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UNCTAD: Weltweite Direktinvestitionsströme könnten 1 Billion US-Dollar übersteigen

UNIC/292

Weltgrößte transnationale Unternehmen wachsen schnell - Direktinvestitionen in die USA steigen

BONN/GENF, 2. Oktober (UNCTAD-TAD/INF/2856) – Ausländische Direktinvestitionsströme (ADI) (1) der transnationalen Unternehmungen (TNU) (2) werden vermutlich in diesem Jahr die eine-Billion-Marke übersteigen, nachdem sie schon im letzten Jahr den beindruckenden Wert von $865 Milliarden (Mrd.) erreicht hatten, schließt der World Investment Report 2000: Cross-border Mergers and Acquisitions and Development (3), der heute von der Handels- und Entwicklungskonferenz der Vereinten Nationen (UNCTAD) veröffentlicht wurde.

“Grenzüberschreitende Unternehmensübernahmen und -zusammenschlüsse, einschließlich des Erwerbs ehemaliger Staatsbetriebe durch ausländische Investoren, sind der Hauptgrund für die neuen Investitionsrekorde“, sagte UNCTAD-Generalsekretär Rubens Ricupero in Zusammenhang mit der Vorstellung des WIR 2000. Karl P. Sauvant, hauptverantwortlich für den Bericht, fügte hinzu: “Ein globaler Markt für Unternehmen bildet sich heraus. Der grenzüberschreitende Erwerb sowie die Veräußerung von Unternehmen hat ein noch nie dagewesenes Ausmaß erreicht.“

Direktinvestitionsströme in Industrieländer sind im vergangenen Jahr auf $636 Milliarden (Mrd.) angestiegen (von $481 Mrd. in 1998), während Direktinvestitionen in Entwicklungsländer auf $208 Mrd. gewachsen sind (gegenüber $179 Mrd. in 1998). Ausländische Tochtergesellschaften erreichten 1999 insgesamt einen weltweiten Jahresumsatz von $14 Billionen (gegenüber 3 Billionen im Jahre 1980), fast das Doppelte der weltweiten Exporte (Tabelle1). Herr Ricupero betonte: “Das globale Produktionsnetzwerk transnationaler Unternehmungen – etwa 63,000 an der Zahl, mit schätzungsweise 700,000 ausländischen Tochtergesellschaften – umspannt nahezu alle Länder und Sektoren und stellt eine gewaltige Wirtschaftskraft dar.“

Tabelle 1. Ausländische Direktinvestitionen und ausgewählte Indikatoren internationaler Produktion, 1982-1999 (in Mrd. Dollar und Prozent)
 

Wert in aktuellen Preisen (Mrd. Dollar)

Jährliche Wachstumsrate (in Prozent)

Indikator 1982 1990 1999 1986-1990 1991-1995 1996-1999 1998 1999
Direktinvestitions-Zuflüsse 58 209 865 24.0 20.0 31.9 43.5 27.5
Direktinvestitions-Ströme ins Ausland 37 245 800 27.6 15.7 27.0 45.6 16.4
Inländischer Direktinvestitions-Bestand 594 1 761 4 772 18.2 9.4 16.2 20.1 18.8
Direktinvestitions-Bestand im Ausland 567 1 716 4 759 20.5 10.7 14.5 17.6 17.1
Grenzüberschreitende Akquisitionen und Unternehmenszusammenschlüsse .. 151 720 26.4 23.3 46.9 74.4 35.4
Umsatz ausländischer Tochtergesellschaften 2 462 5 503 13 564 15.8 10.4 11.5 21.6 17.8
Produktion ausländischer Tochtergesellschaften 565 1 419 3 045 16.4 7.1 15.3 25.4 17.1
Bilanzsumme ausländischer Tochtergesellschaften 1 886 5 706 17 680 18.0 13.7 16.5 21.2 19.8
Exporte ausländischer Tochtergesellschaften 637 1 165 3 167 13.2 13.9 12.7 13.8 17.9
Beschäftigung in ausländischen Tochtergesellschaften (in Tausend) 17 433 23 605 40 536 5.6 5.0 8.3 11.4 11.9
Memorandum:
Bruttosozialprodukt zu Faktorkosten 10 611 21 473 30 061 11.7 6.3 0.6 -0.9 3.0
Einnahmen für Patente und Lizenzen 9 27 65 22.0 14.2 3.9 6.3 0.5
Exporte von Gütern und Dienstleistungen 2 041 4 173 6 892 15.0 9.5 1.5 -1.8 3.0
Quelle: UNCTAD, World Investment Report 2000: Cross-border Mergers and Acquisitions and Development, Tabelle.1, s. 2.

