Freitag, 24 November 2017
UNRIC logo - Deutsch
                

UNO-Generalsekretär Kofi Annan legt Aktionsplan für das 21. Jahrhundert vor

UNIC/245

Staaten sollen die Globalisierung in den Dienst der Menschen stellen und die Armut senken, das Bildungswesen verbessern, für mehr Sicherheit sorgen, HIV/AIDS bekämpfen und die Umwelt schützen

NEW YORK, 3. April 2000 – Mit der Vorlage eines Aktionsplans für das 21. Jahrhundert hat UNO-Generalsekretär Kofi Annan heute die führenden Staatsmänner der Welt dazu gedrängt, die Globalisierung in den Dienst der Menschen in jedem Land zu stellen. Der detaillierte Bericht steckt die Agenda für den Millenniums-Gipfel der Vereinten Nationen ab. Der Aktionsplan ruft alle Mitgliedstaaten auf, sich für die Beseitigung von Armut und Ungerechtigkeit, für die Verbesserung des Bildungswesens, für mehr Sicherheit, für die Bekämpfung von HIV/AIDS und für den Umweltschutz einzusetzen.

„Wir müssen den Menschen in den Mittelpunkt unseres Handelns stellen“, erklärt Annan. „Kein Auftrag ist ehrenwerter, keine Verantwortung größer, als Männern, Frauen und Kindern in den Städten und Dörfern überall in der Welt die Möglichkeit zu geben, ihre Lebenssituation zu verbessern. Nur wenn das geschieht, werden wir wissen, ob die Globalisierung wirklich allumfassend geworden ist und allen ermöglicht, an ihren Chancen teilzuhaben.“

Der Bericht des Generalsekretärs soll vom 6. bis 8. September 2000 auf einem besonderen Millenniums-Gipfel erörtert werden. Dabei handelt es sich um eine seltene Zusammenkunft von Staats- und Regierungschefs aus aller Welt, die unmittelbar vor der ersten Generalversammlungstagung im neuen Jahrtausend stattfinden wird. Der Bericht „Wir, die Völker: Die Rolle der Vereinten Nationen im 21. Jahrhundert“, ist die wohl umfassendste Darstellung der Mission der Vereinten Nationen in ihrer 55jährigen Geschichte. Er enthält zahlreiche konkrete Ziele und Programminitiativen, die der Generalsekretär den politischen Führern der Welt zur Erörterung vorlegen wird.

Kernpunkt der Vorschläge Annans ist die Auffassung, dass die Globalisierung eine außerordentlich starke Kraft darstellt, die für Staaten und Menschen sowohl Chancen als auch Herausforderungen bringt. „Die Vorteile der Globalisierung sind offensichtlich: rascheres Wirtschaftswachstum, höherer Lebensstandard, beschleunigte Innovation und Verbreitung von Technologie und Managementfähigkeiten, sowie neue wirtschaftliche Chancen für den Einzelnen wie für den Staat“, schreibt der Generalsekretär in seinem Bericht. Aber diese Vorteile “konzentrieren sich weiterhin auf eine relativ kleine Gruppe von Ländern und sind auch innerhalb dieser Länder ungleich verteilt“. Es gebe jetzt zwar „starke und mit Nachdruck umgesetzte Regeln, die eine Expansion der globalen Märkte erleichtern“, aber Maßnahmen um „gleichermaßen gültige soziale Zielsetzungen“, wie Arbeitsstandards, Umweltschutz, Menschenrechte oder Armutsbekämpfung zu gewährleisten, „hinken offensichtlich hinterher“.

In der Folge davon habe die Globalisierung begonnen, „eine Gegenreaktion zu erzeugen“. Die Herausforderung, so Annan, sei eindeutig: „Wenn wir die Verheißungen der Globalisierung verwirklichen und dabei ihre negativen Auswirkungen in den Griff bekommen wollen, dann müssen wir lernen, besser zu regieren und besser miteinander zu regieren.“

Noch immer gibt es Milliarden Menschen, deren Leben nicht frei von Furcht und Not ist, trotz der enormen Fortschritte, die wir in den vergangenen 50 Jahren gemacht haben, gibt Annan zu bedenken. Der Bericht verweist darauf, dass die Globalisierung an Afrika vorbeigegangen ist, wo viele der ärmsten Menschen der Welt leben, darunter bis zu 40 Millionen Kinder, die voraussichtlich bis zum Jahr 2010 vor allem aufgrund von HIV/AIDS zu Waisen werden. Darüber hinaus ist das Wachstum auf diesem Kontinent kraftlos, Handel und Investitionen sind gering und die nationale Schuldenlast ist erdrückend.

