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Alarmierender Rückgang wandernder Tierarten

UNIC/219

Fachleute treffen künftig wirksame Beschlüsse in Kapstadt

KAPSTADT, 17. November 1999 (UNEP/CMS) – Die Bestände der Elefanten in West- und Zentralafrika nehmen weiterhin ab, im Gegensatz zu den Populationen im südlichen Afrika, wo in den begrenzten Gebieten durch verbessertes Bestandsmanagements sogar Probleme durch Überpopulation auftreten.

Etwa 25 Arten von Stören, die teilweise für die Kaviargewinnung von großer wirtschaftlicher Bedeutung sind, nehmen in ihren Beständen dramatisch ab. Dieser Rückgang ist auf eine übermäßige Nutzung, auf die Verschmutzung von Flüssen und Küstengewässern und andere menschliche Schadeinwirkungen zurückzuführen.

Antilopen der nordafrikanischen Trockenzone, einer Region, die größer als der australische Kontinent ist, wurden in den letzten dreißig Jahren nahezu ausgerottet.

Kragentrappen, wunderschöne Vögel, die sich hervorragend an das Leben in Steppen- und Wüstenregionen angepasst haben, und die eine traditionelle Beute der Falkenjagd sind, werden aus Asien und Afrika verschwinden, wenn nicht bald ernsthafte Maßnahmen ergriffen werden.

Albatrosse und andere Seevögel, Delphine und Meeresschildkröten fallen in großen Zahlen als sogenannter Beifang der kommerziellen Fischerei zum Opfer.

Diese alarmierenden Fakten sind nur einige Beispiele von vielen, die Fachleute aus Regierungs- und Nichtregierungskreisen aus 100 Ländern während einer internationalen Konferenz - der 6. Vertragsstaatenkonferenz der Bonner Konvention (Convention on the Conservation of Migratory Species of Wild Animals - CMS) - in Kapstadt, Südafrika, vom 6. bis 16. November diskutierten, um einen besseren Schutz für bestimmte wandernde Tierarten zu gewährleisten.

Die Hauptzielsetzung der Konvention ist es, den Schutz und die Erhaltung der „Reisenden ohne Pass“, wie der Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, Klaus Töpfer, die wandernden Tierarten treffend bezeichnete, über nationale Grenzen hinweg zu fördern. In einer Grußbotschaft an den südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki stellte Töpfer weiterhin fest: „Wandernde Tierarten sind die wichtigsten Symbole des gemeinsamen Naturerbes und Bindeglieder der Ökosysteme über Länder und sogar Kontinente hinweg“. Die Botschaft wurde durch Adler aus Deutschland und Polen übermittelt, die mit Hilfe von Satellitensendern telemetrisch verfolgt werden, um ihre Zugwege nachzuvollziehen. Eine täglich aktualisierte Karte, auf welcher die Route der einzelnen Adler dargestellt wird, kann im Internet bis April 2000 auf der CMS Homepage unter http://www.wcmc.org.uk/cms abgerufen werden.

Die Konferenz beschloss übereinstimmend, dass sieben wandernde Arten, nämlich sechs seltene Vogelarten sowie die Seekühe der Meeresgebiete um Panama und Honduras, in die Liste der vom Aussterben bedrohen Arten aufgenommen werden. Dies hat den strikten rechtlichen Schutz der Arten und ihrer Lebensräume durch die jeweiligen Arealstaaten zur Folge.

Eine weitere wichtige Entscheidung ist die Aufnahme in den Anhang II der Konvention von mehr als dreißig bedrohten Tierarten, deren Bestände oder Lebensräume drastisch abnehmen. Für diese sollen Abkommen und Aktionspläne zwischen den jeweiligen Arealstaaten entwickelt werden. Diese Abkommen sehen grenzüberschreitende Forschung, Monitoring, Erhaltungsmaßnahmen, übereinstimmende Gesetzgebung, die Schaffung notwendiger Einrichtungen sowie Maßnahmen zur Steigerung des öffentlichen Bewusstseins vor. Unter den aufgeführten Arten befinden sich Delphine Südostasiens, sieben Sturmvogelarten, zwölf Störarten aus verschiedenen Regionen und der Walhai.

Ein herausragendes Ereignis der Konferenz war die Unterzeichnung eines Abkommens zur Erhaltung der Meeresschildkröten entlang der afrikanischen Atlantikküste durch weitere fünf Arealstaaten, durch den nigerianischen Umweltminister, Ima Okopido.

Auf der Konferenz wurde auch die Notwendigkeit von Schutz- und Erhaltungsmaßnahmen für die west- und zentralafrikanischen Populationen des Afrikanischen Elefanten, der Antilopen der Sahara und Sahelzone, der ernsthaft bedrohten Kragentrappen, der Albatrosse und der Meeresschildkröten diskutiert. Intensive Arbeit wird folgen, um diese Entscheidungen in effektive Maßnahmen umzusetzen.

Über die guten Willensbekundungen hinaus kamen die Naturschutzfachleute trotz des Drucks der Finanzminister ihrer jeweiligen Länder überein, ca. eine Million US $ für Projekte zum direkten Nutzen der betroffenen Tierarten und ihrer Lebensräume und zum nachhaltigen Nutzen für die örtlichen Gemeinden in den einzelnen Ländern zu investieren.