Die 100 größten internationalen Unternehmungen (mit Ausnahme des Finanzbereichs), die ausländische Kapitalanteile im Wert von über $2 Billionen kontrollieren und mehr als 6 Millionen Mitarbeiter in ausländischen Tochtergesellschaften beschäftigen, sind die Hauptantriebsfeder internationaler Produktion, stellt der WIR 2000 fest. Sie machen zur Durchführung ihrer Investitionen mehr und mehr von Akquisitionen und Unternehmenszusammenschlüssen Gebrauch.

Ausländische Direktinvestitionen, die sich in den letzten Jahren, besonders während Finanzkrisen, als stabiler erwiesen haben als Portfolioinvestitionen und Bankkredite, stellen für viele Entwicklungsländer die wichtigste externe Finanzierungsquelle dar. Der Bericht stellt fest, dass mittlerweile viele Entwicklungsländerregierungen einen Sinneswandel vollzogen haben bezüglich der Beurteilung von ADI und ihre Märkte nun für ausländische Investoren öffnen, in der Hoffnung, dass von diesen positive Impulse auf Handel, Technologie, und Kapitalbildung ausgehen werden.

Die weltweiten Abflüsse von ADI ins Ausland4 stiegen im vergangenen Jahr um 16% auf $800 Mrd. Mit $199 Mrd. war Großbritannien der größte Auslandsinvestor, vor den Vereinigten Staaten. Die Vereinigten Staaten ihrerseits waren das attraktivste Zielland für Auslandsinvestitionen ($276 Mrd., rund ein Drittel des Gesamtwertes). Dies ist zurückzuführen auf die Dynamik bei den Unternehmensakquisitionen und -zusammenschlüssen sowie das anhaltend starke Wachstum der US-amerikanischen Wirtschaft. Transnationale Unternehmen aus der Europäischen Union (EU) investierten im vergangenen Jahr $510 Mrd. im Ausland. Dies entspricht annähernd zwei Dritteln aller weltweiten ADI-Ströme. Zudem hat die Gemeinschaftswährung der Europäischen Union, der Euro, zu wachsendem Wettbewerb geführt und den Druck auf die Unternehmen erhöht, die Restrukturierungen und Konsolidierungen ihrer Aktivitäten weiter zu forcieren. Die ADI-Zuflüsse nach Japan vervierfachten sich im letzten Jahr. Sie erreichten einen Rekordwert von $13 Mrd., während gleichzeitig die japanischen Direktinvestitionen im Ausland um 6% auf $23 Mrd. sanken.

Auch die Direktinvestitionszuflüsse nach Lateinamerika und in die Karibik stiegen 1999 steil an und überschritten $90 Mrd., während die ADI-Zuflüsse in die asiatischen Entwicklungsländer auf $106 Mrd. stiegen. Die Zuflüsse nach Mittel- und Osteuropa und nach Afrika verharrten dagegen auf einem relativ niedrigen Niveau und erreichten $21 Mrd. bzw. $9 Mrd. Gleichzeitig verdoppelten sich die von den Entwicklungsländern ausgehenden ADI auf nahezu $66 Mrd., wobei die Hälfte des Zuwachses auf in den Bermudas registrierte TNU entfiel, sowie etwa $20 Mrd. auf TNU, die in Hongkong, China beheimatet sind. (Nähere Information dazu sind folgenden Pressemitteilungen zu entnehmen: TAD/INF/2857, TAD/INF/2858, TAD/INF/2859 und TAD/INF/2860).

