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Die Armut kann bis 2015 entscheidend gesenkt werden

UNIC/266

Gemeinsamer Bericht von UNO, Weltbank, IWF und OECD fordert mehr Mittel für Gesundheit, Bildung, Gleichstellung der Geschlechter und ökologisch nachhaltige Entwicklung

GENF, 26. Juni 2000 – Die weltweite Armut kann bis zum Jahre 2015 entscheidend gesenkt werden, wenn sowohl die Entwicklungsländer als auch die Industriestaaten ihrer Verpflichtung nachkommen, die Ursachen der Armut energisch zu bekämpfen, heißt es in einem neuen Bericht, der heute in Genf veröffentlicht wurde.

Generalsekretär Kofi Annan präsentierte den Bericht unter dem Titel „Eine bessere Welt für alle“ zur Eröffnung der Sondertagung der Generalversammlung der Vereinten Nationen über soziale Entwicklung, die sich vordringlich um Strategien zur Bekämpfung der Armut bemühen wird. Am gleichen Tag stellten die stellvertretende Generalsekretärin der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Sally Shelton-Colby, und die stellvertretende UNO-Generalsekretärin Louise FrÈchette den Bericht auf dem OECD 2000 Forum in Paris vor.

Der Bericht ruft Entwicklungsländer wie Industriestaaten auf, sich für ein nachhaltiges Wachstum einzusetzen, das die Armen begünstigt. Insbesondere sollen die Länder weltweit mehr Mittel für Gesundheit, Bildung, Gleichstellung der Geschlechter und eine ökologisch nachhaltige Entwicklung zur Verfügung stellen.

Als Mitautoren zeichnen die Vereinten Nationen, die Weltbank, der Internationale Währungsfonds und die OECD für den Bericht verantwortlich. Damit haben diese vier internationalen Organisationen erstmals zusammen eine Bewertung des bisherigen Fortschritts zur Senkung der Armut vorgenommen und eine gemeinsame Vision von der künftigen Vorgehensweise vorgelegt.

Der Bericht konzentriert sich auf sieben verwandte Entwicklungsziele, die auf den Weltkonferenzen der 90er Jahre festgelegt worden waren und die, wenn sie umgesetzt werden, in den nächsten 15 Jahren zu einer wesentlichen Verbesserung des Lebens für Millionen Menschen führen werden: Die Halbierung der Zahl der Menschen, die von weniger als einem Dollar pro Tag leben müssen; der Grundschulbesuch für alle Kinder; die Stärkung der Frauen durch die Beseitigung geschlechtsspezifischer Diskriminierung im Bildungswesen; die Senkung der Säuglings- und Kindersterblichkeit; die Senkung der Müttersterblichkeit; die Förderung des Zugangs zu reproduktiven Gesundheitsdiensten: und die Förderung einer ökologisch nachhaltigen Entwicklung.

Auf dem Weg zur Erreichung dieser Ziele hat es zwar Fortschritte gegeben, aber es muss noch viel mehr getan werden. Fortschritte sind nicht nur für jedes einzelne Ziel wichtig, die Ziele müssen auch gemeinsam verwirklicht werden, wenn man die vielen Ursachen der Armut wirklich ernsthaft bekämpfen will, heißt es in dem Bericht. Erfolge, die nur in dem einen oder anderen Bereich erzielt werden, haben nicht die erforderliche Durchschlagskraft.

„In den 90er Jahren haben die Weltkonferenzen der Vereinten Nationen wichtige Ziele für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung gesetzt“, betonte Generalsekretär Kofi Annan. „Alle Staaten, ob Entwicklungs- oder Industrieländer, haben sich oft auf höchster politischer Ebene zu dieser Agenda bekannt. Seither fragen sich die Menschen, ob die Welt diesen Verpflichtungen auch nachgekommen ist. Was hat funktioniert? Was nicht, und warum nicht? Und was können wir besser machen?“

„Dieser Bericht gibt dazu einige Antworten“, fuhr der Generalsekretär fort. „Er ist das Ergebnis einer bisher beispiellosen Zusammenarbeit von vier wichtigen multilateralen Organisationen. Und er trägt dem konkreten Wunsch der G-8 Länder nach einem solchen Bericht Rechnung, der die bisher weltweit erzielten Fortschritte bei der Senkung der Armut feststellt und ihnen als Richtschnur für ihre Partnerschaft mit den Entwicklungsländern dienen kann. Das Ergebnis ist ein gemeinsames Verständnis, eine Bewertung und ein Orientierungsplan für die Politik, mit deren Hilfe jetzt Fortschritte bei der Verbannung extremer Armut aus unserer Welt und bei der Verwirklichung der von den Weltkonferenzen im vergangenen Jahrzehnt festgelegten Ziele gemessen werden können.“

