Mittwoch, 22 November 2017
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AIDS weiter auf dem Vormarsch – 16 Millionen Tote und 50 Millionen Infizierte

UNIC/217

Diesjähriger Bericht über die weltweite Ausbreitung von HIV/AIDS zieht traurige Bilanz

LONDON, 23. November 1999 (UNAIDS) – Seit Beginn der AIDS-Epidemie haben sich 50 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert. Über 16 Millionen Patienten sind gestorben und mehr als 33 Millionen leben noch, stellt ein Bericht fest, der heute vom Programm der Vereinten Nationen gegen HIV/AIDS (UNAIDS) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in London vorgestellt wurde.

Der Bericht mit dem Titel „Bestandsaufnahme der AIDS-Epidemie – Dezember 1999“, wurde im Vorgriff auf den Welt-AIDS-Tag am 1. Dezember veröffentlicht und zeigt, dass die Zahl der AIDS-Toten in diesem Jahr mit 2,6 Millionen ein Rekordhoch erreicht hat und dass Neuinfektionen mit HIV unvermindert voranschreiten. So wird geschätzt, dass allein im Jahr 1999 weltweit 5,6 Millionen Erwachsene und Kinder infiziert wurden.

„Bei einer Epidemie dieses Ausmaßes verstärkt jede neue Infektion die Auswirkungen, die in Familien, Gemeinschaften, Haushalten und zunehmend auch in Betrieben und Volkswirtschaften spürbar werden. AIDS hat sich als die größte Gefahr für die Entwicklung in vielen Ländern der Welt herausgestellt“, sagte der Exekutivdirektor von UNAIDS, Peter Piot.

„Wir müssen sicherstellen, dass die Gesundheitssysteme in der Lage sind, mit der zunehmenden Zahl von HIV-positiven Menschen umzugehen, bei denen AIDS ausbricht. Wichtige Punkte sind dabei die Entstigmatisierung, der Zugang zu Gesundheitsversorgung und kostengünstige Maßnahmen. Die WHO arbeitet mit den Gesundheitsministerien überall auf der Welt zusammen, um zu gewährleisten, dass für die Millionen von Menschen, die vermutlich in den kommenden Jahren an AIDS erkranken werden, angemessene Einrichtungen und Finanzmittel zur Verfügung stehen“, erläutert WHO-Generaldirektorin Gro Harlem Brundtland.

AIDS bricht bei einer HIV-positiven Person erst Jahre nach der Infektion aus, wobei HIV das Immunsystem des Körpers kontinuierlich schwächt und seine Anfälligkeit für Lungenentzündung, Tuberkulose, Durchfallerkrankungen, Tumore und andere Krankheiten erhöht. Mit der weiterhin steigenden Zahl von HIV-Infektionen wird sich die Zahl der Menschen, die an AIDS erkranken und sterben vervielfachen.

In Afrika gibt es mehr HIV-positive Frauen als infizierte Männer

In Afrika südlich der Sahara – immer noch das globale Epizentrum der Epidemie – ist nachweislich erstmals die Zahl der HIV-infizierten Frauen höher als jene der infizierten Männer. „Vor zehn Jahren haben die Leute kaum zugehört, wenn wir gesagt haben, dass es sich bei AIDS nicht um eine reine Männerkrankheit handelt“, sagte Dr. Piot. „Heute sehen wir die fürchterliche Last, die Frauen mit der Seuche in Afrika zu tragen haben“.

  • 55 % aller infizierten Erwachsenen in Afrika südlich der Sahara sind Frauen. Das bedeutet, dass mehr als sechs HIV-positive Frauen auf fünf HIV-positive Männer kommen. UNAIDS und WHO schätzen, dass Ende 1999 12,2 Millionen Afrikanerinnen und 10,1 Millionen Afrikaner im Alter zwischen 15 und 49 Jahren mit HIV infiziert sein werden.
  • Studien in verschiedenen Ländern haben ergeben, dass afrikanische Mädchen im Alter zwischen 15 und 19 Jahren fünf- bis sechsmal eher infiziert werden, als gleichaltrige Jungen. Dabei scheinen die Leichtigkeit der Übertragung des Virus beim Geschlechtsverkehr zwischen Mann und Frau und sexuelle Kontakte zu älteren, infizierten Männern zur größeren HIV-Anfälligkeit bei Mädchen beizutragen.

Eine Reihe afrikanischer Staaten, so das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) sind in diesem Jahr im Index für menschliche Entwicklung, der sich am Stand von Gesundheit, Wohlstand und Bildung orientiert, nach unten gerutscht. Dabei können fast alle größeren Veränderungen hin zu einer niedrigeren Lebenserwartung auf AIDS zurückgeführt werden.