Wachstum der Direktinvestitionen erreicht Höchststand, motiviert durch Unternehmenszusammenschlüsse und -übernahmen

Besonders bemerkenswert ist das beständig hohe Wachstum von Akquisitionen und Unternehmenszusammenschlüssen. Diese sind während der letzten 20 Jahre mit einer jährlichen Rate von 42% angewachsen. In 1999 betrug der Gesamtwert aller Unternehmenszusammenschlüsse und -akquisitionen etwa $2,3 Billionen, bei einer Anzahl von etwa 24.000 Transaktionen. Das Gesamtvolumen aller grenzüberschreitenden Unternehmensübernahmen und -zusammenschlüsse (definiert als Erwerb von mindestens 10% der Eigenkapitalanteile) stieg von $100 Mrd. in 1987 auf $720 Mrd. in 1999 mit etwa 6.000 Transaktionen5 (Tabelle 2). Allerdings repräsentieren 109 Großtransaktionen (Transaktionen mit einem Volumen von mehr als $1 Mrd.) mehr als 60% des Gesamtvolumens aller grenzüberschreitenden Akquisitionen und Unternehmenszusammenschlüsse. Die Mehrheit dieser “Mega-Deals“ bezog sich auf Unternehmungen, die in der UNCTAD-Liste der 100 größten TNU aufgeführt sind (Tabelle 3).

Die in der EU beheimateten Unternehmen waren im vergangenen Jahr weltweit die aktivsten Firmen in bezug auf Zusammenschlüsse und Akquisitionen, gefolgt von Unternehmen in den USA. Die Mehrheit der Veräußerungen fand in Lateinamerika und in der Karibik statt. Innerhalb Asiens wies Südkorea mit der Gesamtsumme von $9 Mrd. das größte Volumen grenzüberschreitender Unternehmensfusionen und -akquisitionen auf.

In Zentral- und Osteuropa verdoppelte sich im vergangenen Jahr das Volumen auf $10 Mrd., wobei Polen und die Tschechische Republik die wichtigsten Zielländer waren. Die meisten dieser Investitionen wurden von westeuropäischen TNU getätigt. In Afrika war das Niveau der grenzüberschreitenden Akquisitionen und Unternehmenszusammenschlüsse eher bescheiden. Die ADI konzentrierten sich auf Ägypten, Marokko und Südafrika.

Privatisierungen stellten die wichtigste Form von Direktinvestitionen in Lateinamerika und in Mittel- und Osteuropa dar und sind von steigender Bedeutung für die Entwicklungsländer Asiens. Der Bericht stellt fest, da8 1999 bei der Privatisierung von ehemaligen Staatsunternehmen in den genannten Regionen ausländische Investoren von größerer Bedeutung waren als einheimische. Wie WIR 2000 anmerkt, fand die Mehrheit der 50 weltweit größten Privatisierungen für den Zeitraum 1987-1999 in den Entwicklungsländern statt. Diese Liste wurde im vergangenen Jahr von Argentinien angeführt, mit einem Gesamtvolumen von $16 Mrd. und löste damit Brasilien ab, welches im vorhergehenden Jahr mit $20 Mrd. diesen Platz innehatte. (Eine detaillierte Analyse der Beweggründe für Unternehmenszusammenschlüsse und -akquisitionen, sowie ihres Entwicklungsbeitrags findet sich in der Pressemitteilung UNIC/291.)  

GE führt die Liste der Top 100

Wie im Jahr zuvor, führte auch 1998 General Electric aus den Vereinigten Staaten die Liste der größten TNU (Banken und andere Finanzdienstleistungsunternehmen nicht eingeschlossen) mit dem weltweit höchsten im Ausland investierten Kapital an. General Motors stieg vom vierten auf den zweiten Platz auf. Royal Dutch Shell blieb an dritter Stelle. Nur wenige Veränderungen haben sich innerhalb der Top 10 ergeben: BP Amoco (Platz 8) hat den Volkswagen-Konzern (1998 an elfter Stelle) abgelöst. NestlÈ (Platz 10) und DaimlerChrysler (Platz 9) tauschten die Plätze (Tabelle 3). 

