Samstag, 25 November 2017
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Vorstellung des UNCTAD-Weltinvestitionsberichtes 2000

UNIC/290

BONN/GENF, 2. Oktober (UNCTAD) – Der Weltinvestitionsbericht 2000 der Handels- und Entwicklungskonferenz der Vereinten Nationen (UNCTAD) erscheint in einer Zeit, in der wirtschaftliche Globalisierungsprozesse in einem noch bis vor einigen Jahren ungeahnten Maß an Dynamik gewonnen haben. Bezeichnend für diese Dynamik ist, dass die weltweiten grenzüberschreitenden Firmenzusammenschlüsse und -übernahmen, einschließlich der Verkäufe von ehemaligen Staatsbetrieben an ausländische Investoren, an Zahl und Volumen stetig ansteigen und neue Rekordwerte erreichen.

Die weltweiten Umsätze von transnationalen Unternehmen (TNU) entsprechen mittlerweile dem Doppelten der Weltexporte. Dies bedeutet, dass ausländische Direktinvestitionen (ADI) zu einem wichtigeren Vehikel für Unternehmen geworden sind um ihre Produkte auf ausländischen Märkten abzusetzen als der Export ihrer Waren und Dienstleistungen in diese Märkte. Zusätzlich sind die ADI zur wichtigsten externen Finanzierungsquelle für die Entwicklungsländer geworden. Wie die jüngste Entwicklung in Asien bewiesen hat, weisen sie darüber hinaus selbst in Krisenzeiten – auch im Vergleich zu anderen Investitionsarten wie etwa Portfolioinvestitionen – eine bemerkenswerte Stabilität auf.

Der Weltinvestitionsbericht 2000 der UNCTAD, den wir Ihnen heute präsentieren, ist der zehnte Bericht seiner Art. Er ist reich an Daten und Analysen zum Thema internationale Direktinvestitionen und beinhaltet in diesem Jahr auch eine eingehende Analyse des weltweiten Fusionsphänomens.

Die weltweiten ADI haben beeindruckende Dimensionen erreicht. Dieser Prozess ist durch die weltweiten Liberalisierungen in den Bereichen Handel, Technologie, Informations-, Kapital- sowie Personenverkehr geschürt worden. Er wird auch getragen durch die Bestrebungen von Unternehmen, globale Produktionsnetzwerke zu kreieren. Dabei vertrauen sie in immer stärkerem Maß auf Zusammenschlüsse mit und Übernahmen von bestehenden Unternehmen. In der Tat kann man, zumindest ansatzweise, vom Entstehen eines globalen Marktes für Unternehmen sprechen, auf dem immer mehr Unternehmen den Besitzer wechseln. Diese Transaktionen sind Bestandteil von Restrukturierungs- und Konsolidierungsprozessen ganzer Industriebranchen auf regionaler wie auch auf globaler Ebene.

Der gegenwärtige ADI-Boom lässt sich als Kombination von liberaler Wirtschaftspolitik und globalen Unternehmensstrategien der TNU erklären. Die ADI-Zuflüsse in die Industrieländer stiegen 1999 gegenüber dem Vorjahresniveau um $150 Milliarden auf insgesamt $630 Milliarden. Die Entwicklungsländer verzeichneten im gleichen Zeitraum eine Zunahme von $30 Milliarden auf $210 Milliarden. Die weltweiten Zuflüsse an ADI zusammengenommen stiegen 1999 um $200 Milliarden auf den Rekordwert von $865 Milliarden. Diese Summe entspricht dem Vierfachen des Durchschnittwertes für die Jahre 1988 bis 1993. Möglicherweise steigen in diesem Jahr die weltweiten ADI-Ströme sogar erstmals über die 1-Billionen-Grenze. Das wäre das Dreifache des Vergleichswertes von 1995. UNCTAD schließt daraus, dass sich der Prozess zunehmender weltwirtschaftlicher Verflechtung weiter fortsetzt. Dies beinhaltet unter anderem auch einen zunehmend intensiveren Unternehmenswettbewerb, was wiederum den Trend zu Unternehmensübernahmen und -zusammenschlüssen weiter anheizen wird. Nach den neuesten Schätzungen der UNCTAD gibt es mittlerweile über 60.000 transnationale Unternehmen mit insgesamt über 700.000 Auslandsfilialen.

WIR 2000 gibt einen umfassenden Überblick über die komplexe Natur des Phänomens der Unternehmensfusionen und –übernahmen und die Gründe für ihre starke Zunahme. Ganz offensichtlich sind viele dieser Transaktionen letztlich dadurch motiviert, dass Unternehmen im globalen Wettbewerb bestehen müssen. Dieser Wettbewerbsdruck ist so stark, dass selbst die mit solchen Transaktionen verbundenen Risiken, wie etwa sinkende Aktienkurse, in Kauf genommen werden. Daher sind auch mehr Unternehmen denn jemals zuvor in solche Übernahmen und Fusionen involviert. Dies gilt im übrigen für Industrie- und Entwicklungsländer gleichermaßen.

Vor diesem Hintergrund sind sich viele Unternehmen bewusst, dass sie zur Festigung ihrer Wettbewerbsposition in den Märkten, in denen sie aktiv sind, ein Portfolio von ortsgebundenen Wettbewerbsvorteilen (sog. “locational assets“) aufbauen müssen. Dabei agieren sie oft in oligopolistischen Märkten mit nur einer Handvoll von Wettbewerbern. Übernahmen werden als strategisch notwendige Schritte empfunden im Zusammenhang mit entweder schon durchgeführten oder geplanten Zusammenschlüssen der Konkurrenten. Da viele Unternehmensmanager ein noch stärkeres Anwachsen des Wettbewerbsdrucks im Falle des Zusammenschlusses von Konkurrenten erwarten, werden auch Unternehmen, die an sich nicht unbedingt zu Fusionen oder Übernahmen neigen, trotz allem zu solchen Überlegungen gedrängt. Dies geschieht oft aus der Angst heraus, sonst selbst das Ziel einer Übernahme zu werden.