Das Sekretariat der Bonner Konvention wird künftig durch weiteres Personal verstärkt werden und die Sekretariate dreier Regionalabkommen werden ab 2000/2001 in das Sekretariat der Bonner Konvention integriert. Hierdurch sollen weitere Synergien zwischen den Sekretariaten der einzelnen Abkommen und der Bonner Konvention ermöglicht werden.

Die nächste Vertragsstaatenkonferenz wird 2002 in der Heimatstadt der Konvention in Bonn stattfinden.

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Hintergrundinformation:

Bisher genießen mehr als achtzig wildlebende Tierarten den strikten Schutz durch die Bonner Konvention, indem sie in Anhang I der Konvention geführt werden. Beispiele sind viele Walarten, Delphine, Mönchsrobben, Fledermäuse, der Schneeleopard, Schildkröten und viele Vogelarten, wie z.B. der Fischadler und der Sibirische Schneekranich. Neu hinzugekommen sind die Populationen der Seekühe entlang der atlantischen Küste von Honduras und Panama. Dieses pflanzenfressende Meeressäugetier wurde in der Vergangenheit derart intensiv bejagt, dass es heute ernsthaft vom Aussterben bedroht ist. Da eine nationale Unterschutzstellung allein nicht ausreicht und die Lebensräume der Seekuh so stark verschmutzt und geschädigt sind, hat Panama vorgeschlagen, die Art in Anhang I aufzunehmen.

Für weniger stark bedrohte Arten, die in Anhang II geführt werden, verlangt die Konvention speziell zugeschnittene Maßnahmen und grenzüberschreitende Regionalabkommen. Diese zielen darauf ab, den Erhaltungszustand der Arten durch abgestimmte Forschung, Einrichtung von Schutzgebieten, Öffentlichkeitsarbeit, Gesetzgebung und gegenseitige Unterstützung zu wahren oder zu verbessern. Auf Vorschlag der Philippinen wurden der Walhai und vier Delphinarten in Anhang II aufgenommen.

Das bislang umfassendste Abkommen ist das Abkommen zur Erhaltung der afrikanisch-eurasischen wandernden Wasservögel (AEWA), das gerade seine erste Tagung der Mitglieds-staaten auf Einladung der Niederlande in Kapstadt gehalten hat. Es umfasst derzeit 117 Arealstaaten, entsprechend einer Fläche von 60 Mio. km2, und 172 Arten, wie z.B. den Weissstorch, Pelikane, Flamingos und bedrohte Entenarten, die alle auf intakte Feuchtgebiete angewiesen sind. „Zugvögel benötigen nicht nur den Schutz in ihren Brut- und Überwinterungsgebieten“, sagt Arnulf Müller-Helmbrecht, Exekutivsekretär der Bonner Konvention, „sondern genauso in ihren Rastgebieten entlang ihrer Zugwege.“

Das AEWA wird als wesentliches Instrument zur Erhaltung von Wasservögeln auf ihren Zugwegen im 21. Jahrhundert angesehen. UNEP-Exekutivdirektor Töpfer sagte: „Man sollte immer bedenken, dass sich das Vogelzugsystem im Laufe der letzten 200 Millionen Jahre entwickelt hat. Eine von der Max-Planck-Gesellschaft durchgeführte Studie ergab, dass in den letzten 25 Jahren die Zahl der zwischen Europa und Afrika wandernden Vögel jährlich um 1 % abgenommen hat“. Und er fügte hinzu: „Ein alarmierender Gedanke, dass diese Arten innerhalb der nächsten 100 bis 200 Jahre ausgestorben sein könnten.“

Zusätzlich zu den bereits bestehenden Abkommen (Erhaltung der Fledermäuse in Europa, der Seehunde im Wattenmeer, der Kleinwale in Nord- und Ostsee, Wale des Mittel- und Schwarzen Meeres) werden künftig Maßnahmen zur Erhaltung von Albatrossen und Sturmvögeln ergriffen. Australische Untersuchungsergebnisse zeigen, dass die Vögel in der südlichen Hemisphäre besonders durch Langleinenfischerei gefährdet sind. Sie schlucken die nicht für sie bestimmten Köder und sterben auf tragische Weise. Das Auswerfen der Leinen bei Nacht würde viele der Vögel vom Beifang bewahren. „Mindestens 250.000 Albatrosse und Sturmvögel wurden in den letzten drei Jahren auf diese Weise getötet“, stellt ein Experte von BirdLife International fest, und fügt hinzu, „… daher sind diese stolzen Segler sehr stark bedroht.“

In diesem Zusammenhang forderten die Delegierten in einer Resolution, dass durch eine erhebliche Reduzierung des Beifangs seitens der Fischereiflotten führenden Länder auch andere Seevögel, Delphine und Meeresschildkröten von einer Umsetzung dieser Resolution profitieren würden.

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Weitere Informationen erhalten Sie bei: Arnulf Müller-Helmbrecht, UNEP/CMS Sekretariat, Martin-Luther-King-Str. 8, D-53175 Bonn, Tel: 0228 815 24-02/-09/-10, Fax: 0228 815 24-49, E-mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. , Internet: http://www.wcmc.org.uk/cms (Englisch), http://www.dainet.de/cms (Deutsch)

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