Tabelle 2. Grenzüberschreitende Unternehmenskäufe/-verkäufe, nach Regionen, 1990-99 (in Mrd US $)

  Verkäufe Käufe
Region/ Land

1990

1995

1997

1998

1999

1990

1995

1997

1998

1999

Industrieländer Davon

13.4

164.6

234.7

445.1

644.6

143.2

173.7

272

511.4

677.3

Europäische Union

62.1

75.1

114.6

187.9

344.5

86.5

81.4

142.1

284.4

497.7

Vereinigte Staaten

54.7

53.2

81.7

209.5

233

27.6

57.3

80.9

137.4

112.4

Japan

0.1

0.5

3.1

4

15.9

14

3.9

2.7

1.3

9.8

Entwicklungsländer Davon

16.1

15.9

64.3

80.7

63.4

7

12.8

32.4

19.2

41.2

Afrika

0.5

0.2

1.7

0.7

0.6

-

0.1

-

0.2

0.4

Lateinamerika und Karibik

11.5

8.6

41.1

63.9

37.2

1.6

4

10.7

12.6

24.9

Europa

-

-

-

-

0.3

-

-

-

-

-

Asien

4.1

6.9

21.3

16.1

25.3

5.4

8.8

21.7

6.4

15.9

Süd-, Ost- und Südostasien

4.0

6.3

18.6

15.8

25

3.3

6.6

17.9

6

10.6

Mittel- und Osteuropa a

0.3

6

5.8

5.1

10.3

-

0.1

0.3

1

1.6

Andere

4.0

0.1

-

0.7

1.8

0.3

-

0.1

-

-

Welt b

150.6

186.6

304.8

531.6

720.1

150.6

186.6

304.8

531.6

720.1

Quelle: UNCTAD, World Investment Report 2000: Cross-border Mergers and Acquisitions and Development, table IV.3, p. 108

a Einschließlich der Länder des ehemaligen Jugoslawiens. b Beinhaltet auch Beträge die keiner der oben aufgelisteten Regionen genau zugewiesen werden können.

Interessant ist, wie wenig sich gegenüber den Vorjahren die Zusammensetzung der Liste verändert hat: Während der letzten neun Jahre erscheinen 57 der weltgrößten TNUs, von denen übrigens die Mehrheit ihren Hauptsitz in Industrieländern hat, ständig auf der Liste.

Die Rangfolge war in 1998 dominiert von den gleichen Sektoren wie in den Vorjahren: Fahrzeugbau, Öl- und petrochemische Industrie, sowie Elektrotechnik und Elektronikzubehör. Gleichzeitig gewinnen jedoch Telekommunikationsunternehmen an Bedeutung. Die Internationalisierung wird hier insbesondere durch verstärkte Deregulierungen und Liberalisierungen in diesem Bereich begünstigt. Unternehmen im Pharma- und Chemiebereich besetzten eine geringere Anzahl von Plätzen in dieser Liste im Vergleich zum Vorjahr. Ihre Zahl sank, bedingt durch den in dieser Branche besonders ausgeprägten Konsolidierungstrend, von 13 auf nur noch 8.

Tabelle 3. Die 10 weltweit größten internationalen Unternehmungen, nach Wert des im Ausland investierten Kapitals, 1998 (Bilanzsumme und Umsatz in Mrd. U.S. $)

Rang

Unternehmung Heimatland

Sektor

Im Ausland investiertes Kapital

Auslandsumsatz

Beschäftigte im Ausland

1

General Electric Vereinigte Staaten Elektrotechnologie und Eletronikzubehör

128.6

28.7

130,000

2

General Motors Vereinigte Staaten Fahrzeugbau

73.1

49.9

..

3

Shell, Royal Dutch Niederlande/ Gro8 britannien Öl/Petrochemie

67.0

50.0

61,000

4

Ford Motor Company Vereinigte Staaten Fahrzeugbau

N/A

43.8

171,276

5

Exxon Corporation Vereinigte Staaten Öl/Petrochemie

50.1

92.7

..

6

Toyota Japan Fahrzeugbau

44.9

55.2

113,216

7

IBM Vereinigte Staaten Computer

43.6

46.4

149,934

8

BP Amoco Gro8 britannien Öl/Petrochemie

40.5

48.6

78,950

9

Daimler-Benz Deutschland Fahrzeugbau

36.7

125.4

208,502

10

NestlÈ SA Schweiz Nahrungsmittel

35.6

51.2

225,665

Quelle: UNCTAD, World Investment Report 2000: Cross-border Mergers and Acquisitions and Development, Tabelle III.1., pp. 72-74.

