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Sondertagung der UNO-Generalversammlung zur Überprüfung und Bewertung der Habitat-Agenda: 6.- 8. Juni, New York

UNIC/354

NEW YORK, 4. Juni 2001 - Fünf Jahre nach der Zweiten Konferenz der Vereinten Nationen über Wohn- und Siedlungsfragen (Habitat II) in Istanbul tritt die Generalversammlung der Vereinten Nationen vom 6. bis 8. Juni vor dem Hintergrund eines rasanten Verstädterungsprozesses zu einer Sondertagung zur Überprüfung der seit Istanbul erzielten Fortschritte zusammen.

Nach Schätzungen des UNO-Zentrums für Wohn- und Siedlungsfragen (Habitat) werden im Jahr 2030 mehr als 60 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben. Der Großteil der neuen Stadtbewohner wird in den Entwicklungsländern zu finden sein, wo bereits eine Milliarde Städter unter lebens- und gesundheitsbedrohlichen Bedingungen wohnen.

Die 25. Sondertagung der Generalversammlung will die seit 1996 erzielten Fortschritte wie die Hindernisse bei der Umsetzung der Habitat-Agenda diskutieren. Außerdem sollen Strategien erörtert werden, um größtmöglichen Nutzen aus der Urbanisierung zu erzielen und gleichzeitig die Nachteile zu vermeiden, die mit der rapiden Entwicklung der Verstädterung einhergehen und große Teile der Bevölkerung weitgehend an den Rand der Gesellschaft drängen.

Die Tagesordnung wurde von der Kommission für Wohn- und Siedlungsfragen ausgearbeitet. Generalsekretär Kofi Annan und der Präsident der Generalversammlung Harri Holkeri werden die Sondertagung „Istanbul + 5“ am 6. Juni eröffnen. Sechs Plenarsitzungen sind für die Generaldebatte und die Verabschiedung einer Schlusserklärung vorgesehen. Ein Themenausschuss wird gleichzeitig Wege zu neuen Partnerschaften bei der Umsetzung der Habitat-Agenda auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene prüfen. Zu den weiteren Parallelveranstaltungen gehört ein von der Weltbank, Habitat und der Stiftung Urbane Umwelt durchgeführtes Podiumsgespräch über „Städte im Wandel: Auf dem Weg zu einer nachhaltigen städtischen Entwicklung“, sowie eine Veranstaltung für Jugendliche und andere Sonderveranstaltungen zum Thema „Wasser für afrikanische Städte“, „Städte ernähren“ und „Städte sicher machen“.

Grundlage der umfassenden Analyse ist ein Bericht über die Umsetzung der Agenda, der auf nationalen Berichten aus mehr als 80 Ländern basiert. Er befasst sich mit den sechs Hauptthemen Wohnraum, soziale Entwicklung und Armutsbekämpfung, Umweltmanagement, wirtschaftliche Entwicklung, Stadtverwaltung und internationale Zusammenarbeit. Aufgezeigt wird auch, dass die Globalisierung zu einer Zunahme von städtischer Armut und zur Verschärfung der Wohn- und Siedlungsprobleme in den Dörfern und Städten geführt hat.

Jüngste Fortschritte seien in vielen Regionen auch entscheidend durch die Zunahme von Naturkatastrophen sowie von Kriegen und Konflikten erschwert worden, heisst es weiter in dem Bericht. Außerdem habe das internationale Engagement im Bereich des Wohn- und Siedlungswesens nachgelassen. Der Bericht unterstreicht daher, dass weitreichende Dezentralisierungen und die Stärkung lokaler Behörden dringend notwendig sind und ruft zur Bereitstellung zusätzlicher Finanzmittel auf.

Der Generalversammlung liegt ein „Deklarationsentwurf zu Städten und anderen Siedlungsformen im neuen Millennium“ vor. Darin geht es um die Erneuerung der Habitat II Verpflichtungen, die Anerkennung des Fortschritts bei der Umsetzung der Habitat-Agenda, aber auch um Versäumnisse und Hindernisse, sowie um weitere Maßnahmen, die ergriffen werden müssen.

Als Grundlage der Beratungen dient der Bericht „Überprüfung und Beurteilung des bei der Umsetzung der Habitat-Agenda erzielten Fortschritts“. Er enthält Informationen über die Umsetzung der beiden Hauptziele der Agenda: angemessene Unterkünfte für alle Menschen zu schaffen sowie eine nachhaltige Entwicklung des Wohn- und Siedlungswesens zu fördern. Der 64 Seiten starke Bericht gliedert sich in folgende Abschnitte: Globalisierung und Urbanisierung; regionale Ausblicke und Richtlinien; Überwindung gemeinsamer Hindernisse; neue Prioritäten; neue Partner; und internationale Zusammenarbeit.

Globalisierung und Urbanisierung

Das neue Jahrtausend bringt den Beginn des städtischen Zeitalters, heisst es in dem Bericht. Zum ersten Mal wird die Mehrheit der Weltbevölkerung in städtischen Ballungszentren leben. In den Industriestaaten lebt die Bevölkerung bereits größtenteils in Städten, in den Entwicklungsländern ist die zunehmende Verstädterung gerade im Gange. 40 Prozent der Menschen in den Entwicklungsländern leben derzeit in Städten. Bis zum Jahr 2020 wird dieser Anteil auf 52 Prozent steigen. In vielen Ländern Lateinamerikas und der Karibik gehören schon 75 Prozent ihrer Einwohner zur Stadtbevölkerung. In Afrika und Asien liegt der Anteil der städtischen Bevölkerung erst bei einem Drittel. Hier werden dramatische demographische Veränderungen erwartet. Bis zum Jahr 2015 werden 153 der 358 Millionenstädte der Welt in Asien liegen. Von den 27 Megastädten mit mehr als 10 Millionen Einwohnern werden 15 in Asien sein. Es wird dann Megastädte mit 20 oder 30 Millionen Einwohnern geben.

