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UNO-Abteilung für Bevölkerungsfragen: Ohne Einwanderung wird die Bevölkerung in fast allen europäischen Ländern schrumpfen

UNIC/242

Deutschland bräuchte jährlich 6000 Zuwanderer pro 1 Million Einwohner um
den Anteil von Personen im arbeitsfähigen Alter an der Bevölkerung zu halten 

NEW YORK, 17. März 2000 – Die Abteilung Bevölkerungsfragen der UNO-Hauptabteilung für Wirtschaftliche und Soziale Angelegenheiten hat einen neuen Bericht mit dem Titel “Bestandserhaltungsmigration: Eine Lösung für abnehmende und alternde Bevölkerungen?“ veröffentlicht. Der Begriff “Bestandserhaltungsmigration“ bezieht sich auf die Zuwanderung aus dem Ausland, die ein Land benötigt, um zu vermeiden, dass seine Bevölkerung aufgrund niedriger Fruchtbarkeits- und Sterblichkeitsraten abnimmt und überaltert.

Prognosen der Vereinten Nationen zufolge werden zwischen 1995 und 2050 die Bevölkerungen Japans sowie nahezu aller Länder Europas schrumpfen. Einige Länder, darunter Estland, Bulgarien und Italien, könnten zwischen einem Viertel und einem Drittel ihrer Bevölkerung verlieren. Die Bevölkerung wird so stark altern, dass das durchschnittliche Alter eine noch nie gesehene Höhe erreichen wird. So wird beispielsweise das Durchschnittsalter in Italien von 41 Lebensjahren im Jahr 2000 auf 53 Jahre im Jahr 2050 ansteigen. Die Zahl der Personen im arbeitsfähigen Alter (15-64 Jahre) die auf je eine Personen über 65 Jahren entfällt (das „potenzielle Unterstützungsverhältnis“) wird sich in vielen Fällen von 4 oder 5 auf 2 halbieren.

Unter Berücksichtigung dieser beiden auffallenden und kritischen Trends untersucht der Bericht eingehend die Lage in acht Ländern mit niedrigen Fruchtbarkeitsraten (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Republik Korea, Russische Föderation und Vereinigte Staaten) und zwei Regionen (Europa und die Europäische Union). In jedem Fall werden alternative Szenarien für den Zeitraum von 1995-2050 entworfen, die die Auswirkungen unterschiedlich großer Migrationsströme auf den Umfang der Bevölkerung und ihren Alterungsprozess deutlich machen.

Die wichtigsten Erkenntnisse des Berichts:

  • In den nächsten 50 Jahren dürfte die Bevölkerung der meisten Industriestaaten auf Grund niedriger Fruchtbarkeitsraten und steigender Lebenserwartung zurückgehen und zugleich altern. Im Gegensatz dazu wird sich die Einwohnerzahl der Vereinigten Staaten um fast 25 Prozent erhöhen. Von den untersuchten Ländern wird Italien den relativ größten Bevölkerungsverlust zu verzeichnen haben: Nach der mittleren Variante der UNO-Prognosen wird seine Bevölkerung zwischen 1995 und 2050 um 28 Prozent schrumpfen. Die Einwohnerzahl der Europäischen Union, die 1995 noch um 105 Millionen Menschen höher war als in den Vereinigten Staaten, wird im Jahre 2050 um 18 Millionen unter der US-Einwohnerzahl liegen.

  • Ein Rückgang der Bevölkerung wird ohne Bestandserhaltungsmigration unvermeidlich sein. Die Fruchtbarkeitsrate könnte in den nächsten Jahrzehnten zwar wieder ansteigen, aber nur wenige Experten glauben, dass sie ein Niveau erreichen wird, das den Bevölkerungsbestand in den meisten Ländern in absehbarer Zukunft sichern kann.