Für Entwicklungsländer ergibt sich daraus die grundsätzliche Frage, ob ADI in der Form von Unternehmensübernahmen und -zusammenschlüssen, die einheimische Firmen berühren von ihrem Entwicklungsbeitrag anders zu beurteilen sind als ADI, die zu Neugründungen führen. Diese Frage ist für eine Institution wie UNCTAD, die sich speziell mit Entwicklungsfragen beschäftigt von zentraler Bedeutung.

WIR 2000 dokumentiert eindrücklich die Bedeutung und den Einfluss von TNU auf die Weltwirtschaft. Die 100 größten MNU der Welt, die im übrigen fast alle ihren Sitz in Industrieländern haben, kommen für einen beträchtlichen Anteil des gesamten ausländischen Investitionskapitals auf. Die schiere Größe vieler dieser Unternehmen sowie ihre beträchtlichen Marktanteile legen Fragen bezüglich möglicher Einschränkungen des Wettbewerbs in nationaler wie in internationaler Hinsicht nahe.

Im WIR 2000 werden die kurz- wie langfristigen Effekte von Neuinvestitionen und ADI in der Form von Fusionen oder Übernahmen sorgfältig gegeneinander abgewogen werden. Der Bericht analysiert insbesondere die Auswirkungen auf Beschäftigung, Kapitalflüsse, Forschung&Entwicklung sowie Wettbewerb. Der Report kommt zu dem Ergebnis, dass es in diesen Bereichen eine Reihe von Unterschieden zwischen den beiden Investitionsformen gibt. Generell scheinen die Neuinvestitionen einen größeren und wachstumsfördernden Einfluss auf die jeweiligen Gastländer, in denen die Investitionen stattfinden, zu haben. Unter besonderen Umständen können Fusionen und Übernahmen jedoch auch einen positiven Effekt haben: dies gilt vor allem in finanziellen oder wirtschaftlichen Krisenzeiten, wenn Entwicklungsländerfirmen Partner oder neue Eigentümer suchen oder im Falle von Privatisierungen, wenn ADI in ehemaligen Staatsbetrieben zu Effizienzerhöhungen führen und somit deren Überleben zu sichern helfen.

Der Bericht unterstreicht, dass der Entwicklungsbeitrag der Fusionen oder Übernahmen insgesamt in entscheidendem Maß von der Ausgestaltung des wirtschaftspolitischen Rahmens im Gastland abhängt. Wirtschaftspolitische Maßnahmen, so UNCTAD, müssen sicherstellen, dass die Gastländer einen maximalen Nutzen aus den ADI, einschließlich der grenzüberschreitenden Übernahmen, ziehen. Ein Schlüsselrolle kommt dabei der Wettbewerbspolitik zu, da Fusionen und Übernahmen wettbewerbsgefährdende Konsequenzen haben können.

In diesem Zusammenhang betont UNCTAD, dass eine effektive Wettbewerbspolitik heute nicht mehr an nationalen Grenzen halt machen kann. Dies zeigten jüngste Beispiele sogenannter “Megafusionen“ a la Vodafone und Mannesmann, Deutsche Telekom und Voicestream bzw. Worldcom/MCI und Sprint.

WIR 2000 unterstreicht daher die Bedeutung der Kooperation zwischen nationalen Wettbewerbsbehörden auf bilateraler, regionaler wie auch auf multilateraler Ebene. Internationale Zusammenarbeit ist besonders wichtig im Falle von grenzübschreitenden Fusionen und Übernahmen, die globale Auswirkungen haben. Dies gilt insbesondere für viele kleinere Entwicklungsländer, die gar nicht über die notwendigen Ressourcen verfügen, um die Auswirkungen solcher Transaktionen in angemessener Weise zu analysieren.

Abschließend stellt WIR 2000 fest, dass der fortschreitende Globalisierungsprozess zunehmend der Begleitung durch wirtschaftspolitische Rahmensetzungen bedarf. Dies sei notwendig, um die positiven Aspekte der Globalisierung zu stärken und die negativen Effekte gleichzeitig weitmöglichst einzugrenzen. In bezug auf Wettbewerbspolitik wird es zum Beispiel immer vordringlicher, zu verhindern, dass wettbewerbsbehindernde Praktiken von Unternehmen an die Stelle der regulativen Barrieren treten, die von staatlicher Seite im Zuge der Liberalisierungsprozesse in den letzten Jahren gerade erst abgebaut wurden. Daher gilt, gerade auch für Entwicklungsländer, dass alle Bemühungen, Zuflüsse von ADI zu verstärken - auch und gerade in der Form von Übernahmen einheimischer Unternehmen durch ausländische Firmen - immer begleitet sein sollten durch Maßnahmen, die sicherstellen, dass der Wettbewerb gewährleistet bleibt.

Schlussendlich bedarf der im Entstehen begriffene “Weltmarkt für Unternehmen“ eines globalen wettbewerbspolitischen Ansatzes, der vor allem auch den speziellen Interessen und den Bedingungen in den Entwicklungsländern Rechnung trägt.

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