Montag, 20 November 2017
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Dritte Konferenz über die am wenigsten entwickelten Länder (LDC-III)

UNIC/348

UNO-Konferenz berät über Schicksal der ärmsten Länder
Brüssel, 14. - 20. Mai 2001

Die wirtschaftliche Isolierung und die extreme Armut der 49 am wenigsten entwickelten Länder (LDC) steht im Mittelpunkt einer Konferenz der Vereinten Nationen, die vom 14.-20. Mai in Brüssel stattfindet und zu der politische Entscheidungsträger aus der ganzen Welt zusammenkommen werden.

Maßnahmen zur Armutsminderung in den LDCs sind dringend nötig. Mehr als die Hälfte der Menschen in diesen Ländern muss mit weniger als einem Dollar pro Tag ihr Leben fristen. 43% der Bevölkerung haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, 50% können nicht lesen und schreiben. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 51 Jahren.

In einer Welt, in der Handel und Investitionen in einem noch nie dagewesenen Ausmaß blühen, sind die LDCs einfach vom Geschehen der globalen Wirtschaft abgeschnitten. Der Entwicklungsboom der 60er und 70er Jahre, von dem viele Länder in Asien und Lateinamerika eindrucksvoll profitiert haben, hat die LDCs nicht erreicht. Trotz des weltweiten Engagements zur Armutsbekämpfung in den letzten Jahrzehnten nimmt die Anzahl der in äußerster Armut lebenden Länder ständig zu. In den letzten 30 Jahren hat sich die Zahl der LDCs von 25 auf 49 fast verdoppelt.

„Die Einwohner der am wenigsten entwickelten Länder der Welt müssen Tag für Tag einen Kampf gegen bittere Armut führen“, sagte UNO-Generalsekretär Kofi Annan. „Sie werden zunehmend von der Globalisierung und dem vielfältigen Nutzen, den sie bringen kann, ausgeschlossen und an den Rand der internationalen Gemeinschaft gedrängt. Im Zuge der internationalen Anstrengungen, die Welt von unmenschlicher Armut zu befreien, muss die Brüsseler Konferenz nun einen entscheidenden Wendepunkt bringen.“

Die Dritte Konferenz der Vereinten Nationen über die am wenigsten entwickelten Länder soll versuchen, den LDCs den Zugang zur globalen Wirtschaft zu erleichtern. Gastgeber der Tagung ist die Europäische Union. Die Konferenz will auf den Verpflichtungen aufbauen, die die Staats- und Regierungschefs aus aller Welt beim New Yorker Millenniumsgipfel im September 2000 eingegangen sind. Dort wurden die politischen Entscheidungsträger der wohlhabenden Länder aufgerufen, Maßnahmen in drei, für die LDCs entscheidenden Bereichen zu treffen. Sie sollen:

  • den zollfreien Marktzugang ohne Quotenregelung für alle Exportgüter der LDCs ermöglichen; 
  • jenen LDC-Ländern alle öffentlichen bilateralen Schulden erlassen, die nachweislich Anstrengungen zur Armutsreduzierung unternehmen; und
  • großzügigere Entwicklungshilfe gewähren, insbesondere den Ländern, die Hilfsmittel für Armutsminderung beantragen.

Maßnahmen in diesen drei Bereichen sowie die Förderung der Produktivität und der Infrastruktur werden im Mittelpunkt der Konferenz stehen. Bei den Beratungen werden die Regierungschefs der am wenigsten entwickelten Länder, wie auch die Vertreter der Nichtregierungsorganisationen und anderer Sektoren der Zivilgesellschaft eine wichtige Rolle spielen. Außerdem werden Ankündigungen der Geberländer und der UNO-Organisationen über konkrete Mittelzusagen und Programminitiativen zur Unterstützung der Entwicklung von LDCs erwartet.

Einige Schritte wurden schon unternommen. Im Februar hat die Europäische Union das Abkommen „Alles nur keine Waffen“ beschlossen, das die Streichung aller Zölle und sonstiger Handelshindernisse für die Exportprodukte der LDCs in der Europäischen Union - mit Ausnahme von Waffenlieferungen - vorsieht. Kürzlich hat auch Norwegen den unbeschränkten Marktzugang für alle LDC-Produkte angekündigt. China und Brasilien haben sich verpflichtet, alle noch offenen Schulden der LDCs zu streichen. Entwicklungsexperten stimmen darin überein, dass der umfassende Zugang zum globalen Markt für die LDCs von entscheidender Bedeutung ist.

„Die Initiative `Alles nur keine Waffen` ist ein sehr positiver Schritt, aber es liegt noch ein langer Weg vor uns, bis alle Handelshindernisse für die LDCs überwunden sind“, sagte Rubens Ricupero, Generalsekretär der Handels- und Entwicklungskonferenz der Vereinten Nationen (UNCTAD), der auch als Generalsekretär der Brüsseler LDC-III Konferenz fungiert.

Die Konferenz will die Aufmerksamkeit von Regierungen, Experten und multilateralen Organisationen auf eine Reihe entscheidender Bereichen lenken, wo unverzügliches Handeln gefragt ist. Dazu zählen Gesundheit, Finanzierung, Bildung, Energie, Transport, Landwirtschaft, der Dienstleistungssektor, die digitale Kluft, gute Regierungsführung, Entwicklungsinfrastruktur sowie Frauen- und Jugendthemen.

Obwohl in den letzten Jahren einige Fortschritte verzeichnet wurden, hat die Mehrheit der Menschen in den LDCs keinen Zugang zu erschwinglicher Gesundheitsfürsorge. Die Aids-Epidemie, Malaria, Tuberkulose, Lungenentzündung und Durchfall bedrohen weite Teile der Bevölkerung. Von den 30 Ländern mit der höchsten HIV/Aids-Infektionsrate gehören 16 zu den LDCs, davon 13 Länder südlich der Sahara, zwei asiatische Länder und ein karibisches Land. In seiner Rede vor dem Afrikanischen Gipfeltreffen über HIV/Aids, Tuberkulose und andere Infektionskrankheiten rief Generalsekretär Annan am 6. April zu einer neuen Großkampagne gegen die Krankheit auf. Eine „Kriegskasse“ von US$ 7-10 Milliarden pro Jahr sei nötig, erklärte der Generalsekretär vor den afrikanischen Regierungschefs und schlug die Schaffung eines neuen Globalen Hilfsfonds zum Kampf gegen Aids und andere Infektionskrankheiten vor. Neben anderen Initiativen bildet auch dieser Aufruf des Generalsekretärs ein wichtiges Diskussionsthema für die Teilnehmer der Konferenz in Brüssel.
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Weitere Informationen bei: Tim Wall, Tel. (+1 212) - 963-5851, Laufey Löve, Tel. (+1 212) 963-3507, UNO-Hauptabteilung Presse und Information, New York. Im Internet sind Informationen unter www.un.org/events/ldc3/conference abrufbar. 

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