Unternehmensfusionen und -akquisitionen in den einzelnen Industriebranchen

Das Großteil der weltweiten grenzüberschreitender Übernahmen und Zusammenschlüsse im verarbeitenden Gewerbe entfiel im vergangenen Jahr auf die Bereiche Chemie; Elektrotechnik und Elektronik sowie Petrochemie. Gleichzeitig waren bei den Dienstleistungen Telekommunikation, Finanzdienstleister sowie unternehmensbezogene Dienstleistungen die dominierenden Sektoren.

Laut UNCTAD resultieren die grenzüberschreitenden Unternehmenszusammenschlüsse und -akquisitionen im Bankenbereich unter anderem aus den in jüngerer Vergangenheit eingeleiteten Deregulierungen und Liberalisierungen. Finanzdienstleister waren im abgelaufenen Jahr die agressivsten “Unternehmensaufkäufer“ in der Europäischen Union wie auch in den Vereinigten Staaten. Übernahmen und Fusionen in dieser Branche repräsentierten etwa ein Viertel aller Transaktionen in den beiden Regionen. Die Übernahme- und Fusionswelle führt dabei zu einer zunehmenden Marktkonzentration in diesem Sektor.

Der diesjährige Bericht weist außerdem darauf hin, dass die Konsolidierung im Bereich des Fahrzeugbaus zu einer Restrukturierung des gesamten Sektors geführt hat. Dabei sind viele Unternehmen entweder strategische Allianzen eingegangen oder haben mit anderen fusioniert. Viele Firmen sahen diese Schritte angesichts schwacher Nachfrage und beträchtlicher Überkapazitäten als unvermeidlich an. Im Rahmen dieses Trends bei den Automobilproduzenten kommt es auch bei Unternehmen in der Zulieferindustrie zunehmend zu Fusionen und Akquisitionen.

Für den Pharmabereich, in dem die größten Unternehmen mehr durch Akquisitionen und Unternehmenszusammenschlüsse gewachsen sind als durch internes Wachstum, weist WIR 2000 darauf hin, dass insbesondere kostenintensive Forschung&Entwicklungsaktivititäten die Unternehmen zu Übernahmen veranlassen. Dies geschieht in der Hoffnung, auf diese Weise Synergien und Kostensenkungen realisieren zu können. Ende 1999 entfiel auf die größten 5 bzw. die größten 10 TNU dieser Branche etwa 28% bzw. 46% des gesamten Branchenumsatzes weltweit.

In der Telekommunikationsbranche kam es in den Industrie- wie in den Entwicklungsländern im abgelaufenen Jahr zu einer Vielzahl von großen Übernahme- und Fusionstransaktionen. In den Entwicklungsländern kamen dabei den Privatisierungen von Staatsunternehmen eine besondere Bedeutung zu. Größere Investitionen fanden unter anderem in Brasilien, Peru, Venezuela, Mexiko, der Tschechischen Republik und Kasachstan statt.

Unternehmenszusammenschlüsse und –akquisitionen dominieren Direktinvestitionen innerhalb der Industrieländer

Die ADI-Zuflüsse in die Vereinigten Staaten stiegen um $90 Mrd. auf $276 Mrd. im letzten Jahr (Tabelle 4). Die Investitionen ausländischer TNU sind unter anderem durch das starke volkswirtschaftliche Wachstum in den USA motiviert. Der größte Anteil der ADI-Zuflüsse fand in Form von Fusionen und Akquisitionen statt. Britische Unternehmen waren der größte Investor in den Vereinigte Staaten und gemeinsam mit der Europäischen Union für über 80% aller grenzüberschreitenden Akquisitionen und Zusammenschlüsse 1999 verantwortlich. Nach einem Rückgang 1997 und 1998 stiegen japanischen Direktinvestitionen in die USA um $13 Mrd. im vergangenen Jahr, vergleichbar dem Niveau in 1996.

Die gesamten ADI-Zuflüsse im Jahr 1999 in die Industrieländer erreichten $636 Mrd. (gegenüber $481 Mrd. 1998). Gleichzeitig stiegen die ADI-Abflüsse aus den Industrieländern um $732 Mrd. (gegenüber $652 Mrd.; Tabelle 5). Der grö8 te Anteil der ADI in den Industrieländern wurde in Form von grenzüberschreitenden Zusammenschlüssen und Übernahmen durchgeführt. Westeuropäische Unternehmen verkauften 1999 Firmen im Gesamtwert von $354 Mrd. Die Neuübernahmen erreichten gleichzeitig einen Wert von $519 Mrd. Die Differenz zwischen Erwerb und Veräußerung erklärt sich zu einem Gutteil durch die beträchtlichen britischen Unternehmensübernahmen in den Vereinigten Staaten.

