu befreien, auf einem Planeten leben zu müssen, der durch menschliche Aktivitäten unabwendbar zerstört worden ist.“

Die Verbreitung von Aids hat ein Ausmaß und eine Dringlichkeit erreicht, die weltweit außergewöhnliche Reaktionen hervorgerufen hat, die auf Partnerschaft, Solidarität und aufgeklärter Führungsstärke beruhen. Wir dürfen nie vergessen, dass Aids zwar Reiche wie Arme gefährdet, aber dass die Armen für eine Infektion deutlich anfälliger sind und mit der Krankheit auch wesentlich schlechter umgehen können. Ihre heute zum Ausdruck gebrachte Führungsstärke und Ihr Engagement wird Tausenden von Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten, Lehrern und Gemeindevertretern, aber auch Millionen Betroffenen neue Kraft und Motivation verleihen, um diese Krankheit in den ärmsten Teilen dieser Welt zu bekämpfen. Sie alle können nun sicher sein, dass die Weltgemeinschaft jetzt endlich den erforderlichen Willen - und die notwendigen Mittel - aufbringen wird, um diesen Kampf für die gesamte Menschheit zu gewinnen.

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