Mittwoch, 22 November 2017
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Weltforum für Bildung soll der Kampagne “Bildung für alle“ neuen Schwung geben

UNIC/252

Eine Reihe von Ländern hat in den letzten zehn Jahren bewiesen, dass ein starker politischer Wille den Traum von “Bildung für alle“ wahr werden lassen kann. Dies ist die entscheidende Botschaft des Weltforums für Bildung, das vom 26.- 28. April 2000 in Dakar, Senegal, stattfinden wird und an dem ca. 1000 nationale Bildungspolitiker teilnehmen werden.

Das Weltforum für Bildung soll der Bewegung “Bildung für alle“ neuen Schwung geben, der nötig ist, um die offensichtlichen Ungleichheiten im Bildungswesen abzubauen. Dem Forum wird ein globaler Bericht vorliegen, der das bislang genaueste und umfassendste Bild vom Zustand der Grundausbildung auf der Welt vermittelt. “Die gegenwärtige Bildungssituation ist inakzeptabel“, sagt Svein Osttveit, Exekutivsekretär des Forums “Bildung für alle“, einer 1990 gemeinsam von UNDP, UNESCO, UNFPA, UNICEF und der Weltbank ins Leben gerufenen Einrichtung. “Die Regierungen müssen die Bildungsfrage mit neuer Dringlichkeit angehen; es geht einfach darum, Prioritäten richtig zu setzen.“

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, und die Leiter mehrerer UNO-Sonderorganisationen werden an der Konferenz ebenso teilnehmen, wie nationale und internationale Bildungspolitiker, Nichtregierungsorganisationen (NGOs), Führungskräfte aus der Wirtschaft, Geldgeber und Lehrer und Erzieher aus mehr als 145 Ländern.

Die umfassendste Bildungsbestandsaufnahme in der Geschichte

Mehr als 180 Länder haben sich an den Vorbereitungen für das Forum durch ihre Mitwirkung an der EFA 2000-Studie beteiligt. Die Studie bietet eine umfangreiche und detaillierte Untersuchung der Situation der Grundbildung auf der Welt. Auf sechs regionalen Treffen wurden Ende 1999 und Anfang 2000 die Ergebnisse vorgestellt. Die nationalen Untersuchungen wurden durch 14 Fachstudien über Bildungsfragen von weltweiter Bedeutung, durch Umfragen über Schulleistung, Lernbedingungen und Lernen sowie durch zwanzig Fallstudien ergänzt. Auf der Grundlage der EFA 2000-Studie soll das Forum Ausbildungsstrategien festlegen, klare Ziele setzen und einen Handlungsrahmen vorgeben, um bis im Jahr 2015 allen Menschen eine Grundbildung zukommen zu lassen.

Starke Kontraste

Obwohl Schulbildung für viel zu viele Menschen noch immer ein unerfülltes Versprechen bleibt, sind einige Länder in den letzten 10 Jahren ein großes Stück vorangekommen.

  • Die Zahl der Kinder, die zur Schule gehen, ist erheblich gestiegen, von 599 Millionen im Jahr 1990 auf 681 Millionen im Jahr 1998.
  • Seit 1990 gehen jedes Jahr etwa 10 Millionen Kinder mehr zur Schule, was beinahe doppelt so viel ist wie im Durchschnitt zwischen 1980 und 1990.
  • Ostasien, der pazifische Raum, Lateinamerika und die Karibik haben fast das Ziel einer allgemeinen Grundschulbildung für alle erreicht.
  • Die Zahl der Kinder, die keine Schule besuchen, ist von 127 Millionen (1990) auf 113 Millionen (1998) zurückgegangen.

In Lateinamerika und der Karibik wurde beispielsweise die Zahl der Kinder, die keine Schule besuchen, halbiert, von 11,4 Millionen (1990) auf 4,8 Millionen (1998). Länder wie Bangladesch, Brasilien und Ägypten investieren fast sechs Prozent ihres Bruttosozialprodukts in die Bildung.