Die Zukunft der Städte in den Entwicklungsländern sieht düster aus, wenn man ihnen erlaubt, in der bisherigen unstrukturierten und instabilen Weise weiter zu wuchern wie bisher. Auch die Industriestaaten werden vor großen Problemen stehen, wie dem Verfall von Gebäuden, überalterten Bevölkerungsstrukturen und der wachsenden Kluft zwischen bildungsstarken Eliten und städtischer Bevölkerungsgruppen mit unzureichender Schulbildung. All diese Probleme erfordern neue Ansätze der städtischen Verwaltung, die möglichst viele Bevölkerungsgruppen in ihre politischen Entscheidungen mit einbindet - eine gewaltige Herausforderung an zentrale Regierungen und lokale Verwaltungen.

An positiven Entwicklungen nennt der Bericht die wachsende Vernetzung zwischen den Städten, die zunehmende Demokratisierung ihrer Verwaltungen und vielversprechende Partnerschaften zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor sowie der Zivilgesellschaft. Auch das Bewusststein für die Wünsche und Rechte der Frauen, die Unteilbarkeit der Menschenrechte, die notwendige Partizipation der Bevölkerung am öffentlichen Geschehen und den dringenden Handlungsbedarf in sozialen, wirtschaftlichen und Umweltfragen nimmt zu. Um dem seit Habitat II entstandenen Phänomen der Globalisierung Rechnung zu tragen, müssen die Regierungen und ihre Partner dem untragbaren gegenwärtigen Kurs der globalen städtischen Umweltentwicklung gegensteuern. Die von den Weltkonferenzen der 90er Jahre festgelegten Ziele müssen dabei die vordringlichste Entwicklungsagenda der internationalen Gemeinschaft bleiben.

Neue Prioritäten

Der Bericht nennt fünf prioritäre Aufgabenbereiche, in denen ein neuerliches Engagement der internationalen Staatengemeinschaft erforderlich ist: städtische Verwaltung, das Recht auf Unterkunft, städtische Grundversorgung, urbane Sicherheit und nachhaltige Stadtentwicklung.

Die Umsetzung der Habitat-Agenda wird auch als wesentlicher Bestandteil des weltweiten Kampfes gegen die Armut und die Entwicklung des menschlichen Siedlungswesens als entscheidender Faktor der nachhaltigen Entwicklung gesehen. Auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg sollen sich die Delegierten 2002 um bessere nachhaltige Umweltplanung und Managementpraktiken bemühen und sich für nachhaltige Produktions- und Konsumverhaltensformen in den städtischen Ballungszentren in allen Ländern der Welt, vor allem aber in den Industriestaaten, einsetzen. Den Bürgermeistern und Stadtverwaltungen wird als engste Partner der Regierungen bei der Umsetzung der Habitat-Agenda und der Verwirklichung einer nachhaltigen Stadtentwicklung eine besondere Rolle zuerkannt. Der Bericht nennt auch viele neue Initiativen, die seit der Konferenz von Istanbul gesetzt wurden.

Auf dem Gebiet der internationalen Zusammenarbeit befasst sich der Bericht mit den politischen Prioritäten im UNO-System; der Urbanisierung, die als globales Problem auch einer globalen Antwort bedarf; den Möglichkeiten einer koordinierten internationalen Zusammenarbeit und der Fortführung der Arbeiten auf der Grundlage der Ergebnisse der Tagung des Wirtschafts- und Sozialrates im Juli 2000.

Ein Lagebericht über die Fortschritte der Städte-Allianz, einem 1999 von Habitat und der Weltbank ins Leben gerufenem Projekt zur Beseitigung städtischer Armut ergänzt die vorliegenden Konferenzunterlagen. Die beiden Schwerpunkte dieses Projektes liegen auf dem Gebiet der Stadtentwicklungsstrategien und der städtischen und landesweiten Slumbeseitigung zur Verbesserung der Lebensbedingungen von über 100 Millionen Slumbewohnern bis zum Jahr 2020.

Hintergrund

Mit Sitz in Nairobi, fördert das UNO-Zentrum für Wohn- und Siedlungsfragen (Habitat) die nachhaltige Stadtentwicklung durch Politikberatung, Aufbau von Kapazitäten, Wissensvermittlung und die Stärkung von Partnerschaften zwischen Regierungen und der Zivilgesellschaft.

1996 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen das Zentrum mit der Umsetzung der Habitat-Agenda, dem von der zweiten Konferenz der Vereinten Nationen über Wohn- und Siedlungsfragen verabschiedeten Aktionsplan betraut. Das 1978 geschaffene Zentrum übernimmt die Koordination der verschiedenen Aktivitäten der UNO-Organisation auf dem Gebiet der Stadtentwicklung und stellt dabei auf folgende vorrangige Gebiete ab: Unterkünfte und soziale Dienste; Stadtverwaltung; Umwelt und Infrastruktur; und Bewertung, Überwachung und Information. Habitat unterstützt und arbeitet in Partnerschaft mit Regierungen, Stadtverwaltungen, Nichtregierungsorganisationen und dem Privatsektor. Das politische Richtlinienorgan des Zentrums ist die 58 Mitglieder zählende Kommission für Wohn- und Siedlungsfragen, die alle zwei Jahre zusammentritt.

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Weitere Informationen zur Sondertagung der Generalversammlung finden Sie im Internet unter http://www.unchs.org/Istanbul+5

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