Mittwoch, 22 November 2017
UNRIC logo - Deutsch
                

UNO-Umweltprogramm empfiehlt Vorsichtsmaßnahmen im Umgang mit abgereichertem Uran in Kosovo

UNRIC/330

Expertenbericht stellt jedoch keine weitreichende Kontaminierung fest

GENF, 13. März 2001 (UNEP) - Der Abschlußbericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) über die ökologischen Auswirkungen der während des Kosovo-Konfliktes 1999 verwendeten Munition mit abgereichertem Uran (DU) ist heute in Genf veröffentlicht worden.

Im November hatte eine Untersuchungskommission des Umweltprogramms elf der insgesamt 112 Stellen im Kosovo besichtigt, an denen gezielt DU-Munition eingesetzt worden war. Fünf Stellen befanden sich im italienischen Sektor (MNB (W)) und sechs im deutschen Sektor (MNB (S)).

Dem UNEP-Team gehörten 14 Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern an. Sie nahmen Boden-, Wasser- und Pflanzenproben und führten Schmiertests an Gebäuden, zerstörten Armeefahrzeugen und Projektilen durch. An acht der elf Stellen wurden Überreste von DU-Munition gefunden. Insgesamt wurden 355 Proben analysiert - 249 Bodenproben, 46 Wasserproben, 37 Pflanzenproben, 13 Schmiertests, drei Milchproben, vier Munitionshülsen, zwei Projektile und ein Projektilfragment.

Transuran-Isotope gefunden

Siebeneinhalb mit DU gehärtete Projektile wurden bei den Untersuchungen gefunden. An den unmittelbaren Aufschlagstellen wurden geringe Strahlungsmengen gemessen. In der Nähe der Ziele konnte eine schwache Kontaminierung durch DU-Staub festgestellt werden. Darüber hinaus konnten durch Bio-Indikatoren auch DU-Kontaminierungen in der Luft in der Nähe der Zielgebiete nachgewiesen werden.

Neben U-238, der am häufigsten verwendeten Form von abgereichertem Uran, enthielten die Projektile auch das Uranisotop U-236 und das Plutoniumisotop Pu-239/240. Die Spuren dieser transuranischen Elemente in der DU-Munition lassen darauf schließen, dass das verwendete Material zumindest teilweise aus Kernreaktoren stammt. Die Menge der festgestellten transuranischen Isotope ist allerdings so gering, dass sie auf die gesamte Radioaktivität keinen entscheidenden Einfluss hat.

Keine weitreichende Kontaminierung

In den untersuchten Gebieten wurde keine weitreichende Bodenkontaminierung gefunden. Die entsprechenden radiologischen und chemischen Gefahren sind daher unbedeutend. Es gab eine Vielzahl kontaminierter Punkte in den untersuchten Gebieten, aber es bestehen keine wesentlichen Gefahren im Hinblick auf mögliche Luft- oder Pflanzenkontaminierungen.

„Diese wissenschaftlichen Ergebnisse sollten den im Kosovo lebenden oder arbeitenden Menschen die unmittelbare Angst nehmen, die sie vielleicht heimgesucht hat“, erklärte UNEP-Exekutivdirektor Klaus Töpfer. „Unter gewissen Umständen kann das abgereicherte Uran aber immer noch Gefahren bergen. Unser Bericht zeigt daher eine Reihe von Vorsichtsmaßnahmen auf, die ergriffen werden sollten, um zu garantieren, dass die von der DU-Munition getroffenen Gebiete auch wirklich risikofrei bleiben.“

Empfohlene Vorsichtsmaßnahmen

Man kann mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass noch immer Projektile auf dem Boden herumliegen. Die radiologischen und chemischen Gefahren einer möglichen Berührung dieser Projektile sind zwar unbedeutend, falls aber ein Projektil in die Tasche gesteckt oder sonstwo sehr nahe am Körper getragen wird, könnte es zu einer externen Betabestrahlung der Haut und nach einigen Wochen ständiger Belastung zu recht hohen lokalen Strahlungsdosen kommen. Brandwunden aufgrund der Strahlung sind aber eher unwahrscheinlich.

Falls ein Kind kleine Mengen Erde von den kontaminierten Punkten in den Mund nimmt, wären die sich daraus ergebenden radiologischen Gefahren zwar eher insignifikant, aus biochemischer Sicht könnte die mögliche Aufnahme allerdings höher sein, als es den Gesundheitsnormen entspricht.

