Dienstag, 21 November 2017
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Internationales Suchtstoff-Kontrollamt veröffentlicht jährlichen Welt-Drogen-Bericht

UNIC/236

Schwerpunkthemen sind die Unterversorgung mit schmerzlindernden Medikamenten in den Entwicklungsländern, die Überversorgung mit psychotropischen Substanzen in den Industriestaaten, der zunehmende Missbrauch von Cannabis, der Erfolg der “Aktion Purpur“ gegen wichtige chemische Vorläufersubstanzen und das Problem der “Fixerstuben“

WIEN, 23. Februar 2000 (UNIS) - Der heute veröffentlichte diesjährige Bericht des Internationalen Suchtstoff- Kontrollamtes (INCB) macht deutlich, dass koordinierte Maßnahmen erforderlich sind, um ein ausreichendes erlaubtes Angebot von Betäubungsmitteln für medizinische Zwecke insbesondere in Entwicklungsländern sicherzustellen. Angesichts des weltweit zunehmenden illegalen Drogenkonsums, der mit der Untätigkeit mancher Behörden einhergeht, ist das in Wien ansässige INCB zutiefst besorgt darüber, dass Menschen, denen Betäubungsmittel von großem Nutzen wären, beispielsweise Krebskranke in den letzten Stadien der Krankheit, keinen Zugang zu bewährten Schmerzmitteln wie Morphium und anderen Opiaten haben.

Im Gegensatz zu diesem Mangel an schmerzlindernden Medikamenten in Entwicklungsländern gibt es in der entwickelten Welt das Problem der Überversorgung mit Medikamenten. Der hohe Konsum von Amphetaminen und anderen Stimulanzien für das Nervensystem in Amerika und die verbreitete Einnahme von Benzodiazepinderivaten in Form von Schlaf- und Aufputschmitteln in Europa ist für das INCB ebenfalls Anlass zu Besorgnis.

Der Mangel an Regelungen und unzureichende Informationen und Mittel, um zuverlässige Schätzungen des tatsächlichen Bedarfs der Länder anstellen zu können, sowie auch aggressive Marketingstrategien pharmazeutischer Unternehmen und unlautere medizinische Praktiken führen nach Ansicht des Suchtstoffamtes dazu, dass in Entwicklungsländern die dringend benötigten Suchtstoffe nicht ausreichend verfügbar sind und gleichzeitig in den Industriestaaten zu viel psychotrope Stoffe konsumiert werden.

Das Amt ersucht die Regierungen, einen flexiblen und stärker humanitär geprägten Ansatz zu verfolgen, dessen Grundlage ein funktionierendes Drogenversorgungssystem ist, das den geltenden internationalen Regelungen und Verfahren entspricht, zugleich aber gewährleistet, dass kontrollierte Betäubungsmittel für medizinische Zwecke vor allem in Entwicklungsländern und in besonderen Situationen wie humanitären Notlagen erhältlich sind.

Der Jahresbericht des Suchtstoffamtes geht ferner auf die in einigen entwickelten Ländern bestehenden staatlich sanktionierten “Fixerstuben“ ein, wo sich Abhängige Drogen injizieren können. Diese Räume entsprechen nicht den Suchtstoffübereinkommen und das Amt betrachtet sie als Orte, an denen Gesetzwidrigkeiten straffrei bleiben. Das Amt ruft die Regierungen auf, als Alternative dazu Behandlungszentren einzurichten, in denen Süchtige unter Fachaufsicht medizinisch behandelt und mit Arzneien versorgt werden.

Der zunehmende Missbrauch von Cannabis unter jungen Menschen ist dem Bericht zufolge höchst beunruhigend. Die zunehmende Anzahl junger Drogenkonsumenten und die leichte Erhältlichkeit sehr starker Sorten dieser Droge sowie auch die nachsichtige Haltung mancher Regierungen machen die Bekämpfung von Cannabis umso wichtiger. Das Amt hält es für dringend notwendig, das Image von Cannabis als “harmloser“ Droge zu korrigieren und ruft erneut zu einem wissenschaftlichen - und nicht anekdotischen - Nachweis seines medizinischen Nutzens auf. Sollte nachgewiesen werden, dass die Verwendung von Cannabis in der Medizin sinnvoll ist, dann müsste es ebenso wie andere Betäubungsmittel behandelt werden, z.B. wie Morphium, dessen medizinische Verwendung von den Gesundheitsbehörden streng überwacht wird.

