Dienstag, 21 November 2017
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Generalsekretär Kofi Annan: Blockaden gegen eine Beteiligung von Frauen an Entscheidungsprozessen müssen abgebaut werden

UNIC/240

Erklärung zum Internationalen Tag der Frau (8. März)

NEW YORK, 8. März 2000 – Seit 1975, dem Internationalen Jahr der Frau, begehen auch die Vereinten Nationen jedes Jahr am 8. März den Internationalen Tag der Frau. Aus diesem Anlass hat Generalsekretär Kofi Annan folgende Erklärung veröffentlicht:

Ich freue mich sehr, hier zu sein. In diesem Raum befinden sich einige Frauen, die wirklich Außergewöhnliches für den Fortschritt der Frauen und für den Frieden auf dieser Welt geleistet haben. Frau Robinson, Frau King und Sie alle, die daran arbeiten, Frieden in Ihren Gemeinschaften und Ihren Ländern zu schaffen: Lassen Sie mich sagen, wie stolz ich darauf bin, dass sich Frauen heute bei den Vereinten Nationen für den Frieden zusammenschließen.

Ich bin auch sehr erfreut, dass hier zwei erfahrene Nachrichtenredakteurinnen als Moderatorinnen auftreten. Ich kann mir kein einziges Nachrichtenthema und kein Problem auf der Tagesordnung der Vereinten Nationen vorstellen, das für die Frauen ohne Bedeutung wäre. Frauen sind genauso wie jeder Mann von Frieden und Sicherheit, von menschlicher Sicherheit und Menschenrechten betroffen. Daher ist es richtig und sogar notwendig, dass Frauen genau so viel und genau so oft über diese Themen berichten wie ihre männlichen Kollegen.

Der erste Internationale Tag der Frau im 21. Jahrhundert ist den Frauen gewidmet, die sich für den Frieden zusammenschließen. Dies ist ein Thema, mit dem zwei wichtige Aufgabenbereiche der Vereinten Nationen angesprochen werden. Laut Charta der Vereinten Nationen ist unsere Organisation geschaffen worden, um nachfolgende Generationen von der Geißel des Krieges zu befreien. Die Charta betont auch die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Beide Herausforderungen müssen wir bewältigen.

Das eben zu Ende gegangene Jahrhundert war Zeuge, wie das Zeitalter der großen zwischenstaatlichen Kriege seinen Höhepunkt erreichte bevor es abklang, nur um von Zeitalter der ethnischen und innerstaatlichen Konflikte abgelöst zu werden. Die kleinen Kriege von heute sind genauso mörderisch wie die großen Kriege von gestern. Handfeuerwaffen töten nur einen Menschen auf einmal, aber sie sind dennoch tödlich. Viel zu oft brechen Konflikte gerade in den Gesellschaften aus, die es sich am wenigsten leisten können, fordern den höchsten Zoll von denen, die es am wenigsten verdienen und treffen die am härtesten, die sich am wenigsten wehren können. Zivilisten sind zu den wichtigsten Zielscheiben im Krieg geworden. Von Vergewaltigung und Vertreibung bis zur Missachtung des Rechts auf Nahrung und Medikamente tragen Frauen einen übergroßen Teil dieser Bürde.

Aber Frauen kennen den Preis von Konflikten gut und verfügen oft über bessere Voraussetzungen als Männer, wenn es darum geht, Konflikte zu verhindern oder zu lösen. Wenn Gesellschaften zusammenbrechen sorgen die Frauen dafür, dass das Leben weitergeht. Wenn ethnische Spannungen einen Konflikt auslösen oder verschärfen, bauen Frauen eher Brücken als Mauern. Wenn sie sich über die Folgen von Krieg und Frieden Gedanken machen, denken Frauen zuerst an ihre Kinder und deren Zukunft und erst dann an sich selbst.

Wir leben in einem neuen Zeitalter, in dem nur Wandel von Dauer ist. Aber die Kraft der Frauen ist so alt wie die Menschheit selbst. Durch Erziehung und Tradition haben Frauen von Generation zu Generation die Kultur des Friedens weitergegeben. Nach einer alten Tradition im Kaukasus müssen zwei Gegner aufhören zu kämpfen, wenn eine Frau ihr Kopftuch zwischen sie wirft. In Afrika, meinem eigenen Kontinent, bringen in der Regel Mutter, Tante und Großmutter den kleinen Kindern die grundsätzlichen menschlichen Fähigkeiten und Werte bei, die für das friedliche Zusammenleben innerhalb einer Gemeinschaft und zwischen den Gemeinschaften unabdingbar sind.