„Es gibt immer noch beachtliche Unklarheiten im wissenschaftlichen Bereich, vor allem was die Sicherheit des Trinkwassers betrifft“, betont der Leiter des UNEP-DU-Untersuchungsteams, Pekka Haavisto. „Hier muß noch einige Arbeit geleistet werden, um diese Unklarheiten zu beseitigen und die Wasserqualität zu überwachen.“

Projektile und Munitionshülsen, die vielleicht einige Meter tief im Boden stecken, wie auch die noch frei auf dem Boden herumliegenden Projektile, könnten jedoch noch später zu einer DU-Verseuchung des Grund- und Trinkwassers führen. Ein heftigerer Beschuss eines Gebietes mit DU-Munition könnte die Gefahr einer möglichen Uranverseuchung des Grundwassers um das Zehn- bis Hundertfache erhöhen. Die Strahlendosis wird zwar auch in diesen Fällen gering bleiben, die entstehende Urankonzentration könnte aber die von der WHO festgelegten Gesundheitsnormen für das Trinkwasser überschreiten.

Die Feststellungen der Untersuchungskommission enthalten zwar keinen Grund Alarm zu schlagen, aber der Bericht zeigt konkrete Situationen auf, wo es doch zu signifikanten Gefahren kommen könnte. Außerdem gibt es noch immer einige ungeklärte wissenschaftliche Fragen im Hinblick auf das längerfristige Verhalten von DU in der Umwelt. Aus diesem Grund empfiehlt das Umweltprogramm der Vereinten Nationen bestimmte Vorsichtsmaßnahmen.

U.a. schlägt UNEP vor, alle DU-Stellen im Kosovo zu untersuchen, alle leicht radioaktiven Projektile und Munitionshülsen von der Oberfläche des Bodens zu entfernen, die Gebiete - wo möglich - zu entseuchen und die Bevölkerung vor Ort darüber zu informieren, welche Vorsichtsmaßnahmen beim Auffinden von DU-Munition getroffen werden sollten.

UNEP empfiehlt Untersuchung in Bosnien-Herzegowina

Um die noch offenen wissenschaftlichen Fragen über die, vor allem langfristigen, Auswirkungen von DU auf die Umwelt zu klären, empfiehlt das UNO-Umweltprogramm die Durchführung wissenschaftlicher Untersuchungen in Bosnien-Herzegowina, wo es seit mehr als fünf Jahren DU-Geschoße in der Umwelt gibt. Diese Untersuchung könnte im Rahmen einer allgemeinen Umweltuntersuchung in Bosnien-Herzegowina durchgeführt werden.

Der UNEP-Einsatz in Kosovo wurde in enger Zusammenarbeit mit der Mission der Vereinten Nationen in Kosovo (UNMIK) und der NATO-Kosovotruppe (KFOR) durchgeführt, die für Logistik, Unterbringung, Transport und Sicherheit des Teams sorgten.

Die Analyse der Proben erfolgte im Schwedischen Institut für Strahlenschutz (SSI) in Stockholm; im AC Laboratorium Spiez in der Schweiz; an der Fakultät für Erdwissenschaften der Universität Bristol in Großbritannien; in den Laboratorien der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) in Seibersdorf, Österreich und bei der Staatlichen Italienischen Umweltschutzbehörde (ANPA) in Rom. Die Untersuchungsarbeiten über das abgereicherte Uran wurden von der Eidgenössischen Bundesregierung der Schweiz finanziert.

Künftige Zusammenarbeit von IAEO, UNEP und WHO

Angesichts der noch offenen wissenschaftlichen Fragen über die langfristigen Auswirkungen des Einsatzes von DU-Munition auf Gesundheit und Umwelt werden die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO), das UNO-Umweltprogramm (UNEP) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Rahmen ihrer jeweiligen Zuständigkeiten gemeinsam darüber beraten, ob es notwendig ist, weitere Untersuchungskommissionen in Gebiete zu entsenden, in denen abgereichertes Uran im Zuge militärischer Konflikte eingesetzt wurde.

_________________________

HINWEIS FÜR JOURNALISTEN: Der Bericht kann im Internet unter http://balkans.unep.ch/ abgerufen werden. Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an den Leiter des UNEP-DU-Untersuchungsteams, Pekka Haavisto, Tel.: +41-79-477-0877, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ; an UNEP-Pressesprecher Tore Brevik in Nairobi, Tel.: +254-2-623292, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ; oder an den UNEP-Pressereferenten in Genf Michael Williams, Tel.: +41-22-917-8242, +41-79-409-1528 (Mobiltelefon), E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Praktikant/-in für Bonner UNRIC-Büro gesucht

UNRIC bietet im Bonner Büro ein 8- bis 12-wöchiges Praktikum ab März 2018 an.
Bewerber/-innen sollten sich noch im Studium befinden, oder vor kurzem ihr Studium beendet haben und erste Erfahrungen in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit oder im Journalismus besitzen.
Sehr gute Englisch- und Deutschkenntnisse sind Voraussetzung. Das Praktikum ist unbezahlt.
Bitte senden Sie Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen an:
[email protected]

UNRIC Verbindungsbüro in Deutschland, Bonn
Tel.: +49 (0)228 / 815-2773 / 2774
Fax: +49 (0)228 / 815-2777

UN Card 2016 DE 250px front