Eines der Hauptziele des Suchtstoffamtes ist nach wie vor die Verfolgung sogenannter Vorläuferstoffe, d.h. chemischer Substanzen, die bei der illegalen Herstellung von Drogen verwendet werden. Lieferungen von Kaliumpermanganat, einem der wichtigsten chemischen Stoffe für die Herstellung von Kokain, konnten im Rahmen eines neuen internationalen Kooperationsprojekts namens “Aktion Purpur“ erfolgreich aufgespürt und abgefangen werden. Zusammen mit den beteiligten Regierungen und internationalen Behörden wird das Amt diese Aktion fortsetzen und ähnliche Projekte zum Abfangen anderer Vorläuferstoffe organisieren, z.B. des Acetons, das bei der illegalen Herstellung von Heroin verwendet wird.

Regionale Trends

  • Drogenhandel und Missbrauch von Suchtmitteln und psychotropen Substanzen sind in Afrika weitgehend beeinflusst von den verschiedenen Bürgerkriegen und Nachkriegsverhältnissen, die zu einem zunehmenden Missbrauch von Suchtmitteln vor allem unter Kindern und Jugendlichen führen;

  • die Freizügigkeit mancher Regierungen Mittelamerikas und der Karibik gegenüber den Offshore-Banken und Glücksspielindustrien ist nach Ansicht des Suchtstoffamtes besorgniserregend, denn sie schafft gute Voraussetzungen für Geldwäsche;

  • die beeindruckenden Erfolge bei der Reduzierung des unerlaubten Anbaus von Cocapflanzen in Bolivien und Peru in den vergangenen zwei Jahren sind offenbar durch die zunehmende Gewinnung von Cocablättern in Kolumbien neutralisiert worden;

  • der Missbrauch von und Handel mit amphetaminhaltigen Aufputschmitteln breitet sich rasch über Ost- und Südostasien aus, wobei ein Grossteil dieser Mittel illegal in China hergestellt wird;

  • die Zusage der afghanischen Taliban, den Anbau von Opiummohn und die Herstellung von Heroin zu verbieten, ist fragwürdig, denn sie erheben weiterhin Steuern auf Mohnernten und auf die Heroinherstellung. Rund 75% des weltweiten Opiumangebots kommt aus

    Afghanistan, wo neue Anbaugebiete erschlossen werden - 1999 erreichte die Produktion die Rekordhöhe von circa 4 600 Tonnen;

  • der unerlaubte Anbau sowie der Handel mit und der Missbrauch von Drogen und insbesondere Heroin breiten sich vor allem in Zentralasien und im Kaukasus rapide aus und werden von einer Zunahme krimineller Aktivitäten begleitet;

  • der zunehmende häusliche Anbau von Cannabis in Westeuropa und die Intensivierung des Anbaus in Südeuropa, vor allem in Albanien, erhöht die Verfügbarkeit von Cannabis ganz erheblich, und dies führt - verbunden mit der toleranten Einstellung zu Cannabis - zu einer Zunahme des Missbrauchs;

  • in Australien liegt das durchschnittliche Einstiegsalter bei Heroin mittlerweile unter 18 Jahren, in einigen Gebieten bei Heroin-Injektionen sogar bei etwa 15 Jahren.

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Hinweis für Korrespondenten: Der INCB-Jahresbericht (in englischer Sprache), sowie eine detaillierte Pressemappe zu den oben angesprochenen Fragen (in deutsch und englisch) ist auf Anfrage im Informationszentrum der Vereinten Nationen (UNIC) Bonn erhältlich. Hintergrundinformationen über die internationalen Drogenkontrollverträge, die Arbeit des INCB und missbräuchlich verwendete Drogen sind auf der Webseite INCB http://www.incb.org/ zu finden.

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