In China und Indien hat sich bereits gezeigt, wie wirksam Bildung – vor allem von Mädchen und Frauen – sein kann. Dort konnten beachtliche Fortschritte auf dem Weg zur allgemeinen Grundschulbildung gemacht werden. In diesen Ländern und in Bangladesch ist auch der größte Rückgang des Bevölkerungswachstums zu verzeichnen, was diesen Fortschritt erleichtert hat.

Die Zahl der Erwachsenen, die lesen und schreiben können, hat sich von 1,5 Milliarden (1970) auf 3,3 Milliarden (1998) mehr als verdoppelt. Aber während der Anteil aller alphabetisierten Erwachsenen auf 85 Prozent (bei Männern) bzw. 74 Prozent (bei Frauen) gestiegen ist, bleibt die Analphabetenrate, vor allem bei Frauen, einfach zu hoch. Mindestens 875 Millionen Erwachsene sind immer noch Analphabeten, zwei Drittel davon Frauen – das ist genau das gleiche Verhältnis wie vor 10 Jahren.

Die Kluft zwischen den Geschlechtern

Die Kluft zwischen den Geschlechtern bleibt nach wie vor eine entscheidende Hürde auf dem Weg zu einer “Bildung für alle“. Etwa 60 Prozent der Kinder weltweit, die nicht zur Schule gehen, sind Mädchen – eine Zahl, in der sich die zwei Drittel erwachsener Analphabeten, die Frauen sind, wiederfindet. Die Vereinten Nationen haben die Dringlichkeit des Problems erkannt und werden in Dakar eine neue weltweite Bildungsinitiative für Mädchen starten. Nach UNO-Generalsekretär Kofi Annan muss der erste Schritt darin bestehen, „dass die Gesellschaften erkennen, dass es zur Schulbildung von Mädchen keine Alternative gibt. Sie ist eine Notwendigkeit… Alle, in deren Macht es steht, Veränderungen herbeizuführen, müssen sich in einer Allianz für die Bildung von Mädchen zusammenschließen: Regierungen, fortschrittliche Freiwilligengruppen und vor allem Gemeinschaften, Schulen und Familien.“

Dank der Nichtregierungsorganisationen und der Bemühungen der lokalen Gemeinden ist die Zahl der Kinder in der Vorschulerziehung in den letzten zehn Jahren um fünf Prozent gestiegen. Das zeigt, dass die Idee, Ausbildung beginnt schon mit der Geburt, in vielen Gesellschaften Wurzeln fasst.

Afrika und Südasien sind die zwei Regionen, die noch am weitesten von dem Ziel „“Bildung für alle“ entfernt sind. Anhaltende Armut, Konflikte und HIV/AIDS haben tiefgreifende Auswirkungen auf ihr Erziehungswesen gehabt. Einige afrikanische Länder verwenden ein Drittel ihres nationalen Budgets für die Schulbildung, aber viele andere zahlen genauso viel für die Schuldenrückzahlung wie für Gesundheit und Ausbildung zusammen.

Bereiche mit Handlungsbedarf

Obwohl sich Bildungssysteme fast überall erweitert haben, zeigen die Ergebnisse, dass Qualität nicht automatisch durch Quantität zu erreichen ist. Die Disparitäten in der Bildungsqualität zwischen und innerhalb verschiedener Regionen der Welt sind immer noch beträchtlich. Die Erfolge in der Grundschulausbildung verdecken, dass es beim Bildungszugang in vielen größeren Ländern immer noch Disparitäten gibt. Sowohl Menschen in armen, ländlichen und (von der Zivilisation) entlegenen Gemeinschaften, als auch ethnische Minderheiten und indigene Bevölkerungsgruppen zeigen wenig bis keine Fortschritte auf. In Südasien und in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara erreichen weniger als drei von vier Schülern die fünfte Klasse. In den am wenigsten entwickelten Ländern erreichen wenig mehr als die Hälfte diese Bildungsebene und viele scheiden nach der ersten oder zweiten Klasse aus.

Die Situation der Lehrer erfordert besondere Aufmerksamkeit, da ihr Status, ihre Gehälter, Arbeitsbedingungen und Ausbildungsmöglichkeiten im letzten Jahrzehnt kaum verbessert wurden. Jedoch ist ohne motivierte, kompetente und engagierte Lehrer das Ziel “Bildung für alle“ nicht zu erreichen.

