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Von Bonn nach Recife: UNO-Konferenz befasst sich mit Strategien zur Bekämpfung der Wüstenbildung

UNIC/213

BONN, 9. November 1999 (UNCCD) -- Vertreter der 159 Mitgliedsstaaten der UNO-Konvention zur Desertifikationsbekämpfung (UNCCD), die seit Anfang des Jahres ihr ständiges Sekretariat in Bonn hat, treffen sich vom 15. bis zum 26. November in Recife, Brasilien, um die Bemühungen zur Verhinderung der Landverödung zu fördern.

Desertifikation stellt eine große Bedrohung auf allen Kontinenten dar. Sie betrifft, im stärkeren oder schwächeren Maße, 110 Länder und somit rund 70 Prozent der landwirtschaftlichen Anbaugebiete weltweit. Aber nirgendwo ist das Problem ernster als in Afrika. Die Konferenz in Recife wird sich daher vorwiegend mit den nationalen Berichten beschäftigen, die kürzlich von 39 afrikanischen Staaten vorgelegt worden sind. Diese Länder repräsentieren über 75 Prozent der Fläche des Kontinents. Weitere Berichte wurden eingereicht von vier afrikanischen subregionalen Organisationen, elf Industrieländern sowie von 17 UN- und anderen internationalen Organisationen.

“Trockenheit und Desertifikation bedrohen ernsthaft den Lebensunterhalt von Millionen von Menschen in Afrika, die von dem Land zur Deckung ihrer Bedürfnisse abhängen“, sagte Hama Arba Diallo, Exekutivsekretär der Konvention. “Desertifikation führt außerdem zu massiven Migrationsbewegungen, Konflikten und zur Verschlimmerung der Armut. In den letzten Jahren waren Millionen von Menschen durch die Desertifikation gezwungen, ihr Land zu verlassen und nach Mitteln und Wegen zum Überleben in den nahliegenden Städten oder in anderen Staaten zu suchen.“

“Erfreulicherweise zeigen die nationalen Berichte, dass die afrikanischen Länder bedeutende Fortschritte gemacht haben, indem sie Nationale Aktionsprogramme zur Bekämpfung der Trockenlanddegradierung in Gang gesetzt, ihre Institutionen und Gesetzgebung reformiert und damit die Konvention zu einem effektiven Instrument für nachhaltiges Ressourcenmanagement gemacht haben“, so Diallo.

Nachdem die meisten afrikanischen Regierungen erkannt haben, dass die Armut Ursache und Konsequenz der Landverödung ist, reagierten sie mit der Vorbereitung Nationaler Aktionsprogramme (NAP) zur Abwendung der Desertifikation. Diese Programme sind das Herzstück der Konvention und bilden den konzeptuellen und legalen Rahmen für die Durchführung auf nationaler und lokaler Ebene. Außerdem ermöglichen sie den betroffenen Staaten, ihre Partner weltweit über die Bemühungen zur Bekämpfung der Landverödung und ihren Bedarf an internationaler Hilfe zu informieren.

Schwerpunkte der nationalen Berichte sind die Politiken und Aktivitäten bezüglich der Entwicklung der Landwirtschaft und des Viehbestandes, des Gewässerschutzes und Bodenmanagements, der Forstwirtschaft, nachhaltiger Energieversorgung, verbesserter Landnutzung, des Schutzes der Tier- und Pflanzenwelt, der Familien- und Gesundheitsdienste, der Armutslinderung und Katastrophenbewältigung, der Bildung und des nachhaltigen Tourismus.

Die Regierungen sind auch dabei, institutionelle Reformen durchzuführen, um so für die Gemeinden ein geeignetes Umfeld zur Umsetzung der Konvention zu schaffen. Dazu gehören Dezentralisierung, legislative Reformen und eine Landreform. Außerdem hat jeder afrikanische Vertragsstaat einen nationalen, multidisziplinären UNCCD-Koordinierungsausschuss eingerichtet. Die Aufgabe dieser Komitees ist es, Nationale Aktionsprogramme zu erstellen und durchzuführen sowie die notwendigen nationalen und internationalen Ressourcen zu mobilisieren.

Aus mehreren Berichten geht hervor, dass dort, wo Nichtregierungsorganisationen (NROs) aktiv mit den lokalen Gemeinden zusammengearbeitet haben, wie dies die Konvention vorsieht, ein hoher Grad an Gemeinschaftsverantwortung erreicht wurde. Einige Berichte weisen auch auf die Notwendigkeit hin, die sozialen und politischen Ungleichheiten zu beheben, die eine aktive Teilnahme der 'benachteiligten Gruppen', im besonderen Frauen, behindern.

Alle Berichte geben an, dass die finanziellen Mittel zur Unterstützung der Nationalen Koordinationskomitees und der Programme für das Ressourcenmanagement jährlich zugewiesen werden. Jedoch reichen die vorhandenen Gelder nicht aus, das große Ausmaß der Landverödung und die verheerende Armut effektiv zu bekämpfen.

Viele Industriestaaten stellen technische und finanzielle Hilfe zur Eindämmung der Desertifikation in Afrika bereit. Aber die nationalen Berichte zeigen, dass der Beitrag der internationalen Geber niedriger ausfällt als von den afrikanischen Ländern erwartet. Ihrer Ansicht nach sollte die partnerschaftliche Zusammenarbeit verstärkt werden, um die zu erwartende Unterstützung für die langfristige Durchführung der Anti-Desertifikations-Programme zu sichern.

Im Mittelpunkt der Dritten Vertragstaatenkonferenz von Recife (COP3) stehen auch die Programm- und Budgetplanung des Konventionssekretariats, die Aktivitäten des 'Global Mechanism', der die Finanzierung der Vorhaben in den Entwicklungsländern ermöglicht, Synergie und Zusammenarbeit mit anderen Konventionen (wie solche zur Klimaveränderung und Biodiversität), Verfahren und institutionelle Mechanismen zur Lösung von Fragen der Implementierung sowie zu Schlichtungs- und Streitbeilegungswegen.

Außerdem berichtet das Komitee für Wissenschaft und Technologie (CST), ein Gremium der COP, von dem Einsatz der Frühwarnsysteme für Klimaschwankungen und Unwetter. Eine Spezialgruppe von zehn Experten wird einen Bericht über das traditionelle Wissen von Trockenland-Ökosystemen darlegen und aufzeigen, wie man die Arbeit des Komitees mit ähnlichen Bemühungen anderer Konventionen verbinden kann.

Anlässlich der COP3 werden 60 Parlamentarier verschiedener Staaten nach Recife reisen, um dort am 22. und 23. November über Mittel und Wege zu diskutieren, wie die reibungslose Umsetzung der Konvention unterstützt werden kann. Mehr als 2.500 Teilnehmer, darunter Staatsoberhäupter, rund 50 Minister sowie Repräsentanten von Nichtregierungs- und zwischenstaatlichen Organisationen, internationalen Institutionen, UN-Gremien und der Medien, werden im brasilianischen Recife erwartet.

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Hinweis für Journalisten: Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an Sonia Filippazzi unter (+39-06) 57 05 28 99, Fax: (+39-06) 57 05 42 61, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. , oder an Loredana Profeta unter (0228) 81 52 831, Fax: (0228) 81 52 899.
Die Nationalen Berichte, COP-Unterlagen und andere Informationen sind im Internet zugänglich unter: http://www.unccd.de/.

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