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Generalsekretär Kofi Annan: Regierungen müssen sich der Aids-Herausforderung stellen

UNIC/321

Forderung nach weltweitem Engagement zur Eindämmung der Epidemie

NEW YORK, 20. Februar 2001 - „Die HIV/Aids-Epidemie ist die gewaltigste Entwicklungsherausforderung unserer Zeit“, erklärt UNO-Generalsekretär Kofi Annan in einem heute veröffentlichten Bericht (Dokument A/55/779). Darin ruft er die Regierungen zu einem weltweiten Engagement zu verstärkten und koordinierten Maßnahmen zur Bekämpfung der Seuche auf.

Der Bericht wurde in Vorbereitung auf die vom 25. bis 27. Juni 2001 in New York stattfindende Sondertagung der Generalversammlung über HIV/Aids ausgearbeitet. Die erste Verhandlungsrunde über Sachfragen der Tagung findet - auf der Grundlage dieses Berichts - in der kommenden Woche statt.

Der Bericht drängt auf ein verstärktes und breiteres politisches wie finanzielles Engagement der Staaten, um der Aids-Krise wirksamer zu begegnen. Besorgt über die immer rascher um sich greifende Epidemie und ihre globalen Auswirkungen hatte die Generalversammlung der Vereinten Nationen im vergangenen November beschlossen, eine Sondertagung über HIV/Aids auf höchstmöglicher politischer Ebene abzuhalten.

Auch die im September des Vorjahres von den Staats- und Regierungschefs auf dem Millenniumsgipfel verabschiedete Erklärung der Vereinten Nationen hatte konkrete Maßnahmen zur Bekämpfung der Seuche gefordert.

In dem Bericht werden die Regierungen in aller Welt konkret ersucht, in sieben entscheidenden Bereichen tätig zu werden, um zur Eindämmung der Aids-Epidemie beizutragen:

  • Führungsstärke und Koordination bei der Bekämpfung von Aids, 
  • Dämpfung der sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Epidemie, 
  • Reduzierung der Gefährdung besonderer gesellschaftlicher Gruppen durch HIV-Infektion,
  • Erreichung bereits vereinbarter Ziele zur Verhinderung von HIV-Infektionen, 
  • Fürsorge und Unterstützung für infizierte und von HIV/Aids betroffene Menschen, 
  • Entwicklung relevanter und wirksamer internationaler Medikamente, 
  • Mobilisierung von Finanzmitteln in der erforderlichen Höhe.

„Politische Führungskraft ist für eine wirksame Antwort auf diese Herausforderung von grundlegender Bedeutung“, betont Generalsekretär Annan. „Eine der zentralen Aufgaben der internationalen Gemeinschaft besteht daher darin, diese entschlossene politische Führungsstärke zu entwickeln und zu festigen. Diese Aufgabe ist unverzichtbar, wenn die Art dieser Epidemie in allen Teilen der Gesellschaft klar erkannt und eine nationale Reaktion mobilisiert werden soll.“

Eine weitere zentrale Aufgaben sieht der Generalsekretär in der Dämpfung der sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Epidemie. In vielen Ländern hat Aids bereits maßgebliche Sektoren der Gesellschaft in gefährlichem Ausmaß zersetzt. Die negativen Auswirkungen der Seuche zeigen sich unmißverständlich in der wirtschaftlichen Entwicklung, dem Bildungssystem, der Gesundheit oder in der Landwirtschaft dieser Staaten. Außerdem wird die Bevölkerung durch Konflikte, Krieg, wirtschaftliche Instabilität, fehlende Gleichberechtigung der Geschlechter und gesellschaftlichen Ausschluß von Bevölkerungsgruppen noch anfälliger für HIV-Infektionen, heißt es in dem Bericht.

Um der weiteren Ausbreitung der Seuche Einhalt zu gebieten, seien verstärkte Präventionsmaßnahmen unabdingbar. Ausgaben für Prävention helfen künftige Kosten und Folgen der Infektion zu sparen, hält der Bericht fest. Besonders effektiv seien Präventionsmaßnahmen zur Unterbindung der Mutter-Kind-Übertragung. Schon eine kurze antiretrovirale Behandlung kann die Übertragung der Infektion auf Kinder um 20-50% reduzieren.

