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Generalsekretär Kofi A. Annan: Rede zur Eröffnung des VN-Campuskomplexes - Bonn, 11. Juli 2006

UNRIC/141
Sperrfrist: 11. Juli 2006, 12.00 Uhr
Es gilt das gesprochene Wort

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Merkel,
sehr geehrter Herr Bundesminister Gabriel,
sehr geehrter Herr Minister Breuer,
sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Dieckmann,
sehr geehrte Leiter der VN-Organisationen,
liebe Kollegen und Freunde,
meine Damen und Herren,

heute feiern wir eine weitere Vertiefung der bisher schon engen Partnerschaft zwischen Deutschland und den Vereinten Nationen.

Die Unterstützung für die Weltorganisation ist seit langem ein Schwerpunkt deutscher Außenpolitik. Man könnte sogar sagen, dass die Ideale der Vereinten Nationen Teil der Identität des Landes selbst geworden sind. Das deutsche Volk, das die Schrecken des Krieges selbst erlebt und gesehen hat, welche Irrwege eine Gesellschaft einschlagen kann, tritt entschlossen für den Frieden, die Menschenrechte und eine nachhaltige Entwicklung ein und beschränkt sich dabei nicht auf das eigene Land. Wie wir in Afghanistan und auf dem Balkan gesehen haben, und jetzt in der Demokratischen Republik Kongo sehen, wo die Deutschen schwere Aufgaben übernommen haben, fühlen sie eine starke Solidarität mit Völkern, ob nah oder fern, die sich in Not befinden. Ihr Bekenntnis zum Multilateralismus ist unmissverständlich, nicht nur als Wegbereiter der europäischen Einheit, sondern auch als konstruktive und großzügige Weltbürger. Auch die Millenniums-Entwicklungsziele werden von ihnen beharrlich unterstützt. In wenigen Minuten werden Frau Bundeskanzlerin Merkel und ich durch die Millenniumstore schreiten. Ich weiß, dass wir damit vielen weiteren Deutschen folgen werden, und ich bin dankbar für die Bemühungen dieses Landes, die Menschen hier und überall in Europa nicht nur zum Nachdenken über die Millenniumsziele zu bringen, sondern sie auch zu Taten zu bewegen, um diese Ziele zu erreichen.

Es verwundert daher nicht, dass Deutschland ein wichtiges Zentrum der Tätigkeit der Vereinten Nationen ist. So ist zum Beispiel Hamburg Sitz des Internationalen Seegerichtshofs, der eher unauffällig, jedoch sehr wirksam daran arbeitet, sowohl den Umweltschutz als auch die weltweite Herrschaft des Rechts voranzubringen. Unsere Präsenz hier in Bonn, die seit 1951 besteht, wird ständig größer. Dies ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass uns die Mitgliedstaaten weiterhin mit immer mehr Mandaten betrauen. Doch auch die großartige Gastfreundschaft, die uns hier entgegengebracht wird, hat Bonn zu einem der attraktivsten und lohnendsten Dienstorte der Vereinten Nationen werden lassen.

Mit der heutigen Eröffnung dieses Campuskomplexes wird das Engagement Deutschlands für die Vereinten Nationen noch enger. Der berühmte Lange Eugen, in dem früher die Abgeordneten eines geteilten Deutschland untergebracht waren, ist nun der Ort, an dem alle VN-Einrichtungen vereint sind und als eine einzige Familie tätig sein werden. Wir sind dankbar für die beeindruckende Renovierung, die das kulturelle Erbe des Gebäudes bewahrt und gleichzeitig alle modernen Annehmlichkeiten bietet. Für die bisher über ganz Bonn verstreuten Stellen der Vereinten Nationen ist dieses neue gemeinsame Sitzgebäude eine wunderbare Gelegenheit, mögliche Synergien auszuloten.

Das Spektrum der hier angesiedelten Tätigkeiten ist in seiner Breite bemerkenswert. Von Bonn aus stehen die Vereinten Nationen an vorderster Front der weltweiten Anstrengungen zur Milderung der Klimaänderung und bei den diesbezüglichen Anpassungsmaßnahmen. Von Bonn aus bemühen wir uns um den Schutz wandernder Tierarten und gefährdeter Arten. Von hier aus versuchen wir, 1 Milliarde unserer Mitmenschen vor den Folgen der Landverödung zu schützen. Von hier aus sind wir bestrebt, die Frühwarnung vor Naturkatastrophen zu verbessern. Und von Bonn aus organisieren wir auch die Entsendung Tausender Freiwilliger aus vielen Ländern in alle Weltregionen, damit sie die unverzichtbare Arbeit an der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung unterstützen können.