Weniger als 10 Prozent aller Forschungsausgaben im Gesundheitswesen wird für die Gesundheitsbelange von 90 Prozent der Weltbevölkerung aufgewendet. Millionen Menschen bleiben deshalb anfällig für chronische Leiden oder frühen Tod aufgrund von Krankheiten, die einfach zu verhüten wären, wie z.B. Lungenentzündung, Durchfall, Tuberkulose und Malaria, heißt es in dem Bericht.

Zur Frage von Konflikten und Friedenssicherung stellt der Generalsekretär fest, dass sich die Staaten gegen alte und neue Gefahren wappnen müssen. Noch immer gebe es viel zu viele Nuklearwaffen und der zunehmende Handel mit Kleinwaffen trage zur Verlängerung und Verhärtung von ohnedies schon brutalen Konflikten bei. Die Friedenseinsätze müssten gestärkt und die Sanktionen zielgerichteter verhängt werden, um „ihre Härte gegenüber der unschuldigen Bevölkerung zu mildern, aber ihre Wirksamkeit in der Bestrafung der eigentlich schuldigen Staatsführer zu verschärfen“, betont der Generalsekretär.

Aber das vielleicht alarmierendste Kapitel des Berichts befasst sich mit der Umwelt. Neben der Freiheit von Not und Furcht, schreibt Annan, bedarf die Welt heute ganz dringend einer dritten Freiheit, die von den Gründern der Vereinten Nationen nicht vorausgeahnt werden konnte: „Die Freiheit künftiger Generationen, ihr Überleben auf diesem Planeten zu sichern.“ „Noch ist es uns nicht gelungen, dies zu gewährleisten“, sagt Annan. Er führt im einzelnen die vielfachen Gefahren durch Klimawandel, Wasserknappheit, Bodenerosion und Zerstörung der Wälder, Fischgründe und Artenvielfalt auf und fordert abschließend „eine neue Ethik der Ressourcenverwaltung“ sowie ein „grünes Buchhaltungssystem“, um sicherzustellen, dass Kosten und Vorteile des Umweltschutzes in der Wirtschaftspolitik berücksichtigt werden.

Der Bericht ruft die Staaten auf, sich für eine ambitionierte Agenda für das 21. Jahrhundert einzusetzen. Als Ziele nennt der Generalsekretär:

  • Der Anteil der in extremer Armut lebenden Menschen sowie der Menschen, die keinen Zugang zu sauberem und erschwinglichem Trinkwasser haben, soll bis zum Jahr 2015 halbiert werden;
  • Bis zum Jahr 2015 sollen alle Kinder eine Grundschule besuchen können und auf allen Bildungsebenen soll die Kluft zwischen den Geschlechtern beseitigt werden;
  • Die HIV-Infektionsraten bei Personen zwischen 15 und 24 Jahren sollen innerhalb von 10 Jahren um 25 Prozent gesenkt werden;
  • Durch die Unterstützung des Aktionsplans „Städte ohne Slums“, der auf angemessene Lebensbedingungen für 100 Millionen Slumbewohner abzielt, sollen bis zum Jahr 2020 die Slumsiedlungen wesentlich verbessert werden;
  • Die in den ärmeren Ländern produzierten Waren sollen freien Zugang zu den Märkten der Industriestaaten erhalten und, als erster Schritt, soll eine Politik des zoll- und quotenfreien Zugangs für praktisch alle Exporte der am wenigsten entwickelten Länder bis März kommenden Jahres beschlossen werden;
  • Die im Vorjahr vereinbarte Ausweitung des Programms für die besonders hoch verschuldeten armen Länder soll umgesetzt und sämtliche öffentliche Schulden dieser Länder sollen gestrichen werden, wenn sie sich im Gegenzug dazu verpflichten, vorzeigbare Maßnahmen zur Bekämpfung der Armut zu ergreifen;
  • Für die Sicherheit der Menschen und ihrer Gemeinschaften und Staaten soll mehr getan werden. Insbesondere soll dem internationalen humanitären Recht und den Menschenrechten entschiedener Geltung verschafft werden;
  • Im Waffenhandel soll für größere Transparenz gesorgt werden, regionale Abrüstungsmaßnahmen sollen stärker unterstützt und die „Waffen-für-Waren“-Programme, die so erfolgreich in Mosambik, Panama, El Salvador und Albanien durchgeführt wurden, sollen auf andere Regionen ausgeweitet werden;
  • Das Kyoto-Protokoll zur Senkung des Ausstoßes von Treibhausgasen und zur Verhinderung der globalen Erwärmung soll umgesetzt werden.