  • Die Lebenserwartung bei der Geburt im südlichen Afrika, die von 44 Jahren in den frühen 50ern auf 59 Jahre in den frühen 90ern gestiegen war, wird vermutlich irgendwann zwischen 2005 und 2010 wieder auf 45 Jahre sinken.
  • UNDP schätzt, das von den jetzt lebenden Südafrikanern vermutlich weniger als 50% das 60. Lebensjahr erreichen werden. (Der Durchschnittswert in allen Entwicklungsländern liebt bei 70%, in den Industrieländern bei 90%.)
  • Eine Untersuchung kommerzieller Agrarbetriebe in Kenia hat ergeben, dass dort heute Krankheit und Tod die häufigere Ursache für das Ausscheiden von Beschäftigten ist als das Erreichen des Rentenalters.

Aber sogar in dieser weitgehend zerstörten Region gibt es Gründe für Optimismus: einige afrikanische Länder haben ein größeres Engagement beim Kampf gegen AIDS gezeigt als je zuvor. „Ich glaube, dass wir nun in der 20-jährigen Geschichte der AIDS-Epidemie in Afrika einen Wendepunkt erreicht haben. Überall, wo ich hinkomme, höre ich die führenden afrikanischen Politiker von AIDS als der größten Bedrohung für die Entwicklung des Kontinents reden“, sagte Dr. Piot. „Dies gibt mir Anlass zur Hoffnung, dass wir in den kommenden Jahren stärkere und wirksamere Maßnahmen gegen AIDS in den afrikanischen Länder südlich der Sahara sehen werden.“

Konsum von Einspritzdrogen treibt weltweit höchsten Anstieg von HIV-Infektionen in der ehemaligen Sowjetunion voran

Der Bericht zeigt auch, dass die weltweite steilste Kurve bei den HIV-Infektionen in den GUS-Staaten zu verzeichnen ist, wo sich der Anteil der HIV-positiven Bevölkerung zwischen 1997 und 1999 verdoppelt hat. In der größeren Region, die diese und die übrigen Länder Mittel- und Ost-Europas umfasst, ist die Zahl der HIV-Infizierten allein im Jahr 1999 um mehr als ein Drittel auf mutmaßlich 360.000 gestiegen.

  • In der Russischen Föderation wurden fast die Hälfte aller berichteten Fälle von HIV-Infektionen seit dem Beginn der Epidemie allein in den ersten neun Monaten des Jahres 1999 verzeichnet.
  • In Moskau wurden in den ersten neun Monaten des Jahres 1999 dreimal so viel Fälle gezählt als in allen früheren Jahren zusammen. In den Städten rund um Moskau stieg die Zahl der Infektionen in diesem Zeitraum um das Fünffache der Fälle in allen früheren Jahren zusammen.
  • Vorläufige Studien legen nahe, dass vor allem arbeitslose junge Leuten in vielen Industriestädten der Russischen Föderation und der Ukraine besonders oft zur Drogenspritze greifen. HIV beschränkt sich nicht auf die größeren städtischen Regionen Russlands; in der sibirischen Stadt Irkutsk wird von 1300 Infektionen berichtet, die meisten davon im Jahr 1999.
  • Der Konsum von Einspritzdrogen scheint sogar unter russischen Schulkindern stark verbreitet zu sein. So berichtete ein Programm für Junkies in Sankt Petersburg, dass die Zahl der Fälle mit Konsumenten unter 14 Jahren zwischen 1997 und dem ersten Quartal 1999 um das zwanzigfache gestiegen sei.

Durchgreifende Bemühungen zur Vorbeugung und Pflegeprogramme in bestimmten Regionen erfolgreich

In ihrem Bericht weisen UNAIDS und WHO auch auf einige Länder und Regionen hin, denen es gelingt, die Zahl der Neuinfektionen niedrig zu halten oder den Gesundheitszustand der bereits infizierten Personen zu verbessern. So gibt es beispielsweise immer mehr Anzeichen dafür, dass die umfassenden Vorbeugemaßnahmen in Thailand und auf den Philippinen nachhaltigen Erfolg hatten, das HIV-Risiko verringern und die Rate der Infizierten senken oder stabilisieren konnten.