Tabelle 4. ADI-Zuflüsse in ausgewählten Industrieländern, 1998 und 1999 (Millionen U.S. Dollar)

Land

1998

1999

Industrieländer insgesamt

480,638

636,449

Vereinigte Staaten

186,316

275,533

Großbritannien

63,649

82,182

Schweden

19,560

59,968

Frankreich

29,495

39,101

Niederlande

41,682

33,785

Deutschland

21,163

26,822

Kanada

21,705

25,061

Irland

8,579

18,322

Belgien & Luxemburg

22,691

15,862

Japan

3,192

12,741

Spanien

11,863

9,355

Dänemark

6,716

7,454

Quelle: UNCTAD, World Investment Report 2000: Cross-border Mergers and Acquisitions and Development, Graphik II.2., p. 32
Tabelle 5. ADI-Abflüsse aus ausgewählten Industrieländern, 1998 und 1999 (Millionen U.S. $)
Land

1998

1999

Industrieländer insgesamt

651,873

731,765

Großbritannien

119,018

199,289

Vereinigte Staaten

146,052

150,901

Frankreich

45,471

107,952

Deutschland

91,159

50,596

Niederlande

51,373

45,858

Spanien

19,042

35,414

Belgien & Luxemburg

28,845

24,928

Japan

24,152

22,743

Schweden

24,365

19,549

Schweiz

16,633

17,916

Kanada

31,286

17,816

Dänemark

3,955

8,214

Norwegen

2,546

5,420

Quelle: UNCTAD, World Investment Report 2000:Cross-border Mergers and Acquisitions and Development, Tabelle II.1., p. 30.

Die wichtigsten europäischen Trends

Britische Unternehmen tätigten 1999 Direktinvestitionen in Höhe von $199 Mrd. Gro8 britannien war somit weltweit der wichtigste Auslandsinvestor, gefolgt von den Vereinigten Staaten mit $151 Mrd. Die EU behauptete auch in diesem Jahr wieder ihren Platz als größte ADI-Quelle weltweit. Die ADI-Ströme aus der EU ins Ausland stiegen 1999 zum sechsten Mal in Folge. Großbritannien, gefolgt von Frankreich, Deutschland, sowie den Niederlanden, war alleine für 39% der gesamten Auslandsinvestitionen der Europäischen Union verantwortlich. Dänemark, Frankreich und Spanien konnten den größten Anstieg an Direktinvestitionen (DI) ihrer Unternehmen im Ausland verbuchen, während die DI finnischer, italienischer und deutscher Firmen im Ausland im Vergleich zu Vorjahr merklich sanken.

Die Entwicklung der europäischen ADI war mehr denn je gekennzeichnet durch Unternehmenszusammenschlüsse und -akquisitionen. Der Wert der während des ganzen Jahres 1999 übernommenen Firmen stieg um 75% auf $498 Mrd., während gleichzeitig der Wert der verkauften europäischen Unternehmen um 83% auf $345 Mrd. zulegte. Dabei waren Unternehmen aus der Europäische Union für fast die Hälfte aller weltweiten grenzüberschreitenden Verkäufe sowie für 70% aller Übernahmen und Fusionen verantwortlich. Unternehmen aus der EU waren auch, bis auf eine Ausnahme, in jeder der 10 größten Transaktionen 1999 involviert.

Die Dynamik der grenzüberschreitenden ADI-Ströme in Europa ist zumindest teilweise eine Reaktion auf die fortschreitende Integration und Liberalisierung der europäischen Volkswirtschaften. Laut WIR 2000, ist eine Einschätzung des Einflusses des Euro auf die ADI schwierig. Allerdings sei es wahrscheinlich, daß es auch von dieser Seite einen Einfluss auf die Umstrukturierung der europäischen Unternehmenslandschaft geben werde. Schließlich werde erwartet, dass die neue Gemeinschaftswährung zu verbesserter Preistransparenz und damit auch zu einer höheren Wettbewerbsintensität im “EURO-Land“ führen werde, was wiederum den Konsolidierungsdruck auf die Unternehmen weiter erhöhen könnte.