Von der Gesellschaft und Bildung ausgeschlossene Kinder und Jugendliche erfordern dringend Aufmerksamkeit. „Die Kinder zu erreichen, die sich am Rande der Gesellschaft befinden, ist eine schwere und kostspielige Aufgabe,“ sagt Osttveit. „Ihnen zu Bildung zu verhelfen, ist eine enorme Herausforderung, die mit viel Vorstellungsvermögen in Angriff genommen werden muss.“

Neue Herausforderungen

Neue Herausforderungen in der Bildungspolitik kamen in den 90er Jahren auf: Der Zusammenbruch des Kommunismus in Europa, revolutionäre Entwicklungen auf dem Gebiet der Kommunikations- und Informationstechnologie und die wachsende Globalisierung. Viele globale Trends, besonders die rapide Verbreitung des HIV/AIDS-Virus oder das Ausufern ethnischer Konflikte, wurden auf der Weltkonferenz für Bildung für alle in Jomtien vor zehn Jahren noch nicht vorrausgesehen. Zu den Prioritäten muss zählen: HIV/AIDS-Waisen in Bildungsstrategien einzubeziehen, für die steigende Zahl von Flüchtlingen und Vertriebenen Schulbildung zu ermöglichen, Lehrer zu motivieren und ihnen zu einem neuen Verständnis ihrer Rolle zu verhelfen und neue Technologien zu nutzten, von denen arme Bevölkerungsteile profitieren können. Die größte Herausforderung für die kommenden Jahre wird es sein, qualitative Bildung für alle bereitzustellen. Neue Partnerschaften mit Eltern, Lehrern und Gemeinschaftsgruppen werden dazu erforderlich sein, um dieses Ziel zu erreichen.

Armut ist der wichtigste Einzelfaktor, der erklärt, warum die Regierungen nicht in der Lage sind, die gesetzten Ziele zu erreichen. In einer Welt, in der 700 Millionen Menschen in hochverschuldeten Ländern leben, muss Armutsbeseitigung das Hauptziel der Bildungspolitik sein. Die Armut zu besiegen, ist wohl die gewaltigste Herausforderung.

„Nationale Politiker und Entwicklungsorganisationen müssen sich auf die Tatsache einstellen, dass hohe finanzielle Zuwendungen erforderlich sind, um das Ziel “Bildung für alle“ zu erreichen,“ warnt Osttveit. „Sie müssen auch die Tatsache ernst nehmen, dass die vorhandenen Mittel nicht effektiv genutzt werden.“

Der neue Aktionsplan, der von dem Treffen in Dakar angenommen werden soll, wird höhere Zuwendungen für den Bildungsbereich fordern, wobei den afrikanischen Ländern südlich der Sahara und Südasien besondere Aufmerksamkeit zukommen muss. „Ohne erneuertes politisches Engagement für die Grundausbildung, wird das Ziel “Bildung für alle“ immer außer Reichweite bleiben“, sagt Osttveit. „Kein Land, mit einer Vision, mit einem profunden Bildungsplan und der Verpflichtung, Bildung für alle bereitzustellen, darf durch mangelnde Finanzmittel davon abgehalten werden, seine Strategien in die Tat umzusetzen.“ 

Das Weltforum für Bildung wird vom Internationalen Konsultativen Forum “Bildung für alle“ organisiert. Diesem Forum wird vom 24. - 25. April, ebenfalls in Dakar, eine internationale Konsultation von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) vorausgehen. Das Forum findet zehn Jahre nach der Weltkonferenz für Bildung für alle in Jomtien, Thailand statt. Damals hatten sich 155 Regierungen und 150 Organisationen das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2000 allen Kindern eine Grundschulausbildung zu ermöglichen und das Analphabetentum unter Erwachsenen um die Hälfte zu reduzieren.

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Bildung für alle Forum: Tel: (+33) (0) 1 45 68 23 64, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. , Website: www.education.unesco.org/efa

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