In seinem Bericht geht Annan auch umfassend auf die neuen Informationstechnologien ein und weist ihnen eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung der Armut, der Förderung der menschlichen Entwicklung und der Verbesserung der Einsätze der Vereinten Nationen zu. In diesem Zusammenhang kündigt der Generalsekretär verschiedene neue Initiativen an. So schlägt er erstens, den Aufbau eines Netzwerkes von 10.000 Online-Anschlüssen vor, wo Krankenhäuser und andere Einrichtungen der Gesundheitsfürsorge in allen Entwicklungsländern auf ihre jeweiligen Bedürfnisse zugeschnittene ärztliche Informationen und Ressourcen abrufen können. Diese Initiative soll unter der Leitung der WebMD-Stiftung stehen, die mit anderen Stiftungen und Partnern aus der Wirtschaft zusammenarbeiten wird. Zweitens, kündigt der Generalsekretär die Entwicklung eines Informationstechnologiedienstes der Vereinten Nationen (UNITeS) an, ein Konsortium aus High-tech-Freiwilligeneinrichtungen – darunter Net Corps Canada und Net Corps America - das in den Entwicklungsländern Fachkräfte in der Nutzung der Informationstechnologie schulen und sie über deren Möglichkeiten informieren soll. Drittens kündigt der Generalsekretär eine Initiative zur Reaktion in Katastrophenfällen an, „Die Ersten vor Ort“, die unter Führung von L.M.Ericsson für ständige Kommunikationsmöglichkeiten mit den von Naturkatastrophen und anderen Notfällen betroffenen Gebieten sorgen soll.

Auch für die Vereinten Nationen selbst schlägt Generalsekretär Annan eine Reihe von ambitionierten Veränderungen vor. In Weiterführung der verschiedenen Reformmaßnahmen, mit deren Hilfe die UNO bereits zu einer schlankeren und effektiveren Organisation gemacht wurde, sei es nunmehr an der Zeit, so Annan, den Sicherheitsrat zu reformieren und bestimmten Initiativen feste Laufzeiten zu setzen. Die Vereinten Nationen müssen auch Möglichkeiten finden, um ihre Beziehungen zur Zivilgesellschaft auszubauen, sagt Annan, und regt in diesem Zusammenhang die Einrichtung globaler Politiknetzwerke an, um alle Betroffenen zu mobilisieren.

Der Generalsekretär sieht in dem Millenniums-Gipfel eine Gelegenheit für die Mitgliedstaaten, den Auftrag der Vereinten Nationen zu erneuern und sich zu ihm zu bekennen. Er lädt die Staaten ein, sich neuerlich für die nach seiner Sicht zentralen Werte der Vereinten Nationen zu engagieren: Freiheit, Toleranz, Gerechtigkeit, Gewaltverzicht, Achtung vor der Natur und gemeinsame Verantwortung.

Aber der Generalsekretär ist auch fest davon überzeugt, dass wir uns nicht damit begnügen dürfen, nur den Fortschritt der vergangenen 50 Jahre zu wiederholen. Er erklärt in seinem Bericht: „Die Völker der Welt sagen uns, dass unsere bisherigen Erfolge angesichts der Größe der vor uns stehenden Herausforderungen nicht ausreichen. Wir müssen mehr tun, und wir müssen es besser machen!“

* * * * *

Anfragen für Interviews mit dem Generalsekretär und seinem Beraterstab, der an der Ausarbeitung des Millenniums-Berichts mitgewirkt hat, richten Sie bitte an das Büro des Pressesprechers des Generalsekretärs, Tel.: +1-212 963-7161 oder 7162. Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit, Hauptabteilung Presse und Information, Tel.: +1-212 963-6870 oder 1453; Fax: + 1-212 963 0536.

Praktikant/-in für Bonner UNRIC-Büro gesucht

UNRIC bietet im Bonner Büro ein 8- bis 12-wöchiges Praktikum ab März 2018 an.
Bewerber/-innen sollten sich noch im Studium befinden, oder vor kurzem ihr Studium beendet haben und erste Erfahrungen in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit oder im Journalismus besitzen.
Sehr gute Englisch- und Deutschkenntnisse sind Voraussetzung. Das Praktikum ist unbezahlt.
Bitte senden Sie Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen an:
[email protected]

UNRIC Verbindungsbüro in Deutschland, Bonn
Tel.: +49 (0)228 / 815-2773 / 2774
Fax: +49 (0)228 / 815-2777

UN Card 2016 DE 250px front