  • In allen untersuchten Ländern und Regionen wird Einwanderung nötig sein, um einen Bevölkerungsrückgang zu vermeiden. Die Höhe der erforderlichen Einwanderung variiert jedoch stark. Innerhalb der Europäischen Union würde eine Fortsetzung des in den neunziger Jahren festgestellten Umfangs der Einwanderung in etwa ausreichen, um einen Bevölkerungsschwund zu verhindern. Allerdings müssten sich die Einwanderungszahlen für Gesamteuropa verdoppeln. Für die Republik Korea wäre lediglich eine relativ mäßige Nettoeinwanderung notwendig, was allerdings für ein Land, das bislang zu den Nettoabwanderungsländern zählt, eine wesentliche Veränderung bedeuten würde. Italien und Japan bräuchten einen beträchtlichen Anstieg ihrer Nettoeinwanderungsrate. Im Gegensatz dazu könnten Frankreich, Großbritannien und die Vereinigten Staaten auch bei einem Rückgang ihrer in den letzten Jahren verzeichneten Einwanderungsraten ihren Gesamtbevölkerungsbestand erhalten.

  • Die Zahl der Einwanderer, die notwendig ist, um einen Rückgang der Gesamtbevölkerung aufzufangen, liegt erheblich über der in den UNO-Prognosen vorhergesehenen Zahl. Die einzige Ausnahme bilden die Vereinigten Staaten.

  • Die Zahl der Einwanderer, die notwendig ist, um ein Schrumpfen der Personengruppe im arbeitsfähigen Alter zu verhindern, ist höher als die Zahl, die notwendig ist, um einen Rückgang der Gesamtbevölkerung aufzufangen. Für einige Länder, wie beispielsweise die Republik Korea, Frankreich, Großbritannien und die Vereinigten Staaten, ist diese Zahl um ein Vielfaches höher. Sollten derartige Wanderungsbewegungen stattfinden, würden die nach 1995 eingewanderten Personen und ihre Nachkommen im Jahre 2050 einen beachtlich hohen Anteil an der Gesamtbevölkerung haben; bei Japan, Deutschland und Italien läge dieser Anteil zwischen 30 und 39 Prozent.

  • Im Verhältnis zu ihrer Bevölkerungsgröße bräuchten Italien und Deutschland die höchste Anzahl von Einwanderern, um den Bestand ihrer Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter zu erhalten. Für Italien wären jährlich 6.500 Zuwanderer pro 1 Million Einwohner notwendig und für Deutschland 6.000. Die Vereinigten Staaten bräuchten die wenigsten Einwanderer - jährlich 1.300 pro 1 Million Einwohner.

  • Das Wanderungsniveau, das notwendig ist, um das Altern der Bevölkerung aufzufangen, übersteigt um ein Vielfaches die Wanderungsströme, deren es bedarf, um den Bevölkerungsrückgang aufzuhalten. Um das potenzielle Unterstützungsverhältnis zwischen der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter und der nicht mehr im Erwerbsprozess stehenden Personen aufrechtzuerhalten, müssten in allen Fällen bislang unerreichte und jeglichen vernünftigen Erwartungen widersprechende Einwanderungszahlen erreicht werden.

  • Ohne Einwanderung könnte das potenzielle Unterstützungsverhältnis nur dann auf seinem derzeitigen Niveau gehalten werden, wenn das Pensionsalter der Personen im arbeitsfähigen Alter auf etwa 75 Jahre angehoben würde.

  • Die neuen Herausforderungen im Zusammenhang mit einer schrumpfenden und alternden Bevölkerung werden eine umfassende Neubewertung zahlreicher etablierter Politikansätze und Programme mit einer langfristigen Perspektive erfordern. Zu den kritischen Fragen, die angegangen werden müssen, gehören: (a) das geeignete Rentenalter; (b) Höhe und Art der Renten- und Krankenversicherungsleistungen für die ältere Generation; (c) die Zahl der Erwerbstätigen; (d) die Höhe der veranlagten Beiträge der Arbeitnehmer und Arbeitgeber zur Deckung der Renten- und Krankenversicherungsleistungen für die Älteren; und (e) Politikansätze und Programme im Zusammenhang mit der internationalen Wanderung, insbesondere zur Bestandserhaltungsmigration und zur Eingliederung einer großen Zahl neuer Einwanderer und ihrer Nachkommen.

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Weitere Informationen:

Der Bericht kann ab 21. März 2000 auf der Web-Seite der UNO-Abteilung für Bevölkerungsfragen unter http://www.un.org/esa/population/publications/migration/migration.htm eingesehen werden. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an: Joseph Chamie, Director, Population Division, United Nations, New York 10017, USA; Tel.: 001-212-963-3179, Fax: 001-212-963-2147.

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