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UNEP/OCHA-Bericht zum Zyanid-Unfall warnt vor chronischen Verschmutzungsrisiken in Osteuropa

UNIC/251

GENF, 19. April 2000 (UNEP) -- Einem Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) und des UNO-Büros für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) zufolge, wurde der Zyanid-Unfall am 30. Januar 2000 durch eine Fehlkonstruktion der industriellen Anlage, schlechte Betriebsbedingungen und schlechtes Wetter verursacht.

Bei dem Unfall in Baia Mare, Rumänien, war Abwasser aus einem Auffangbecken des australisch-rumänischen Bergwerks Aurul S.A. ausgetreten und in die Flüsse Lapus, Szamos, Theiß und Donau gespült worden. Etwa 50 bis 100 Tonnen Zyanid und andere Schwermetalle waren in das gemeinsam von Ungarn, Rumänien und Jugoslawien genutzte Flusssystem geschwemmt worden.

Der Bericht ruft dazu auf, das Verhältnis zwischen Umweltrisiken und den Profiten des Bergwerks neu zu bewerten und eine Risikoprüfung des gesamten Systems der Wiederverwertung von Abfallmaterial alter Minen durchzuführen, mit dem auch Aurul arbeitet.

Darüber hinaus macht der Bericht wichtige Vorschläge, um derartige Vorfälle in Zukunft zu verhindern. Bereits existierende Notfallprogramme sollten daraufhin überprüft werden, ob sie ein Schnellwarn- und Eingreifsystem gewährleisten könnten. Da das Bergwerk vor dem Unfall bereits als Unternehmen mit “generellem“ Risikopotential eingestuft worden war, waren gesonderte Kontrollen und Notfallprogramme bisher nicht erforderlich. Der Bericht regt an, dass Kontrollen zukünftig nach den Richtlinien der Konvention zu grenzüberschreitenden Auswirkungen von Industrieunfällen (Annex VII, Artikel 8) durchgeführt werden. Außerdem solle Rumänien dieser Konvention beitreten.

“Aufbauend auf unserer bisherigen Arbeit, wird UNEP eine Revision der Anlagen- und Betriebsrichtlinien in der Minen- und Bergbauindustrie vorantreiben“, sagte UNEP-Exekutivdirektor Klaus Töpfer. “Wir müssen gewährleisten, dass die Industrie in positivem Masse zu einer nachhaltigen Entwicklung einzelner Staaten beiträgt und das Risiko für die ansässige Bevölkerung und die Umwelt auf ein Minimum zu reduzieren.“

Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass die unmittelbare Gefahr für die Gesundheit der Bewohner in den betroffenen Gebieten minimal sei, weil ausreichende Gegenmaßnahmen getroffen worden seien. Er weist jedoch darauf hin, dass langfristig chronische Gesundheitsprobleme auftreten könnten, vor allem weil der Unfall in einer Gegend passierte, die aufgrund langjähriger Metallförderung bereits durch Schwermetalle verseucht sei. Eine große Anzahl von schlecht gewarteten und geführten Bergwerken sowie häufig undichte Auffangbecken mit giftigen Chemikalien sind für die chronische Verschmutzung der Region verantwortlich.

Der Bericht moniert, dass die Menschen an den Flussunterläufen der betroffenen Anrainerstaaten nicht ausreichend über die Risiken der Minen- und Industrieaktivitäten an den Flussoberläufen informiert worden seien. Unnötige Ängste und mögliche wirtschaftliche Verluste könnten durch einen verbesserten Informationsfluss an Gemeinden, Nichtregierungsorganisationen und interessierte Gruppen sowie zwischen den Behörden auf Bundes- und Landesebene abgebaut werden.

Der Bericht bestätigt, dass akute Auswirkungen des Zyanid-Unfalls in weiten Strecken der Theiß nachweisbar waren, bevor das Gift in die Donau floss. Dazu gehören Fischsterben sowie das Absterben von Phyto- und Zooplankton. Das Expertenteam von UNEP und OCHA konnte die genaue Anzahl verendeter Fische in der Theiß jedoch nicht bestimmen. Es konnte jedoch festgestellt werden, dass sich die Mikroorganismen schnell wieder erholt haben.

Im Bericht wird ein breiter, grenzüberschreitender und langfristig angelegter Plan zur Rehabilitation und zum Umweltmanagement des Einzugsgebietes der Theiß gefordert. Darüber hinaus wird eine Strategie zur nachhaltigen Entwicklung dieser Region angeregt. Die Strategie würde u.a. Bergwerke und verwandte Industrien, den Tourismus- und Fischereisektor sowie Fragen zur Artenvielfalt und zur Lösung sozialer Probleme aufgreifen.

Zusammen mit der UNO-Wirtschaftskommission für Europa (ECE) wird UNEP die Ausarbeitung eines Protokolls zur Haftungs- und Kompensationspflicht unterstützen. Die Abteilung des UNO-Umweltprogramms für Technologie, Industrie und Wirtschaft arbeitet derzeit mit Hauptinteressenvertretern zusammen, um die Notfallbereitschaft und Hilfe (das sog. APELL- Programm) in der Bergwerkindustrie und weitere drängende Fragen des Sektors zu diskutieren. 

Hintergrund

UNEP und OCHA wurden von Rumänien, Ungarn und der Jugoslawischen Republik angesprochen, um bei einer schnellen, unabhängigen und objektiven Bestandsaufnahme des Unfalls, seiner Ursachen und seiner Auswirkungen auf die Umwelt mitzuwirken.

Die Mission wurde von einer Reihe von Regierungen, der Europäischen Kommission, der ECE und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterstützt. Wertvolle zusätzliche Unterstützung und Beratung stellten das Büro des UNO-Entwicklungsprogramms (UNDP) in Bukarest sowie die Internationale Kommission für den Schutz der Donau (ICDPR), WWF und das Regionale Umweltzentrum (REC) zur Verfügung.

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Den vollständigen Bericht finden Sie im Internet unter: http://www.uneptie.org/pc/mining/library/publications/assmnt.htm 

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