In einigen von Konflikten zerrissenen Gesellschaften, haben sich Frauen als Vermittler angeboten und nach Möglichkeiten gesucht, eine gemeinsame Basis zu finden. Sie sind in Flüchtlingslager gegangen, um vertriebene Frauen und Kinder zu unterstützen. Sie haben der Verachtung getrotzt und das Misstrauen der männlichen Kämpfer besiegt, bis sich ihr Wunsch nach Frieden schließlich durchgesetzt hat.

Wir bei den Vereinten Nationen kennen die unschätzbare Unterstützung unserer Blauhelmsoldaten durch Frauen aus erster Hand: sie organisieren Ausschüsse, Frauenvereinigungen, NGOs und Kirchengruppen, um Spannungen abzubauen und ihre Männer dazu zu bringen, Frieden zu schließen. Auch aus diesem Grund versuchen wir, mehr Frauen für unsere Missionen zur Friedenssicherung und zur Friedensschaffung zu rekrutieren und geschlechtsspezifische Fragen in allen unseren Missionen stärker zu berücksichtigen. Einige Missionen, z.B. in Afghanistan, Kosovo und Osttimor, verfügen bereits über zivile Arbeitsgruppen, die sich mit geschlechtsspezifischen Fragen befassen. Wir verdoppeln unsere Bemühungen, um die Zahl der im Rahmen von Friedensoperationen beschäftigten Frauen im Feld und im Hauptquartier zu erhöhen. Einmal mehr rufe ich die Mitgliedstaaten auf, qualifizierte Frauen in die Kontingente aufzunehmen, die sie uns zur Verfügung stellen, und qualifizierte Frauen für UNO-Positionen auf allen Ebenen zu nominieren.

Die Sonderorganisationen und Programme der Vereinten Nationen bemühen sich jeden Tag darum, den wehrlosesten Frauen beizustehen, Flüchtlingen zu helfen und rechtliche Normen zum Schutz der Rechte von Frauen in bewaffneten Konflikten festzulegen. Die Vereinten Nationen senden Sondermissionen in Länder, die von Krieg betroffen sind. Sie kümmern sich um die Gesundheitsversorgung und helfen, Kriegstraumata zu überwinden. Sobald die Waffen schweigen arbeiten sie mit Frauen in den vom Krieg zerstörten Ländern, indem sie ihnen und ihren Männern dabei helfen, ihren Staat und ihre Gesellschaft wieder aufzubauen.

Wir wissen, dass es keinen dauerhaften Frieden ohne Entwicklung gibt. Wir wissen auch, dass es keine Entwicklung geben kann, wenn Frauen nicht die ihnen dabei zustehende Rolle in vollem Umfang übernehmen können. Dies bedeutet, dass die Blockaden gegen eine Beteiligung von Frauen an Entscheidungsprozessen abgebaut werden, und sie Zugang zu Land erhalten. Dies bedeutet auch, die Sicherheit der Frauen und ihrer Familien zu wahren und zu gewährleisten, dass sie in den Genuss aller Menschenrechte und politischen Rechte kommen. Die Vereinten Nationen arbeiten auf nationaler und internationaler Ebene mit ihren Partnern in den Regierungen und der Zivilgesellschaft zusammen, um diese Ziele zu erreichen.

Vor fünf Jahren, auf der vierten Weltfrauenkonferenz in Peking, wurden viele dieser Zielvorgaben von den Regierungen angenommen. Im Juni dieses Jahres wird die Generalversammlung im Rahmen einer Sondertagung die Fortschritte überprüfen, die bei der Umsetzung dieser Ziele gemacht wurden. Das in Peking beschlossene Aktionsprogramm rief dazu auf, Frauen und ihre Menschenrechte in bewaffneten Konflikten zu schützen. Es rief dazu auf, Frauen eine größere Rolle bei den Entscheidungen zuzubilligen, die zur Lösung von Konflikten beitragen und mehr Auseinandersetzungen gewaltfrei beizulegen. Kurz gesagt ermahnt es uns alle, den Weg für eine Kultur des Friedens zu ebnen.

Ich glaube, es ist an der Zeit, dass diese Kultur Wurzeln schlägt, denn in der heutigen Welt sind wir alle von dem betroffen, was eine Nation betrifft. Wir werden als Menschen nicht durch Rasse, Glaube oder Geographie definiert. Das, was unserem Leben ein Ziel setzt und Inhalt verleiht, ist die Hoffnung, dass unsere Kinder und Enkelkinder ein würdiges Leben führen können, ohne Angst und ohne Not. Sicherlich ist das etwas, was uns alle verbindet.

Wir sollten alle unsere Anstrengungen vereinen, um diese Versprechen einzulösen. Lassen Sie uns auf die Arbeit von Frauen überall auf der Welt aufbauen, um den Frieden für zukünftige Generationen zu sichern. Lassen Sie uns die Kraft der Frauen nutzen, die sich für den Frieden zusammenschließen.

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