Der Bericht führt einige überraschende und bestürzende Fakten auf:

  • Während das Wachstum Mitte der 90er Jahre zunahm, ging der Anteil der Menschen, die von weniger als einem Dollar pro Tag leben müssen, zwar in Asien rapide zurück, aber in Afrika nur wenig oder überhaupt nicht. In Lateinamerika ist die ungleiche Einkommensverteilung nach wie vor ein Hindernis für den Fortschritt.
  • Mehr als 100 Millionen Kinder werden, wenn der bisherige Trend anhält, auch im Jahre 2015 keine Schule besuchen.
  • Die Kluft zwischen den Geschlechtern in den Grund- und Sekundarschulen verringert sich zwar, aber nicht rasch genug, um die angestrebte Beseitigung geschlechtsspezifischer Diskriminierungen im Bildungswesen bis zum Jahr 2005 zu erreichen.
  • Auf jedes Land, das seine Säuglings- und Kindersterblichkeit rasch genug senken konnte, um das gesetzte Ziel zu erreichen, entfallen 10, die hinter diesem Ziel zurückbleiben, und eines, in dem sich die Lage häufig infolge von HIV/Aids sogar noch verschlechtert hat,
  • Ausgebildete Pflegefachkräfte können bei Schwangerschaften und Geburten entscheidend dazu beitragen, um viele der 500.000 Todesfälle pro Jahr unter den schwangeren und gebärenden Frauen zu vermeiden.
  • In den 90er Jahren hat die Verwendung von Verhütungsmitteln in allen Regionen zugenommen, außer Afrika.
  • 1997 verfügten weniger als die Hälfte aller Länder der Welt über Strategien für ökologische Nachhaltigkeit.

Als wichtigste Hindernisse, die einem Erfolg entgegenstehen, nennt der Bericht unzureichende politische Maßnahmen, Menschenrechtsverletzungen, Konflikte, Naturkatastrophen, HIV/ Aids, ungleiche Einkommensverteilung, mangelnde Bildung und Gesundheitsfürsorge, sowie fehlende Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen. Die Bemühungen der Entwicklungsländer zur Verbesserung der Lebensbedingungen ihrer Bürger werden auch durch den mangelnden Zugang zu den globalen Märkten, die Schuldenlast, den Rückgang der Entwicklungshilfe und das manchmal widersprüchliche Verhalten der Geberländer ernsthaft behindert.

Es gibt kein einfaches Rezept, mit dem alle Ziele erreicht werden könnten. Aber ein größeres Engagement von Seiten der Industriestaaten wie der Entwicklungsländer sowie eine stärkere Stimme und mehr Wahlfreiheiten für die Armen könnten uns schon entscheidend voranbringen. Wirtschaftswachstum ist ein Teil der Lösung, aber als solches noch keine Garantie. Genauso wichtig sind mehr Investitionen in soziale Grundleistungen, die einen stärkeren Entwicklungseffekt erzielen und dafür Sorge tragen könnten, dass die Errungenschaften des wirtschaftlichen Fortschritts auch die ärmsten Menschen erreichen. Aufgeschlossenheit gegenüber Handel, Technologie und Wissen sowie die Fähigkeit, diese Chancen zu nutzen, können ebenfalls den Fortschritt für die Ärmsten beschleunigen.

Der hochaktuelle Bericht wird auch als gemeinsamer Beitrag der Vereinten Nationen, der Weltbank, des Internationalen Währungsfonds und der OECD zum G-8 Treffen am 22. Juli in Okinawa dienen. Er soll vor allem Unterstützung für einen größeren Einsatz der Regierungsvertreter aus rund 190 Ländern mobilisieren, die an der Sondertagung der Generalversammlung der Vereinten Nationen über soziale Entwicklung teilnehmen. Und er soll zu einem stärkeren Problembewusstsein in der Öffentlichkeit beitragen. „Eine bessere Welt für alle“ liegt zur Zeit in Englisch, Französisch und Spanisch vor. Der Bericht ist auch auf den Webseiten der vier Organisationen im Internet sowie unter www.paris21.org/betterworld abrufbar.

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Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an die Hauptabteilung Presse und Information der Vereinten Nationen (UN/DPI):

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