Mehr Direktinvestitionszuflüsse nach Japan

Die Anzahl und der Wert der ADI-Vorhaben in Japan ist im letzten Jahr erheblich gestiegen. Japanische Direktinvestitionsströme ins Ausland sind allerdings um 6% auf $23 Mrd. gesunken, während sich die ADI-Zuflüsse nach Japan vervierfacht haben und $13 Mrd. in 1999 erreichten. Diese Entwicklung reflektiert den strategischen Wandel in japanischen Unternehmen, die vermehrt Gebrauch machen von Unternehmenszusammenschlüssen und –akquisitionen zur Belebung und Restrukturierung ihrer Unternehmensaktivität. Dieser Trend wird durch jüngste Regierungsinitiativen noch unterstützt. “Dies ist ein bemerkenswerter und überraschender Wandel, denn noch vor einigen Jahren hatten Auslandsinvestoren den japanischen Markt als besonders schwer zugänglich angesehen“, kommentiert der Bericht.

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1 Unter einer “ausländischen Direktinvestition“ (ADI) versteht man eine grenzüberschreitende Investition, die von einer Unternehmung mit dem Ziel getätigt wird, Einfluss auf das Management einer Unternehmung in einem anderen Land zu gewinnen. ADI beinhalten im allgemeinen eine langfristige Beziehung, die ein nachhaltiges Interesse des Investors an einem ausländischen Unternehmen widerspiegelt.

2 “Transnationale Unternehmung“ (TNU) bezeichnet ein Mutterunternehmen und dessen ausländische Tochtergesellschaften: ein Mutterunternehmen ist ein Unternehmen, das über einen mindestens 10-prozentigen Anteil am Eigenkapital oder den Stimmrechten eines Unternehmens in einem Land außerhalb des Heimatlandes verfügt mit der Zielsetzung, Einfluss auf das Management dieses Unternehmens auszuüben.

3 Der World Investment Report 2000: Cross-border Mergers and Acquisitions and Development (Verkaufsnummer E.00.II.D.20, ISBN 92-1-112490-5) kann erworben werden zum Preis von US$ 49, sowie zum Sonderpreis von US$ 19 in Entwicklungsländern und Transformationsländern, bei United Nations Publications, Sales Section, Palais des Nations, CH-1211 Geneva 10, Schweiz, Fax: (+41 22) 917 0027, E-mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. , Internet: http://www.un.org/publications; oder bei United Nations Publications, 2 UN Plaza, Room DC2-853, Dept. PRES, New York, N.Y. 10017, USA; Tel (+1 212) 963 83 02 oder (+1 800) 253 96 46, Fax: (+1 212) 963 34 89, E-mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. . Eine CD-ROM-Version des Reports wird vermutlich ab Dezember 2000 erhältlich sein.

4 Die Zahlen bezüglich der weltweiten ADI-Zuflüsse und -Abflüsse können aufgrund von Unterschieden in der statistischen Erfassung und Bewertung voneinander abweichen. 

5 Der heutige Bericht weist auch hin auf die Problematik eines Vergleichs des Jahreswerts grenzüberschreitender Akquisitionen und Unternehmenszusammenschlüsse mit dem Betrag der ADI, die in Form von Neuinvestitionen getätigt werden. Da viele Akquisitionen und Unternehmenszusammenschlüsse ganz oder teilweise auf dem lokalen Markt finanziert werden, oder die Zahlungen über einen Zeitraum von mehreren Jahren gestreckt werden, sind die beiden Werte nur bedingt vergleichbar. Obwohl Übernahmen und Zusammenschlüsse traditionell insbesondere zwischen Industrieländern stattfinden, gewinnen sie mittlerweile auch in Entwicklungsländern zunehmend an Bedeutung.

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Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an: Karl P. Sauvant, Officer-in-Charge, Division on Investment, Technology and Enterprise Development, UNCTAD, Tel: (+41 22) 907 5707, Fax: (+41 22) 907 0194, E-mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ; oder Erica Meltzer, Press Officer, Tel: (+41 22) 907 5365 / 5828, Fax: (+41 22) 907 0043; E-mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. . Diese Pressemitteilung und Auszüge aus dem Bericht sind unter folgender Adresse im Internet abrufbar: http://www.unctad.org/  

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