Nicht nur die Gesundheitsvorsorgeeinrichtungen müssen ausgebaut werden; die Medikamente zur Behandlung von Infektionen und für antiretrovirale Therapien müssen auch erschwinglich sein. Letzteres sieht der Bericht als eine der ganz großen Hindernisse für einen besseren Zugang zur ärztlichen Versorgung an. Der von den Vereinten Nationen mit verschiedenen Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen großer pharmazeutischer Unternehmen seit dem vergangenen Mai aufgenommene Dialog, wie auch die zunehmende Verfügbarkeit der antiretroviralen Medikamente, haben bereits einige Fortschritte zur Senkung der Medikamentenpreise erbracht. Aber trotz dieser Erfolge muss noch viel mehr geschehen, damit der Zugang zur ärztlichen Versorgung und Behandlung nicht außer Reichweite der überwiegenden Mehrheit der Menschen bleibt, die mit HIV und Aids leben müssen.

Die Beseitigung der nach wie vor bestehenden großen Unterschiede im Zugang zur wirksamen Betreuung und Behandlung muß über alle verfügbaren Wege angegangen werden, ob durch Preisabstufungen, verstärkten Wettbewerb zwischen den Anbietern, regionale Beschaffungsdienste, Lizenzvergabe, oder effektive Gesundheitsvorschriften in Handelsabkommen.

Der Generalsekretär fordert in seinem Bericht auch spezifische internationale Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zur Herstellung von Impfstoffen gegen HIV/Aids. Vor allem aber müßten wesentlich mehr Mittel bereitgestellt werden, um der immer stärker um sich greifenden Epidemie Herr zu werden. So hat sich die Sondertagung der Generalversammlung u.a. zum Ziel gesetzt, ein stärkeres finanzielles Engagement für die noch immer grob unterdotierte Bekämpfung von Aids einzufordern.

Aus den Erfahrungen lernen

Trotz der dramatischen und weiter anhaltenden Ausbreitung der Epidemie, konnten doch schon viele Erfahrungen seit ihrem Ausbruch gewonnen werden. Die Chancen und Möglichkeiten zur Eindämmung von Aids waren noch nie so hoch wie heute, betont der Bericht. „Die bisher aus der Seuche gewonnenen Erkenntnisse haben einen Punkt erreicht, dass wir jetzt mit Zuversicht sagen können: Es ist technisch, politisch und finanziell möglich, die HIV/Aids-Epidemie einzudämmen und ihre Verbreitung und Auswirkung drastisch zu reduzieren“, sagt Annan in seinem Bericht.

Ende 2000 lebten mehr als 36 Millionen Männer, Frauen und Kinder mit HIV oder Aids; 1,8 Millionen Menschen sind bisher an der Immunschwächekrankheit gestorben. Im gleichen Jahr gab es weltweit 5,3 Millionen neue Infektionen und drei Millionen Tote, die höchste Zahl an Todesopfern, die Aids bisher in einem Jahr gefordert hat.
Und doch sieht der Bericht konkrete Möglichkeiten, wie eine noch größere Epidemie verhindert werden kann. Großangelegte Präventionsprogramme haben unmißverständlich gezeigt, dass die Ausbreitung von HIV gebremst werden kann, vor allem unter Jugendlichen und schwer erreichbaren Bevölkerungsgruppen.

Erfolgreiche Gegenmaßnahmen müssen vor Ort in den Gemeinden beginnen. Ganz wichtig sei es, Jugendliche und Frauen zu mobilisieren und sie in die Lage zu versetzen, selbst etwas gegen die Ausbreitung der Seuche zu tun. Vor allem aber müssen die mit HIV infizierten und mit Aids lebenden Menschen in die Gegenmaßnahmen eingebunden werden. Die Menschenrechte spielen bei dieser Vorgangsweise eine fundamentale Rolle: Das Stigma der Infizierten zu bekämpfen, ist eine Menschenrechtsforderung höchsten Ranges; sie ist auch von unverzichtbarem Wert, um Leugnen und Scham zu überwinden, die am häufigsten einer offenen Aussprache über HIV/Aids im Wege stehen.

Ein komplexes Mosaik

Eine der wichtigsten Lehren, die man aus dieser Epidemie ziehen konnte, ist, dass sie überaus komplex ist und daher von verschiedenen Seiten gleichzeitig angegangen werden muss: von der Seite ihrer Gefahren, von den Faktoren, die zur Anfälligkeit für diese Epidemie beitragen, und von der Seite der Auswirkungen der Epidemie.

