Freitag, 24 November 2017
UNRIC logo - Deutsch
                

Generalsekretär Kofi Annan: „Wir alle müssen uns dem Kampf gegen Folter und für Gerechtigkeit anschließen“

UNIC/270

Erklärung zum Internationalen Tag zur Unterstützung der Opfer von Folter, 26. Juni 2000

NEW YORK, 21. Juni 2000 – In diesem Jahr wird der Internationale Tag zur Unterstützung der Opfer von Folter zum dritten Mal begangen. Die UNO-Generalversammlung hat den Tag am 12. Dezember 1997 ausgerufen, um auf das Problem der Folter aufmerksam zu machen und die Abschaffung der Folter weltweit voranzutreiben. Anlässlich dieses Tages hat Generalsekretär Kofi Annan folgende Erklärung veröffentlicht:

Folter ist nicht nur eine der niederträchtigsten Taten eines Menschen gegen einen anderen, sie zählt auch zu den heimtückischsten Menschenrechtsverletzungen. Aber allzu oft wird die Folter verheimlicht – abgesehen von denjenigen, die in nahegelegenen Gefängnissen kauern und ihre nächsten Opfer sein könnten. Oft schämen sich die Opfer zu stark oder sind zu traumatisiert, um von ihren Erlebnissen zu sprechen, oder setzen sich weiterer Gefahr aus, wenn sie dies tun. Und oft erliegen sie ihren Verletzungen. Die Täter dagegen werden durch konspiratives Schweigen geschützt und durch die rechtlichen und politischen Mechanismen der folternden Staaten. Und wenn Berichte über Folterungen ans Licht kommen, gibt es immer diejenigen, die einwenden, dass eine Untersuchung unnötigerweise längst vergangene Schrecken ausgraben wird und dass eine gerichtliche Verfolgung eine Gesellschaft und insbesondere eine nicht gefestigte Demokratie destabilisieren könnte. Folglich gibt es die Folter als Mittel der Unterdrückung weiterhin; folglich geht von der Folter ein klares und bewusstes Signal zur Einschüchterung der Öffentlichkeit aus, vor allem der mutigen Anwälte, Journalisten, Nichtregierungsorganisationen und anderen, die versuchen, sich gegen Übergriffe zu verteidigen; folglich entsteht ein Gefühl von Straflosigkeit.

Und genau deshalb muss die internationale Gemeinschaft im Kampf gegen die Folter standhaft bleiben Genauso selbstverständlich wie die Vereinten Nationen für Frieden und Entwicklung stehen, treten die Vereinten Nationen auch für die Freiheit von Folter und von anderen grausamen, unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlungen oder Strafen ein und für die strafrechtliche Verfolgung derjenigen, die solche schweren Verbrechen begehen.

Der Kampf wird an vielen Fronten geführt. Rechtlichen Schutz bieten die Charta der Vereinten Nationen, die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, der Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte sowie, in besonderem Maße, die Anti-Folterkonvention. Das Römische Statut über den Internationalen Strafgerichtshof beschreibt Folter als ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Erziehung ist ein anderer Pfeiler der Kampagne zur Ausrottung der Folter. Die technischen Hilfsprogramme der Vereinten Nationen helfen Ländern eine Infrastruktur auf nationaler Ebene zum Schutz und zur Förderung der Menschenrechte aufzubauen. Gleichzeitig werden Angestellte im öffentlichen Dienst wie Polizisten und Justizbeamte, die Verantwortung für die Achtung der Menschenrechte tragen, weitergebildet. Darüber hinaus arbeitet der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte immer enger mit verschiedenen UNO-Gremien zusammen, wie z.B. dem Ausschuss gegen Folter, dem Sonderberichterstatter und der Kommission für Verbrechensverhütung und Strafrechtspflege der Vereinten Nationen.

Während wir dafür kämpfen, Folter in der Zukunft zu verhüten, müssen wir alles, was in unserer Macht steht, für die Opfer tun. 1999 flossen über den Freiwilligen Fonds der Vereinten Nationen für Folteropfer mehr als fünf Millionen US-Dollar an 130 Organisationen, die weltweit 60.000 Opfern rechtliche, humanitäre oder andere Hilfe gewähren. Der Fonds enthält nur freiwillige Mittel und ist mit einer steigenden Zahl von Anträgen konfrontiert. Ich rufe Regierungen sowie private Organisationen, Institutionen und Einzelpersonen dazu auf, sofort und großzügig in den Fonds einzuzahlen.

Wir alle müssen uns dem Kampf gegen Folter und für Gerechtigkeit anschließen. Da wir weiter daran arbeiten, eine internationale Gemeinschaft mit gemeinsamem Handeln, Verantwortung und Gewissen aufzubauen, lohnt es sich, sich an eine Frage zu erinnern, die Fjodor Dostojewski in seinem Buch „Die Brüder Karamasow“ gestellt hat: „Stell Dir vor, dass Du eine Fabrik des menschlichen Schicksals baust, mit dem Ziel, Menschen am Ende glücklich zu machen, indem man ihnen Frieden und Ruhe gibt, aber bei dem es essentiell und unvermeidbar ist, ein einziges kleines Wesen zu Tode zu foltern…würdest Du einwilligen, der Architekt unter diesen Bedingungen zu sein?“ Unsere emphatische, eindeutige Antwort muss „Nein!“ lauten, denn die Fabrik des menschlichen Schicksals muss im 21. Jahrhundert auf der Würde und den Menschenrechten für alle aufgebaut werden.

Praktikant/-in für Bonner UNRIC-Büro gesucht

UNRIC bietet im Bonner Büro ein 8- bis 12-wöchiges Praktikum ab Mai 2018 an.
Bewerber/-innen sollten sich noch im Studium befinden, oder vor kurzem ihr Studium beendet haben und erste Erfahrungen in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit oder im Journalismus besitzen.
Sehr gute Englisch- und Deutschkenntnisse sind Voraussetzung. Das Praktikum ist unbezahlt.
Bitte senden Sie Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen an:
[email protected]

UNRIC Verbindungsbüro in Deutschland, Bonn
Tel.: +49 (0)228 / 815-2773 / 2774
Fax: +49 (0)228 / 815-2777

UN Card 2016 DE 250px front