  • In Indien haben größere Bemühungen zur Verbesserung der Verfolgung der Epidemie dazu geführt, dass sich die Zahl der HIV-Überwachungsstationen 1998 mehr als verdreifacht hat. Laut Schätzungen gibt es dort rund vier Millionen HIV-Infizierte, mehr als in jedem anderen Land, aber weniger als aufgrund früherer Schätzungen vorhergesagt wurde. Dementsprechend wurde die regionale Schätzung der HIV-Infektionen in Asien um 800.000 nach unten korrigiert.
  • Um sichereres Sexualverhalten zu propagieren, hat sich die AIDS-Gesellschaft im indischen Staat Tamil Nadu die Unterstützung einer Werbeagentur gesichert und zeigt bei größeren Sportveranstaltungen Spots im Fernsehen. Gelegenheitssex unter den Fabrikarbeitern soll sich um die Hälfte reduziert haben, während die Benutzung von Kondomen bei Gelegenheitspartnern von 17 auf 50% angestiegen ist.
  • Einige lateinamerikanische Nationen gehören inzwischen zu den Ländern, die den mit HIV-infizierten Menschen Medikamente gegen Retroviren zur Verfügung stellen. So hat zum Beispiel Brasilien im Jahr 1999 rund 300 Millionen US$ für die Behandlung von 75.000 Menschen ausgegeben. Nach Angaben brasilianischer Gesundheitsbeamte wurden diese großen Ausgaben zum Teil durch Einsparungen bei den Krankenhauskosten und bei der medizinischen Versorgung wettgemacht; das Land hat zwischen 1997 und 1998 Kosten in Höhe von schätzungsweise 136 Millionen US$ eingespart.

„Die Versorgung einer steigenden Zahl von HIV-positiven Menschen ist keine einfache Aufgabe in einer Zeit, in der die Gesundheitssysteme schon überlastet sind. Aber diese Beispiele zeigen, wie es Ländern gelingt, die Situation zu verändern, indem sie die Epidemie sowohl mit vorbeugenden Maßnahmen als auch durch Versorgung bekämpfen. Die WHO hat aufgezeigt, wie relativ kostengünstige Veränderungen und Zusatzleistungen in den Gesundheitssystemen für die Menschen mit HIV große Verbesserungen bewirken können. Jedermann und jedes Land können von diesen Beispielen lernen und profitieren“, sagte Dr. Brundtland.

Kein Raum für Selbstzufriedenheit

Bei der Vorstellung des Berichts, drängte UNAIDS-Exekutivdirektor Peter Piot die Industrieländer, sich stärker auf die Bemühungen zur HIV-Prävention zu konzentrieren. „Es gibt keinen Raum für Selbstzufriedenheit in der Diskussion über diese Seuche. Die HIV-Gefahr hat sich in keinem Land verringert. Es gibt sogar Signale aus Nordamerika und Westeuropa, die darauf hinweisen, dass die Verfügbarkeit von lebensverlängernden Therapien zu einer Erosion von sicherem Sexualverhalten beitragen könnte. Das ist tragisch“, sagte Dr. Piot.

Obwohl die antiretroviralen Medikamente vielen Menschen mit HIV, die das Glück haben, diese Medikamenten zu erhalten, Hoffnung gebracht haben, sind sie kein Allheilmittel und für die meisten Menschen weltweit nicht verfügbar,“ sagte Dr. Piot. „Der Schlüssel im Kampf gegen AIDS ist die Vorbeugung gegen neue Infektionen. Dafür brauchen wir mehr Geld, sowohl um die Präventionsstrategien umzusetzen, die wir heute haben, als auch um neue und bessere Instrumente zu entwickeln wie z.B. Microbiocide und einen Impfstoff.“

Dr. Brundtland fügte hinzu: „Obwohl die Vorbeugung langfristig die vielversprechendste Strategie zur Bewältigung der AIDS-Epidemie ist, dürfen wir die Tatsache nicht aus den Augen verlieren, dass Millionen von Menschen bereits heute infiziert sind. Für diese müssen wir noch mehr tun, um ihren Zugang zu Gesundheitsversorgung und Unterstützung zu verbessern – zu billigen Antibiotika, die das Leben der bereits an AIDS erkrankten Menschen um viele Monate verlängern können; zu lindernden Therapien, die dazu beitragen, das Allgemeinbefinden zu verbessern und das Leiden zu verringern; sowie zu psychologischem und sozialem Beistand für die Patienten und ihre Familien. WHO und UNAIDS werden weiterhin auf die Industrie einwirken, neue HIV-Medikamente zu angemessenen Preisen zur Verfügung zu stellen.“

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Weitere Informationen erhalten Sie bei Anne Winter, UNAIDS, London, Tel: +41-79-134312; Lisa Jacobs, UNAIDS, Genf, Tel: +41-22-7913387; Andrew Shih, UNAIDS, New York, +1-212-5845024; Peter Robbs, UNAIDS, London, Tel: +44-1480-465328; oder unter der Internet-Adresse: http://www.unaids.org/   

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