Donnerstag, 23 November 2017
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Freiburger Forum über Krisenmanagement befasst sich mit heiklen Themen

UNIC/263

Doppelspurigkeit der Mandate und Verzögerungen bei humanitären Aktionen

GENF 8. Juni 2000 (OCHA) -- Die vom UNO-Büro für die Koordination humanitärer Angelegenheiten (OCHA) am 15. und 16. Juni in Freiburg durchgeführte internationale Ministerkonferenz über Krisenmanagement wird sich mit Themen wie Koordinationsdefizit und Doppelspurigkeiten bei humanitären Aktionen nach Natur-, Industrie- und von Menschen herbeigeführten Katastrophen befassen.

Unter der Schirmherrschaft des Untergeneralsekretärs für Humanitäre Angelegenheiten der Vereinten Nationen, Sergio Vieira de Mello, und des Schweizer Außenministers Joseph Deiss, des Gastgebers dieses Forums, werden Minister und hochrangige Beamte aus Europa und den GUS-Staaten Mittel zur Lösung aktueller Schwierigkeiten bei der Hilfeleistung in Notlagen erörtern. Weitere hochrangige Teilnehmer werden auch aus Kanada, den USA, der Rotkreuzbewegung, der Europäischen Union, der NATO sowie von anderen regionalen zwischenstaatlichen Organisationen erwartet. Die Konferenz wird eine Reihe von Maßnahmen und Strategien vorschlagen, die in einen von 51 Regierungen und 37 Organisationen zu unterzeichnenden Aktionsplan eingehen sollen.

Mangelnde Koordination zwischen wichtigen regionalen Akteuren hat bei den jüngsten Notlagen in vielen Fällen die humanitären Hilfsaktionen beeinträchtigt. Wie mehrere Untersuchungen zeigen, wird Hilfe oft ohne vorgängige Rücksprache geleistet, was Mittelverschwendung, Nichtbeendigung von Projekten, häufige Verzögerungen und Nichtvergabe zweckbestimmter Gelder zur Folge hat. OCHA hat die Mitgliedstaaten darauf aufmerksam gemacht, dass neue politische Leitlinien erforderlich sind, wenn vermieden werden soll, dass die Mechanismen der humanitären Hilfe weiter an Effizienz verlieren, noch mehr Mittel vergeudet werden und Menschen unnötigerweise ums Leben kommen.

1999 betrafen zwölf der 75 weltweit eingetretenen Katastrophen Europa und die GUS-Staaten. Weltweit wurden im gleichen Jahr 500 Millionen Menschen von Natur- und Industriekatastrophen betroffen. Die ersten fünf Monate dieses Jahres machen deutlich, dass bei Krisen und Katastrophen in zunehmendem Masse wirksame Koordination und multilaterale Hilfsaktionen dringend erforderlich sind. Mosambik wurde von verheerenden Überschwemmungen heimgesucht, während in Westeuropa der Orkan Lothar wütete, der Menschenleben forderte und in weiten Teilen Frankreichs, Deutschlands und der Schweiz schwere Schäden anrichtete.

In Osteuropa gab es eine grenzüberschreitende Katastrophe mit unübersehbaren Folgen, als aus der rumänischen Goldmine Baia Mare Blausäure in einen Zufluss der Donau geriet und die Gesundheit und Umwelt Tausender von Menschen in Rumänien sowie in den Nachbarländern Ungarn, der Bundesrepublik Jugoslawien, Bulgarien und der Ukraine gefährdete.

OCHA erwartet, dass in den kommenden Jahren mehrere Trends dazu führen werden, dass sich noch mehr Menschen einer Katastrophengefahr ausgesetzt sehen werden. Eine zunehmende Anzahl von Menschen zieht in größere, dichter besiedelte und industrielle Agglomerationen. Die wachsende Komplexität industrieller Arbeitsabläufe und die Anzahl von Gemeinwesen, die von Kernkraft abhängen, bringen es mit sich, dass täglich mehr gefährliche Substanzen produziert werden.

In Bezug auf Naturkatastrophen gibt es in erdbebengefährdeten Regionen oder in Gebieten mit aktiven Vulkanen keinerlei Anzeichen, dass sich die dort wohnhaften Menschen freiwillig an einen sichereren Ort begeben wollen. Dabei hängt das Ausmaß einer Katastrophe von der jeweiligen Bevölkerungsdichte ab. Viele Staaten besitzen keine ausreichende Reaktionsfähigkeit und gehen in zunehmendem Maße davon aus, dass die Mitgliedschaft bei internationalen Organisationen in Krisenzeiten eine prompte Hilfeleistung gewährleistet.

Humanitäre Hilfe in Konfliktsituationen erfordert entsprechend der Komplexität der Situation vor Ort unterschiedliche Vorgehensweisen. Die Erfahrungen im Kosovo, wo die humanitären Organisationen vom Beginn der NATO-Operationen überrascht wurden, haben in dramatischer Weise verdeutlicht, wie wichtig es ist, dass die Hauptakteure ihre Nothilfe planen und koordinieren.

Ganz gleich, ob eine Krise durch eine Naturkatastrophe oder einen Konflikt ausgelöst worden ist – sie erfordert einen Maßnahmen- und Dialogprozess unter allen im humanitären Bereich Tätigen. Der politische Rahmen sowie die entsprechende Strategie und Vorgehensweise, die sich aus dem Forum Freiburg ergeben werden, können von den Vereinten Nationen zwar gefördert werden; zum Tragen kommen sie indes allein durch das gezielte Engagement und kohärente Aktionen der betroffenen Staaten.

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Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an: Donato Kiniger-Passigli (OCHA Genf), Tel. +41 22 917 26 53 oder an Marie-Marceline Kurmann (Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA), Tel. +41 31 323 15 13 

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