Meine Freunde, dies ist nur ein Ausschnitt dessen, was wir hier tun. Unsere Präsenz in Bonn lässt sich kaum in Kürze beschreiben, doch gibt es gewisse Gemeinsamkeiten. Die erste ist das eindrucksvolle Fachwissen unserer Mitarbeiter. Zweitens liegt ein Schwerpunkt der hier durchgeführten Arbeiten auf der nachhaltigen Entwicklung. Die ab jetzt in denselben Räumlichkeiten untergebrachten, talentierten und engagierten Frauen und Männer können sich hier gegenseitig bereichern und neue Verknüpfungen zwischen ihren eng verwandten Tätigkeiten finden. Ich weiß, dass sie sich über die Möglichkeit zur Teamarbeit ebenso freuen wie über den herrlichen Rundblick, den sie von der neuen Kantine im obersten Stockwerk genießen!

Die Eröffnung dieses Campus erfolgt zu einem entscheidenden Zeitpunkt in der Geschichte der Vereinten Nationen, an dem die Mitgliedstaaten und das Sekretariat gemeinsam an der Umsetzung der Ergebnisse des Weltgipfels im vergangenen Jahr arbeiten.

Dieser Weltgipfel war ein Meilenstein. Wenn die führenden Politiker der Welt auch nicht alles erreichten, was wir erhofft hatten, so einigten sie sich doch auf Fortschritte auf breiter Ebene. Sie erkannten an, dass Entwicklung, Sicherheit und Menschenrechte nicht nur für sich wichtig sind, sondern auch, dass sie einander verstärken und voneinander abhängen. Sie erklärten erneut ihre unmissverständliche Entschlossenheit, die Millenniums-Entwicklungsziele bis zum Jahr 2015 zu erreichen. Und auf einem entscheidend wichtigen Gebiet – der Schutzverantwortung – erzielte der Gipfel einen Durchbruch: Alle Mitgliedstaaten bekundeten ihren Willen, durch den Sicherheitsrat kollektiv zu handeln, wenn einer Bevölkerungsgruppe Völkermord, ethnische Säuberung oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit drohen.

Seit dem Weltgipfel wurden wichtige Schritte unternommen. Ein neuer Menschenrechtsrat nahm im vergangenen Monat seine Arbeit auf, und ich freue mich, dass Deutschland zu den Mitgliedern gehört, die uns auf diesem so wichtigen Gebiet bei einem Neubeginn zu helfen suchen. Deutschland ist darüber hinaus auch Mitglied der neuen Kommission für Friedenskonsolidierung, die ihre Arbeit ebenfalls aufgenommen hat und die uns in die Lage versetzen sollte, Ländern, die gerade einen Konflikt überwunden haben, auf weitaus wirksamere Weise Hilfe zu gewähren. Wir haben einen Demokratiefonds eingerichtet und unseren Nothilfefonds gestärkt. Die Mitgliedstaaten sind dabei, über die von mir vorgeschlagene Strategie zur Bekämpfung des Terrorismus zu beraten und alle Mandate zu überprüfen, die älter als fünf Jahre sind, damit wir sicher sein können, dass unsere Tätigkeit für die Menschen von heute relevant ist und wir nicht nur Altlasten abarbeiten. Wir arbeiten gemeinsam mit Deutschland und anderen an der Beilegung der Streitigkeit über das Urananreicherungsprogramm Irans. Wir planen einen Friedenssicherungseinsatz in Darfur, während gleichzeitig unsere humanitären Helfer weiter die dringend benötigte Hilfe bereitstellen. Und wir treiben die Bemühungen zur Reform der Organisation weiter mit Hochdruck voran. Unser Ziel besteht darin, die Vereinten Nationen zu einem transparenteren, stärker rechenschaftspflichtigen und wirksameren Instrument im Dienste der Menschheit zu machen.

Frau Bundeskanzlerin,

in dieser arbeitsreichen Zeit, in dieser Periode des Wandels und der Erneuerung, ist es ermutigend zu wissen, dass die Vereinten Nationen und ich selbst weiter auf die Unterstützung der Regierung Deutschlands und des deutschen Volkes zählen können. Frau Bundeskanzlerin, ich weiß, dass Ihnen schon seit Ihrer Zeit als Umweltministerin und Präsidentin der ersten Konferenz der Vereinten Nationen über Klimaänderungen die Fragen, mit denen wir uns hier in Bonn befassen, sehr am Herzen liegen. Wir sehen voller Erwartung den Maßnahmen entgegen, die Sie, gestützt auf diese Erfahrungen, jetzt als Bundeskanzlerin auf diesen Gebieten ergreifen werden. Ich danke Ihnen abermals für einen weiteren Ausdruck des unbeirrbaren Vertrauens Deutschlands in die internationale Zusammenarbeit zum Wohle aller Menschen. Wir werden alles tun, um diesem Vertrauen gerecht zu werden.

Ich danke Ihnen.

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