„Aids ist zu einer der größten Krisen für die Entwicklung geworden. Sie tötet Millionen Erwachsene in der Blüte ihrer Jahre. Sie läßt Familien zerbrechen und verarmen. Sie schwächt das Arbeitskräftepotential eines Landes. Sie macht Millionen Kinder zu Waisen. Sie zersetzt den sozialen und wirtschaftlichen Zusammenhalt der Gesellschaft und untergräbt die politische Stabilität der Länder“, erklärt Generalsekretär Annan. Es ist uns klar geworden, dass vereinzelte, isolierte Maßnahmen keine nachhaltigen Erfolge bringen können und dass Interventionen zur Senkung des HIV-Risikos und zur Veränderung menschlicher Verhaltensweisen nur dann greifen, wenn eine ganze Bandbreite von Ministerien und Partnern im Sozial-, Wirtschafts- und Gesundheitswesen eingeschaltet werden.

Aids gibt es heute in allen Teilen der Welt. Am schlimmsten aber ist Afrika südlich der Sahara betroffen. 70% aller Erwachsenen und 80% aller Kinder mit HIV leben in Afrika; drei Viertel aller Menschen, die seit dem Ausbruch der Seuche an Aids gestorben sind, sind in Afrika der Immunschwächekrankheit zum Opfer gefallen. Im Jahr 2000 wurden in Afrika südlich der Sahara rund 3,8 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert und 2,4 Millionen Menschen sind dort im Vorjahr an dieser Krankheit gestorben. Aids steht heute auf der Liste der Todesursachen in Afrika an erster Stelle.

Asien ist bisher von den hohen Infektionsraten, wie sie in Afrika verzeichnet werden, verschont geblieben. Nur in drei Ländern - in Kambodscha, Myanmar und Thailand - übersteigt die Infektionsrate 1 % der 15-49jährigen. Aber die Zahl der Infektionen nimmt zu. In Süd- und Südostasien wurden im Vorjahr 780.000 Erwachsene - zu 2/3 Männer - infiziert. Ostasien und der Pazifik verzeichneten 130.000 neue Infektionen.

Die Länder Osteuropas und der ehemaligen Sowjetunion zeigen dagegen die wohl dramatischesten Entwicklungen in der weltweiten Aids-Epidemie. Bisher gab es in dieser Region sehr geringe Infektionsraten, aber in jüngster Zeit ist dort ein rasanter Anstieg der Neuinfektionen zu registrieren: von 420.000 Fällen Ende 1999 auf mindestens 700.000 ein Jahr später.

In Lateinamerika wurden im Jahr 2000 rund 150.000 Erwachsene und Kinder mit dem HI-Virus neu infiziert; damit stieg die Gesamtzahl der Infizierten auf 1,4 Millionen. Die Karibik zeigt nach Afrika südlich der Sahara die weltweit höchsten HIV-Infektionsrate auf. Aids zählt dort bereits zur häufigsten Todesursache unter jungen Männern und Frauen.

Länder mit hohem Einkommen verzeichnen dagegen einen wesentlichen Rückgang an Aids-Todesfällen in den späten 90er Jahren. Dank wirksamer antiretroviraler Therapien bleiben die Menschen dort länger am Leben. Einen Schatten auf diese gute Nachricht wirft jedoch der Umstand, dass die Präventionsmaßnahmen dort nicht wirklich vorankommen und die Zahl der Neuinfektionen keinen Rücklauf erkennen läßt. Trotz jahrelanger massiver Aids-Aufklärung sind im Jahr 2000 wieder 30.000 Menschen in Westeuropa und 45.000 in Nordamerika mit dem HI-Virus infiziert worden.

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Weitere Informationen erhalten Sie bei Anne Winter, UNAIDS, Tel.: +41-79 213-4312; Dominique de Santis, UNAIDS, Tel.: +41-22 791-4509; Andrew Smith, UNAIDS, New York, Tel.: +1-212 584-5024 oder Pragati Pascale, Hauptabteilung Presse und Information der Vereinten Nationen, Tel.: +1-212 963-6870. Wir dürfen Sie auch auf die Internetseite von UNAIDS unter http://www.unaids.org/ verweisen. 

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